Lifestyle

Über das Sitzen und in Bewegung kommen

Alles ist im Fluss – so sagt man doch. So soll es jedenfalls Heraklit von Ephesos, der griechische Philosoph um 520 v. Chr. einmal gesagt haben. Panta rhei (πάντα ῥεῖ), „alles fließt“ und so bewegen sich Kosmos und Moleküle, Elemente und Lebewesen. Pflanzen, Tiere und der Mensch. 

Doch, Stopp. Der Mensch erfindet den Schreibtisch. Er erfindet Stühle, die Couch und den gemütlichen Sessel. Bücher, Computer, interessante Gespräche und leckeres Essen sorgen dafür, dass wir immer häufiger Platz nehmen. 

Doch nicht nur das, wir sitzen paradoxerweise auch, um uns fortzubewegen: Im Auto, im Bus, in der Bahn und im Flugzeug. Der Sessellift bringt uns in erstaunliche Höhe, im stillen Meditationssitz gelangen wir in erstaunliche Tiefe. Und überhaupt, wir setzen uns so gerne erst einmal hin.  

Wir sitzen sogar, wenn wir meinen, Sport zu machen: Fahrradfahren zum Beispiel. Aber auch an zahlreichen Maschinen im Fitnessstudio, wenn wir unsere Muskeln – wie auch sonst, im Sitzen – trainieren. 

Wann fing es mit dem Sitzen an?

Als Kleinkind lernten wir zunächst einmal das Laufen. Tolle Sache! Sechs ganze Jahre hatten wir Zeit, dieses Laufen ausgiebig zu praktizieren. Bis zur Einschulung. Dann lernten wir, wie wichtig es ist, sitzen zu bleiben, sprich mehr zu lernen, zu lesen und zu rechnen, um gute Schulnoten zu bekommen. Sitzenbleiben für den Erfolg! Und wer nicht Stillsitzen kann, hat wahrscheinlich ADHS (und bekommt zur Beruhigung ein paar Phenylethylamine (kurz: Ritalin)). Daraus ziehen wir: Wer gute Schulnoten hat, hat gut gelernt… und saß entsprechend viel am Schreibtisch… und wird zur Belohnung später einmal… tja, noch mehr Sitzen!

Sitzen – doch wie steht es um unsere Gesundheit?

Schule, Studium, Job. Sitzen, Sitzen, Sitzen. Das ist das Leben von Millionen von Menschen. Ein Gesundheitsrisiko, dass alle Sitzengebliebenen eingehen und mit jedem Jahr womöglich erhöhen. Denn, Sitzen lässt sich leider nicht mit der einen Stunde Sport am Abend kompensieren, wie einige zu glauben scheinen (abgesehen davon, dass die wenigsten von uns abends tatsächlich auf die Stunde Sport kommen). Die meisten fühlen sich von Jahr zu Jahr erschöpfter und im Fitnessstudio gilt man sowieso nur noch als sogenannte “Karteileiche”. Apropos Leiche. Die Zeit in geschlossenen Räumen, sitzend an Computerbildschirm, lässt einen sowieso zu einem blassen, kränklichen und oftmals missgestimmten Zeitgenoss*innen mutieren.

Bewegung fällt zunehmend schwer. Immer häufiger kommt etwas dazwischen: Stress, Karriere, Familienplanung, Hausbau, Krankheit, Urlaub und andere Interessen. Sport nach einem acht- bzw. neun-Stunden-Tag muss man erst einmal hinkriegen!

Wir müssen nicht Medizin studiert haben, um zu verstehen, dass unser Bewegungsapparat (wie der Name schon sagt) hauptsächlich für Bewegung ausgelegt ist.

Job und Lebensstil

Es geht natürlich nicht, seinen sitzenden Job an den Nagel zu hängen und von nun an wild durch die Gegend zu laufen. Vielmehr muss der Lebensstil unter die Lupe genommen werden. Wer genau hinschaut, wird feststellen, dass es tatsächlich einige Optionen gibt. Ein bisschen Luft nach oben ist drin (und wenn es nur kleine Schritte sind, die minimal für etwas mehr Aktivität im Alltag sorgen). 

