Kulinarik

Wein – doch welcher darf´s sein?

Ob Wein nun gesund ist oder nicht, darüber können sich meinetwegen die Geister streiten. Wir geniessen lieber und lassen uns den guten Tropfen hin und wieder gerne schmecken. Wir trinken ja fast gar kein Alkohol. Doch wenn wir zu Alkoholischem greifen, dann am liebsten zu Rotwein. Denn er ist bekömmlich, hat den geringsten Zuckergehalt, steigt einem nicht zu schnell zu Kopf, passt zu vielen Anlässen und man kriegt hübsche rote (und manchmal blaue) Lippen.

Weinkunde für Einsteiger*innen

Doch Rotwein ist nicht gleich Rotwein, was man spätestens vor dem Weinregal im Fachhandel bemerkt. Für welchen entscheidet man sich? Für den, mit dem Biosiegel? Für die Flasche aus Südfrankreich oder doch lieber den Wein aus der Region? Das Optische spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Manchmal entscheidet eben doch das Label oder die Haptik.

Wir schreiben diesen Beitrag aber vor allem, um Dir einen kleinen Überblick zu bieten, über das, WAS ES ALLES gibt, um vielleicht irgendwo, warum auch immer, mitreden zu können und Dir die Auswahl zu erleichtern. Schließlich hatten auch wir so unsere Anlaufschwierigkeiten. Lange hieß es “Rotwein – eben, irgendeinen!” Lass uns Dich in die Welt der Reben entführen. Du wirst staunen, was wir alles so erfahren haben. 🙂

Der Beweis: Rotwein ist ästhetisch, sowohl kulinarisch als auch visuell ein Gedicht!

Auf der ganzen Welt wird Wein angebaut. Zu den bekanntesten Regionen zählen (Süd-)Frankreich, die Toskana (Italien), Spanien, Portugal, aber auch Chile, Südafrika, Australien, Neuseeland und Argentinien. Der Wein aus der Region ist aber auch nicht “ohne”: Wein aus der Pfalz oder Baden-Württemberg schmecken wirklich köstlich und viele sind qualitativ sehr hochwertig. Nicht ohne Grund gibt es die Deutsche Weinstraße (die älteste touristische Straße Deutschlands beginnt in Schweigen-Rechtenbach und endet nach fast 85 Kilometern in Bockenheim) und es hat schon seine Berechtigung, dass die Pfalz auch “Toskana Deutschlands” bezeichnet wird (ZEIT 2006). Entlang dieser Straße befinden sich echte Winzerdörfer, die sich auf nichts anderes als den Anbau von Wein spezialisiert haben. Deutschland verfügt über mehr als 100.000 Hektar Weinanbaufläche.

Rotwein-Sorten

Kommen wir nun zurück zu den Sorten – ein wirklich interessante Thema. Wie unterscheiden wir nun einen Burgunder von einem Merlot? Einen Dornfelder von einem Cabernet Sauvignon und einen Tempranillo von einem Sangiovese?

Das sind die sechs wichtigsten Sorten:

1. Cabernet Sauvignon – ist ein französischer Qualitätswein aus der Region Bordeaux. Sauvignon führt auf das französische “sauvage” zurück, was auf deutsch so etwas wie “wild” bedeutet. Der Wein wird inzwischen in fast allen Ländern der Welt angebaut, insbesondere in Kalifornien, in der Toskana, der Pfalz, in Österreich, Australien, Neuseeland und Südafrika. Der Cabernet Sauvignon zeichnet sich durch seine kräftige Tanninstruktur aus. Tannine ist ebenfalls französisch und heißt Gerbstoff. Der Begriff wird zur Beschreibung von Weinen verwendet und entspricht einem harmonischen und gleichzeitig bitteren, adstringierenden oder spitzen Geschmack. Der Cabernet zählt zu den trockenen roten Weinen und schmeckt fruchtig, rau und gleichzeitig kräftig. Kenner*innen schmeckt Lakritze oder grünen Paprika heraus. Na dann, wohl bekommt´s!

