Philosophisches,  Urlaub

Ab in den Wald

Auf der einen Seite werden wir immer urbaner und entfernen uns immer mehr von dem natürlichen Orten wie dem Wald. Auf der anderen Seite werden aktuell pädagogische und therapeutische Konzepte entwickelt, um den Menschen wieder ein Stück näher an die Natur heranzuführen. Man spricht in diesem Kontext von einem “Naturdefizit” unserer Gesellschaft. Wissenschaftler*innen haben (wieder-)entdeckt, dass der Wald enorme und nicht zu unterschätzende, positive und gesundheitliche Auswirkungen auf Körper und Psyche hat.

Zur Natur hingezogen

Bereits Aristoteles hat betont, wie lebenswichtig der Wald für das Wohlbefinden und ein gesundes Körpergefühl ist, wie stark dieser sogar unsere Lern- und Konzentrationsfähigkeit beeinflusst. Die sogenannte Biophilie-Hypothese besagt, dass sich der Mensch stets zur Natur (dem Lebendigen) hingezogen fühlt, er sich erst darin und mit all seinen Sinnen entfalten und nur auf diese Weise Mensch werden kann. Und dieser Gedanke ist nicht ganz abwegig: Wir sind schließlich evolutionsbiologisch schon immer darauf ausgerichtet, mit der Natur zu interagieren, uns in ihr zu bewegen, unseren Lebensraum nach ihr anzupassen.

Wald-Wirkung

Der Wald wirkt wie ein Gesundheitsbrunnen. Die Luft ist sauber und staubfrei. Gleichzeitig verströmen die Bäume ätherische Öle, die sogar unsere Atemwege reinigen können. Der Wald senkt nachweislich den Blutdruck und Stress, und soll sogar gegen Depression helfen. Hier draußen in der Natur sinken die Stresshormone automatisch. Sogar körperliche Beschwerden – so konnte man beobachten – gehen zurück. Vielleicht wird uns ja irgendwann der Wald als Rezept verschrieben? So ganz abwegig ist das nicht: Japanische Forscher sprechen schon längst von der “geheimnisvollen Kraft der Bäume”, die gezielt bei Krankheiten jedlicher Art eingesetzt wird.

Hier draußen zwischen Laub, Rinde und Ästen kommt man zur Ruhe. Wir atmen frische Luft und aktivieren unsere Muskeln. Der Wald hält einige interessante Heilmittel für uns bereit, die wir aber nicht mehr kennen oder vergessen haben. Viele der essbaren Wurzeln und Blätter enthalten Bitterstoffe, die stark antioxidativ, und damit gut für die Gesundheit sind. Wir kriegen sie allerdings kaum runter, weil unsere Geschmacksknospen dies nicht gewohnt sind.

Einige der Bitterstoffe können sehr nützlich sein, etwa die Rinde der Weide. In ihr befindet sich das sogenannte Salicin – ein Glucosid, dass dieselbe Wirkung wie Aspirin hat. Die Bäume und Pflanzen verströmen auch sogenannte Terpene. Das sind natürliche organische Substanzen, die durch das Einatmen in den Körper gelangen und die eigenen Immunzellen im Menschen aktivieren. Unser Immunsystem profitiert also enorm davon, wenn wir uns durch den Wald bewegen.

In Japan gibt es “Waldmedizin” als eigenständige Forschungsrichtung. Die Japaner*innen gehen stark davon aus, dass Waldluft und damit regelmäßige Spaziergänge durch den Wald die Gesundheit positiv beeinflussen und sogar das Leben verlängern können.

Wir haben Glück: Deutschland ist mit ca. 32% Waldfläche das waldreichste Land Europas und die Flächen nehmen in den letzten Jahrzehnten sogar zu. Heute entdeckt man wieder, wie wertvoll der Wald für uns und die Umwelt ist. Man lässt den Bäumen wieder mehr Zeit zum Wachsen und pflanzt mehr Eichen statt Fichten. Diese werden bis zu 300 Jahre alt. Die Bäume speichern etwa 2,5 Mrd. Tonnen Kohlenstoff und wandeln diese – kennen wir noch aus dem Schulunterricht – mit Hilfe der Photosynthese in Sauerstoff um. Es ist also an der Zeit, den Wald als Heilkraft und Urlaubsort wiederzuentdecken.

Peter Wohlleben, der, “der mit dem Baum spricht”… kennst Du sicherlich auch noch. Sein Buch und Bestseller 2015 mit dem Titel Das geheime Leben der Bäume muss man gelesen haben, auch oder gerade weil man sonst wenig im Wald unterwegs ist. Das Buch wurde nun verfilmt und hier kannst Du den Trailer davon sehen: