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Trauzeuge – eine verantwortliche Aufgabe

Als ich von meiner besten Freundin damals gefragt wurde, ob ich ihre Trauzeugin sein möchte, zögerte ich keine Sekunde und sagte, klar! Was macht eine Trauzeugin, dachte ich: die Hochzeit vorbereiten, den Polterabend schmeißen und eine Unterschrift beim Standesamt setzen. Ist doch eine coole Sache. Ich gebe dem Paar selbstverständlich meinen Segen. Die beiden passen wirklich gut zusammen. Was kann da noch schieflaufen?

Mir war die lebenslange Verantwortung damals noch gar nicht bewusst. Ich war über die Jahre eine wirklich miese Trauzeugin, gebe ich zu. Der Junggesellinnenabschied war zwar richtig gut gelaufen und meine beste Freundin hatte eine unvergessliche Hochzeit. Doch kurz nach der Feier – das Paar flog in die Flitterwochen und ich zog für das Studium weg – trennten sich unsere Wege. Wir sahen uns immer seltener, telefonierten nur noch zu Geburtstagen. Ich erinnere mich, dass wir die ersten beiden Jubiläen noch alle nett Essen gingen. Danach hatte jeder andere Dinge im Kopf. Ich hatte besonders viele andere Dinge im Kopf und so vergass ich meine Aufgabe als Trauzeugin.

Heutzutage ist es in Deutschland keine Pflicht mehr, einen oder zwei Trauzeug*in zu haben. Es sei denn, man ist katholisch. Aber das Standesamt hat diese Regelung bereits am 1. Juli 1998 nach §1312 BGB aufgehoben.

Die Aufgaben einer Trauzeugin beziehen sich nicht nur auf die Hochzeit. Sie organisiert zwar den Polter- bzw. den Junggesellinnenabend und hilft bei der Vorbereitung zur Hochzeitsfeier. Sie unterstützt bei der Auswahl des Outfits, hat das Gästebuch im Blick, ist Ansprechpartnerin für die Hochzeitsgäste und trägt wesentlich zum Programm (“Hochzeitsspiele”) bei, aber ihre Aufgaben erstrecken sich über die Feierlichkeiten hinaus.

Eine gute Trauzeugin ist für das Paar auch in den nächsten Jahren da. Die Ehe geht schließlich weiter und es wird sicherlich Situationen geben, in denen man mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte – und sollte! Man muss dafür keine Eheberaterin sein und Paar-Therapeutin schon gar nicht. Es reicht die Tatsache, dass man da ist!

Wusstest Du…

dass der englische Begriff für Trauzeugin viel schöner und aussagekräftiger ist? “Maid of honor” heißt wortwörtlich übersetzt “Mädchen der Ehre” bzw. “Ehrendame” und unterstreicht den anerkennenden, wertschätzenden Aspekt dieser wichtigen Aufgabe.

Ich verpasste die Geburt des ersten und schließlich des zweiten Kindes und wusste nicht, dass mich meine Freundin in dieser Zeit dringend gebraucht hätte. Sie wollte sich nicht nur bei mir ausheulen, ihre Ängste und gemischten Gefühle mit mir teilen, sondern mich bei ihren schönen (wenn nicht gar den schönsten!) Momenten dabei haben. Ich Dummkopf habe sie verpasst und bedauere es heute sehr.

Die Zeit kann ich nicht zurückdrehen. Aber ich habe jederzeit die Möglichkeit, wieder Teil des Ganzen zu werden. Vielleicht werde ich so etwas wie eine coole Tante, Mamas damals beste Freundin. Vielleicht bekomme ich die Gelegenheit, meine Aufgaben als Trauzeugin wieder wahrzunehmen. Die Ehe ist schließlich “eine Brücke, die man täglich neu bauen muss, am besten von beiden Seiten” bemerkte der deutsche Psychologe Ulrich Beer (20. Jh). Und dabei möchte ich gerne unterstützen.

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Du bist auch Trauzeugin? Dann kannst Du hier mehr über die Aufgaben erfahren:

https://www.weddingbible.de/pflichten-einer-trauzeugin-aus-der-ferne/

https://www.gofeminin.de/hochzeitsplanung/aufgaben-trauzeugin-s4014852.html

https://www.ts-karten.de/aufgaben-eines-trauzeugen