2. Pinot Noir – ist eine andere Bezeichnung für Spät- bzw. Blau- oder Schwarzburgunder, also ein Rotwein ebenfalls aus Frankreich. Er entstammt der Region Bourgogne (Burgund). Die Sorte kann wahrscheinlich auf eine 2.000-jährige Tradition zurückschauen. Der Pinot zählt zu den am weitesten verbreiteten und hochwertigsten Rotweinsorten weltweit. Er wird sogar als “König der Rotweine” bezeichnet. Neben Frankreich sind typische Anbaugebiete Baden, Franken, Niederösterreich, die Deutschschweiz (Klevner), Südtirol und einige Orte in Australien. Das Wort Pinot (vom französischen pin) heißt übersetzt Kiefer und wurde gewählt, weil die Trauben einem Tannenzapfen ähneln.

3. Merlot – auch Merlot Noir bezeichnet, da es sich ja auch hier um die rote Sorte handelt. Er wird als “Französische Exzellence” bezeichnet. Denn der Wein kommt – wie sollte es auch anders sein – aus Frankreich, aus Bordeaux. Natürlich wird er auch andernorts angebaut, zum Beispiel in Deutschland, Chile und den USA. Merlot heißt übersetzt “Amsel” und spielt wahrscheinlich auf die dunkle Färbung der Beeren hin, die an das Federkleid der Schwarzdrossel erinnern. Der Merlot wird auf der ganzen Welt als Qualitätswein gefeiert. Man mag vor allem seinen sanften, leichten und harmonischen Geschmack. Ein Merlot schmeckt nach Pflaumen und Kirschen und hat insgesamt eine geringen Säuregehalt. Deshalb geht er auch als “Allrounder” durch, da er einfach zu allem und jedem passt.

4. Sangiovese – hat viele Namen! Er wird unter anderem auch Brunello, Calabrese, Chianti oder Morellino bezeichnet. Es handelt sich hierbei um einen der wichtigsten und wohl bekanntesten Rotwein aus Italien, der sich durch seine helle rote Farbe (fast schon Bronzeschimmer) und einem hohen Säuregehalt auszeichnet. Das Interessante ist, dass die Rebe eigentlich sehr wetterempfindlich und damit sehr Klima-abhängig ist. Dennoch oder vielleicht deshalb ist der Tropfen etwas Besonderes. Der Begriff Sangiovese geht zurück auf die lateinische Bezeichnung “sanguis jovis”, was soviel heißt wie “Blut des Jupiters”. Das hat aber nichts mit dem römischen Gott Bacchus zu tun. Er wurde zwar als Gott des Weines, der Traube, der Fruchtbarkeit, ja sogar des Wahnsinns und Ekstase verehrt, Jupiter aber war der höchste Gott des Römischen Reichs (gleichzustellen mit dem griechischen Äquivalent Zeus). Man kann davon ausgehen, dass der Sangiovese mindestens 2.500 Jahre alt ist. Heute wird der kostbare Wein hauptsächlich in der Toskana angebaut.

5. Tempranillo – Kommen wir nun zu einer typisch spanischen Sorte, der wohl beliebteste Rotwein des südwestlichen Kontinents. Der säurearme Wein ist extrem dunkel und schmeckt fruchtig nach Erdbeere, Pflaume und etwas nach “Holz” und “Leder”. Das macht ihn so besonders. Der Name Tempranillo bedeutet der “kleine Frühe”. Und das sagt auch etwas über seine Herstellungsart aus: Er wird früh geerntet, was ihm seine würzige Note verleiht und ihn gleichzeitig lagerungsfähig macht. Der Tempranillo wird hauptsächlich in den Gebieten La Rioja (es gibt auch den Wein Rioja), Ribera del Duero, Penedes, La Mancha und Navarra abgebaut. Nichtsdestotrotz findet man ihn auch in Portugal, Frankreich und der Schweiz. Die sogenannte Tempranillo-Traube ist auch Bestandteil anderer wertvoller Weinsorten wie der des Rioja (mind. 50%).

