Über Heidelberg

Wo es sich zu wohnen lohnt

Heidelberg ist überschaubar und alle Stadtteile sind relativ gut mit dem Rad zu erreichen. Wer hier lebt, wird sein Auto öfters stehen lassen oder es sogar ganz verkaufen (der Verkehr ist eine Katastrophe, die Stellplätze sind rar). Heidelberg hat insgesamt 15 Stadtteile. Willst Du wissen, wo es sich zu leben lohnt? Check this out:

Altstadt = wer Glück und das nötige Vitamin B hat, wohnt hier. Muss aber mit Lautstärke, Trunkenbolden an Wochenenden, bepinkelten Eingängen und einem Leben im Schatten leben. Die Sonne erreicht hier nur die Dachgeschosswohnungen. Und die sind unbezahlbar! Dafür ist die Lage perfekt. Man plumpst aus seinem Mauseloch quasi direkt ins Geschehen, egal zu welcher Uhrzeit!

Bergheim = auch hier muss man mit Lautstärke, aber vor allem mit dicker Luft (Abgasen) leben. Es ist in den Straßen von Bergheim oft einfach nur stickig und man hat hier wenig Grünflächen. Dafür freut man sich auch hier über eine absolut beneidenswerte Lage. Der Neckar und das Schwimmbad befinden sich in unmittelbarer Nähe. Einkaufsmöglichkeiten, ein Teil der Uni, ein Premium-Fitnessstudio, die Stadtbücherei, ein paar nette Restaurants und die wichtigsten Ärzte befinden sich direkt hier.

Weststadt und Neuenheim = wer Geld hat, wohnt hier. In der Weststadt fühlt man sich zurück in die 50er versetzt. Wald, Hauptbahnhof, Innenstadt – alles in nur 10 Minuten Fußweg entfernt. In Neuenheim wohnen die, die etwas auf sich halten: Ärzte, Bänker und Juristen. Kann also auch ganz schön spießig werden. In der Weststadt trifft man überwiegend auf freilaufende Katzen. In Neuenheim hingegen läuft gefühlt jeder zweite mit einem Hund spazieren. Im Neuenheimer Feld befinden sich die universitären naturwissenschaftlichen Einrichtungen, die Uniklinik, der Botanische Garten und der Zoo.

Südstadt = seit die Amis abgezogen sind, ist dies eine interessante Lage für junge Menschen, Familien, Investoren und Firmengründer. Die sogenannten Baracks werden aktuell umgebaut. Dabei entsteht neuer Wohnraum und zahlreiche Büroflächen.

Handschuhsheim = hier wohnen statistisch betrachtet die meisten Heidelberger*innen. Der Stadtteil ist immer für eine Überraschung gut und man hat hier alles in unmittelbarer Nähe: Einkaufszentrum, Frauensportclub und großer Sportladen, die alte Tiefburg, der beliebte Wochenmarkt, Schulen, Gärtnereien, Odenwald, Bioläden, Restaurants, Cafés, ein kleiner Park, der Neckar und der Friedhof (auf dem übrigens die Eltern der schwedischen Königin begraben sind). Auch zählen die Heiligenberganlage Thingstätte, die Klosterruine St. Michael und das Stephanskloster zu diesem bunten Stadtteil.

Rohrbach = ist toll für Familien und Studenten. Der Stadtteil ist relativ gut mit dem Rad erreichbar und das Tolle: die Mieten sind erschwinglich und der REWE der ausgezeichnet(!) beste in der Region!

Ziegelhausen und Schlierbach = beide Stadtteile gehören zum bergigen Vorort Heidelbergs und liegen sich gegenüber. Der Neckar trennt die Orte voneinander. Hier draußen kommt man schnell in Urlaubsstimmung. Und vor allem – wer´s sportlich mag, wohnt in einem der beiden Stadtteile. Zu Ziegelhausen gehört die bekannte Stift Neuburg, zu der man immer einen hübschen Spaziergang unternehmen kann. Generell lassen sich von hieraus hervorragende Wanderungen machen. Schlierbach stellt tatsächlich den bevölkerungsärmsten Stadtteil dar – nicht aber weil er unbeliebt oder schwer zugänglich ist, sondern weil die enge und zumal nach oben hin steile Bebauung es nicht anders zulässt. Schlierbach zählt nichtsdestotrotz zu den gehobenen Wohngebieten der Stadt. Die wohnen die B-Promis, munkelt man. 