Sport unmöglich? Aber nicht Bewegung an sich

Vielleicht magst Du keinen Sport, vielleicht begreifst Du dich eher als unsportlich und findest im Alltag sowieso kaum Zeit dafür. Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen und die Situation zu akzeptieren. Die Lage ist nicht ausweglos! Denn es geht nicht um regelmäßig praktizierendes Training, zu dem von uns sowieso keiner kommt. Um wieder fit zu werden, braucht es nur ein paar wenige Veränderungen im Alltag. Es geht um Bewegung in so ziemlich jeder Form. Hauptsache aktiv, unterwegs und aus eigener Kraft heraus. “Beweg Dich” heißt, das Auto stehen lassen, das Rad nehmen, zu Fuß gehen – immer, wenn möglich, alles unter sieben Kilometern. Auch wenn es am Ende länger dauert oder man das T-shirt wechseln muss. „Jeder Schritt hält fit“ und „jeder Gang macht schlank“, da ist was dran.

In der Praxis

Einige hier nun genannten Tipps sind natürlich nichts Neues für Dich. Sie sind weder verbindlich noch müssen sie 100% auf Dich und Deinen Alltag zutreffen. Sie sollen Dich lediglich inspirieren. Du wirst vermutlich zu etwas anderen, vielleicht ähnlichen Lösungen finden. Aber schau´selbst:

  • Reduziere Deine Arbeitsstunden, und wenn es am Ende nur fünf Stunden weniger die Woche sind. Vielleicht braucht Du genau diese, um Dich nach der Arbeit schneller zu erholen und vielleicht mehr Kraft aufzubringen, doch noch einmal eine Runde joggen zu gehen. Eine so geringe Studenreduzierung tut niemandem weh. Der oder die Vorgesetzte kann sich sicher sein, dass Du Deine Arbeit dennoch erledigen kannst und Du hast auch nicht zu große finanzielle Einbußen, als bei einer Stundenreduzierung gleich um die Hälfte.
  • besorge Dir ein gutes Fahrrad und versuche, wenn möglich, überall damit hinzufahren. Wenn Du beispielsweise zu Arbeit 7 Kilometer pro Strecke fährst, kommst Du schon nach 5 Werktagen auf eine beträchtliche Summe von 70(!) km. Und wenn Du im Schnitt 170 kcal pro Fahrt verbrennst, bist Du locker bei 1.700 kcal in nur einer Woche.
  • gehe zu Fuß! Das sind keine Geheimtipps, die wir Dir hier aufzählen. Man kann nur wiederholt betonen, wie wichtig es ist, sich täglich in Bewegung zu setzen, egal wie lang einem der Arbeitstag am Schreibtisch vorkommt oder wie verlockend das Internet ist. Versuche alles (wirklich alles) unter 5 km zu Fuß zu laufen. Geh für die Flasche Wasser, für das Waschmittel und für die Briefmarken extra los und lass Dich nicht von den Online-Lieferdiensten verlocken.
  • trage zu Beginn einen Schrittzähler und finde heraus, wie viele Schritte Du täglich tatsächlich tust. Man muss ein Gefühl dafür bekommen und das eigene täuscht einen gerne einmal. Wusstest Du, dass der Durchschnitt eines bzw. einer typischen Büroarbeitenden bei 500 Schritte am Tag liegt? Wir sollten mindestens auf 10.000 Schritte täglich kommen. Mithilfe eine Schrittzählers lässt sich dies eher erreichen. Einfach mal größere Runden in der Mittagspause drehen und abends vielleicht einen Spaziergang dranhängen. Das reicht oft schon! Und ganz wichtig: Fahrstühle, Rolltreppen und all die modernen Hilfsmittel, die uns irgendwo schnell und bequem hinbefördern, einfach umgehen.
  • wähle den richtigen Tisch. Schon mal an einen höhenverstellbaren Tisch nachgedacht? Oder Du tauscht Deine Essecke gehen einen Hochtisch mit Hockern. Auch nicht schlecht: all´die Stühle wegräumen und sich fortan an einen ca. 30 cm hohen Tisch im Schneidersitz setzen. Zwar wird auch hier gesessen, aber die Haltung ist eine andere, eine natürlichere. Und das Gute ist, sie ist gar nicht so bequem, sodass der Aufenthalt am Tisch relativ kurz ausfällt.
  • Unter Freunden in Bewegung. Wieso muss man sich eigentlich immerzu im Café treffen oder es sich auf der gemütlichen Wohnzimmercouch bequem machen, wenn man seine Freizeit mit Freunden doch auch sehr aktiv gestalten kann: Spazieren gehen, Radfahren, Joggen, Schwimmen, Klettern, Minigolf spielen… Dir fällt bestimmt noch was ein?!?

Na, kribbelt es Dir schon in den Beinen? Dann nichts wie los. Bewegung lohnt sich. Immer.