6. Dornfelder – Der Dornfelder beschreibt nichts anderes als eine frühreifende Rotweinsorte. Er gehört zu einer deutschen Neuzüchtung (von einem sogenannten Immanuel Dornfeld) seit den 1950er Jahren und wurde seither sehr erfolgreich gehandelt. Der Geschmack und seine Qualität wird natürlich von Sorte, Lese als auch Reife und Herstellung bestimmt. Und das hat Herr Dornfeld immer weiter verfeinert, bis er die perfekte Zusammensetzung hatte! Es wird beim Dornfelder auch unterschieden in Tafel- und Landwein. Und dann gibt es noch Weine mit entsprechenden Prädikat (abhängig vom Anbaugebiet). Zu den beliebtesten Sorten zählen Brogsitter oder Rotkäppchen (letzterer ist uns als Sekt geläufig). Der Dornfelder zählt zur frühreifen Rotweinsorte und basiert auf der Kreuzung der beiden Sorten Helfensteiner und Heroldrebe. Er hat eine kräftige Darbe und wird als “unempfindlich”, kräftig, auch “süffig” und gleichzeitig harmonisch bezeichnet, also der komplette Gegensatz (so Kenner) zum Burgunder.

Man unterscheidet zudem zwischen trockenem, halbtrockenem und lieblichem Rotwein. Kennst Du den Unterschied? Alles eine Frage des Zuckergehalts. Schauen wir uns dies in Gramm pro Liter genauer an:

  • Trocken – ist ein Hinweis darauf, dass der Wein nur noch über einen maximalen Restzucker von vier g/l verfügt. Er hat den Vorteil, den Blutzuckerspiegel nicht allzu sehr ansteigen zu lassen, wie es andere alkoholische Getränke oft tun. Dennoch schmeckt er süß und beerig, da der Säuregehalt auch hier sehr niedrig ist. Zu den typisch trockenem Weinem zählen Merlot, Trollinger oder Dornfelder
  • Halbtrocken – Wird auch Stillwein bezeichnet. Ein halbtrockener Wein unterscheidet sich zum Trockenen durch seinen höheren Restzuckergehalt von maximal 9 g/l (also etwas mehr als doppelt so viel Zucker). Halbtrockener Rotwein ist zum Beispiel der Tempranillo oder der Trollinger. Viele Weißweine und Weinschorlen sind halbtrocken
  • Lieblich – diese Bezeichnung trifft vor allem auf den Riesling zu, auch der Cabinet (Portwein) wird als lieblich bezeichnet. Lieblicher Wein ist meist mild oder süß. Der Unterschied liegt darin, dass der Gärungsprozess unterbrochen wurde, das heißt der Zucker nicht komplett zu Alkohol vergoren und somit eine Restsüße erhalten geblieben ist

Was ist denn ein Trollinger?

Über den Trollinger haben wir in der Tat noch nicht gesprochen, obwohl er sich auch immer größerer Beliebtheit erfreut. Der Trollinger ist ein typisch süddeutscher Wein und wahrscheinlich ein römisches Erbe. Er ist nicht nur trocken (oder halbtrocken), sondern ist das schwäbische Nationalgetränk. Seine tiefrote, fast schon violette Farbe fasziniert und gleichzeitig schmeckt er pfeffrig, pflaumig und nussig zugleich. Der Trollinger wird in Württemberg angebaut und gerne von jungen Leuten getrunken.

Rotwein und seine Vorteile

Das Tolle an Rotwein ist, er passt zu fast allen Gelegenheiten – zum gemütlichen Abend mit dem Buch auf dem Balkon, zum herzhaftem Essen oder einer netten Runde mit Freunden im Garten. Er passt zum Feierabend im Lieblingskaffee, einem Besuch im Theater oder bei einem Live-Konzert. Er hat Stil, ist aber nicht zu spießig. Er passt zu feierlichen Anlässen, lässt sich aber bequem in den Alltag integrieren, ohne einen gleich als Alkoholiker zu klassifizieren. Rotwein beruhigt und berauscht gleichzeitig. Schwere Gedanken lösen sich mit jedem Schluck und betrunken wird man so gut wie nie. Denn bei Rotwein merkt man in der Regel, wann genug ist.

Was also zeichnet einen guten Rotwein aus?