Dossenheim, Schriesheim, Eppelheim = um genauer zu sein, handelt es sich hierbei nicht mehr um Heidelberg, sondern um benachbarte Orte, die an Heidelberg grenzen. Sie haben eines gemeinsam: sie sind kleine, gemütliche und idyllische Orte mit echtem Dorfcharakter und viel Grün. Schriesheim grenzt am Odenwald und liegt zudem direkt an der Badischen Weinstraße. Ein Traum, für alle die gern durch die Weinfelder laufen. Vergesst die Toskana und Südfrankreich! Aufgrund seiner besonderen geografischen Lage, zählt der Ort zu den wärmsten Regionen Deutschlands – was bereits die antiken Römer um 300 n.u.Z. festgestellt haben – weshalb der Weinanbau hier besonders große Tradition hat.

Kirchheim = hat ebenfalls Dorfcharakter, aber der Stadtteil liegt noch in guter Lage (lässt sich problemlos mit dem Rad und den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen). Hier wohnen viele junge Menschen, die sich etwas mehr als eine 9 qm Wohnung leisten möchten. Allerdings wird aktuell von nächtlichen Ausflügen abgeraten, immer wieder kommt es zu kriminellen Vorfällen, die in der Tageszeitung landen. 

Wieblingen = dieser Stadtteil war einst mal ein richtiges “Fischerdorf”. Es befindet sich in Richtung Mannheim und ist aufgrund seiner Nähe zum Neckar sehr beliebt. Am gut zugänglichen Neckarufer kann man sogar richtig baden gehen – oder, der neueste Trend: Stand Up-Puddeling. Auf der anderen Seite wird Wieblingen vor allem als Industriefläche genutzt. Hier siedeln sich viele mittelständische Unternehmen, aber auch zahlreiche Bildungsstätten an. Hier befinden sich die SRH Hochschule, die Berufsschulen, die Waldorfschule und das Finanzamt.

Pfaffengrund = ist ein ehemaliges Arbeitsviertel. Hier sieht es eher aus, wie in einer riesigen Kleingartenanlage aufgrund der historischen Stadtplanung, mit einem gewissen “Lokalpatriotismus” (das erkennt man an den zahlreich gehissten Flaggen in den Gärten). Das Schöne: kein Haus ist höher als 3. Etagen hoch und jeder Wohnanlage ist quasi ein kleiner Garten zugeteilt. Das macht´s reizend und familiär.

Bahnstadt = ist das aktuell beliebteste Viertel Heidelbergs. Allein in den letzten fünf Jahren ist hier sozusagen ein ganzes Stadtviertel hochgezogen worden. Die einen lieben die neue Architektonik, die anderen schimpfen sie eine “Trabantenstadt” und sagen ihr bereits jetzt bereits den Verfall voraus. Doch heute zählt sie definitiv zum angesagten Place-to-be! In der Bahnstadt gibt es eine Universität, viele kleinere Restaurants, Fahrradshops, Schulen und Einkaufsläden. Hier befindet sich außerdem der größte EDEKA (Lebensmittelladen) Europas! Am Gadamerplatz versteckt sich ein verpackungsfreier Laden und an der Promenade findet man zahlreiche Spielplätze – auch für Erwachsene (die beliebte Calesthetics-Anlage)!

Boxberg und Emmersgrund = in den 1960ern wirkten diese beiden Stadtteile hoch oben über Rohrbach vielversprechend. Sie waren richtig angesagt und begehrenswert! Doch die Hochhäuser werfen heute einen großen Schatten auf diese Stadtteile. Heute gehören sie zu Heidelbergs sozialen Brennpunkten. Hier wohnt nur, “wer mutig ist”. Es ist hier günstig, aber auch leider gefährlich. Die Meinungen gehen auch hier zwar sehr auseinander, aber am Ruf wird schon was dran sein, oder? 

Eine gute Wohnalternative ist Mannheim. Die Quadratenstadt liegt nur 15 Min. Fahrt (Bahn/ Pkw), d.h. 19 km von Heidelberg entfernt. Da ist man manchmal vor Ort zu Fuß länger unterwegs. Mannheim zählt heute 310.000 Einwohner*innen, bietet Großstadt-Feeling („Mainhattan“) und eine pulsierende Innenstadt, mit vielen kulturellen Angeboten und architektonischen Besonderheiten. Wer Aktion braucht und von der Heidelberger Bilderbuch-Idylle genervt ist, lebt hier!

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Interview mit der Autorin Katja Edelmann