Nicht nur der Geschmack bestimmt letztendlich die Qualität des Weins, sondern auch einige Dinge, die auf die Qualität hinweisen, auf die wir beim nächsten Einkauf achten können:

  • Achte auf Qualitätssiegel. Der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (kurz: VDP) ist ein guter Orientierungspunkt
  • Bio- oder Demeter-Weine spielen auch bei Weinen eine entscheidende Rolle (und sie müssen nicht automatisch teurer sein)
  • Eine Auszeichnung wie “Rotwein des Jahres” und ähnliche bietet immer eine gute Orientierung, ebenso amtlich anerkannte Prüfungen, die eine sogenannte AP-Nummer führen
  • guter Wein ist nicht automatisch teuer. Auch kann eine Flasche aus dem Supermarkt eine gute Wahl sein. Achte darauf, dass die Flasche nicht älter als vier Jahre alt ist und nicht unbedingt aus der untersten, verstaubten Ecke kommt
  • Doch es gilt auch: nicht von hübsch aufgemachten Etiketten blenden lassen
  • Weine mit einem sogenannten Slow-Wine-Siegel (sie tragen oft das Symbol einer Schnecke) sind ebenfalls empfehlenswert. Warum? Sie deuten auf die ursprüngliche, authentische Herstellung des Weines hin, mit Ausrichtung auf ökologische Verantwortung und Nachhaltigkeit
  • Kaufe einen Wein vom/ von der Fachhändler*in, wenn Du Dir nicht sicher bist und lass Dich gern beraten. Vielleicht kannst Du vor Ort eine kleine Kostprobe bekommen, dann fällt die Entscheidung einfacher

Wusstest Du, dass Weine sogar Prädikate für die Qualitätsbestimmung tragen, d.h. sie werden unterschieden in Rebsorte, Reifegrad und in der Lese, wann sie tatsächlich geerntet werden. Wurde die Auslese etwa später vollzogen, kann es durchaus vorkommen, dass das Prädikat “vollreif” oder “edelfaul” lautet.

Zum Glück können wir fast europaweit von einem zuverlässigen Qualitätsstandard ausgehen. Gerade in Deutschland wird stark auf eine gute Qualität geachtet.

Was isst man zum Wein?

Vielleicht ist Dir schon aufgefallen, dass Menschen gerne Käse, Trauben oder Schinken zum Wein essen. Warum ist das so?

Vor allem Käse und Wein gehören irgendwie zusammen. Beides ist intensiv im Geschmack und hebt sich gegenseitig in seinem Gehalt (Frucht/ Eiweiß) auf. Außerdem soll der Käse die Säure, die durch den Wein im Mundraum entsteht, positiv beeinflussen, so dass der Zahnschmelz nicht zu stark angegriffen wird.

Merke: der jeweilige Geschmack dürfe den anderen nicht in den Schatten stellen. Beides muss sich harmonisch ausgleichen. Deshalb wird bei Rotwein gerne auf cremigen Käse (Camembert oder Brie) zurückgegriffen.

Früher galt eine einfache Regel: dunkles Fleisch zu dunklem Wein. Das ist heute aber nicht mehr so. Geflügel (Huhn, Truthahn), getrockneter Schinken oder Schweinefleisch passen gut zum “beerig-aromischen” Rotwein. Auch Wild, Lammbraten uns sogar Spagetti Bolognese schmecken hervorragend zum Gläschen Vin Rouge. Wie wäre es mit Tapas, einer Pilzpfanne, Gemüsegratin oder Pizza? Da läuft einem förmlich das Wasser im Mund zusammen, gell?

Generell sollen ja die Gerbstoffe im Wein die Aromen des Essens steigern und somit den Geschmack intensivieren. Rotwein kann (als einziges alkoholisches Getränk) auf diese Weise sogar beim Abnehmen helfen. Er macht schneller satt und setzt Antioxidantien frei, die etwa die Zellalterung verlangsamen. Natürlich ist Alkohol Zellgift in jeder Hinsicht. Dennoch kann ein Glas Rotwein positiven gesundheitlichen Effekt auf Blutgefäße, das Herz-Kreislauf-System, aber auch Psyche und Wohlbefinden haben. Wie immer gilt auch hier, “alles nach Maß”. Im de Sinne, lass es Dir gut gehen!

Ein paar nennenswerte Weinhändler*innen in Heidelberg:

  • Weinhaus Fehser (in der Altstadt)
  • WeinArtium (in der Altstadt)
  • Wein Refugium (in Handschuhsheim)
  • Feine Weine in der Weststadt
  • Jacques´Wein-Depot (in Bergheim)
  • Vinothek Laibach & Seeger Felix (in der Bahnstadt)

Das nächste Mal sprechen wir gerne über “das richtige Glas” dazu. Denn auch hier gibt es gravierende Unterschiede 😉

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.