Beruf

Thema Geld

Wann machen wir uns eigentlich ernsthafte Gedanken zum Thema Geld? Bereits in der Schulzeit? Bei der Wahl des Studienfachs? In der Bewerbungsphase oder etwa nie – weil unsere Eltern oder Partner schon dafür sorgen, dass wir finanziell save sind?!

Über Geld spricht man nicht?!?

Komischerweise sprechen wir (Frauen) nie wirklich ehrlich über das Thema. Unter Freund*innen beklagen wir zwar das ein oder andere schlecht bezahlte Praktikum, vermitteln uns gegenseitig tolle Studentenjobs (bei denen es vielleicht etwas mehr Trinkgeld gibt) oder geben uns Tipps bei der Jobsuche (“mach das ja nicht für unter 3T brutto”). Doch so wirklich transparent können oder wollen wir nicht darüber kommunizieren.

Neue Lebensentwürfe: es geht nicht nur ums Geld

Vielleicht denken wir, “der Job ist zwar schlechter bezahlt, aber ich mache ihn ja nur vorübergehend. Erst einmal Arbeitserfahrungen sammeln, die Stelle als Sprungbrett sehen. Diese Zwischenstation macht sich gut im Lebenslauf. Danach habe ich sicherlich bessere Chancen”, usw. Oder wir sind von vornherein nicht primär monetär orientiert. Schließlich war bereits unser Studium hauptsächlich interessengeleitet. Und darauf wollen wir unbedingt beruflich aufbauen. Wir arbeiten ja nicht, um in erster Linie Geld zu verdienen, sondern uns selbst zu verwirklichen. Wir wollen etwas tun, was uns wirklich Spaß macht, uns erfüllt und wirklich interessiert. Unsere Motivation speist sich sicherlich aus den Lebensentwürfen vorangegangener Generationen: unsere Eltern und Großeltern haben es uns vorgelebt (oder gerade nicht!). Für uns jedenfalls gilt nicht unbedingt mehr die Kombi: Karriere, Familie, Haus & Hof. Wir arbeiten nicht bis zur Erschöpfung, weil wir zahlreiche materielle Bedürfnisse stillen und irgend jemandem etwas beweisen müssen. Bei vielen von uns stehen oft andere, übergeordnete Werte im Vordergrund. Und manchmal, so müssen wir ehrlich zugeben, können wir es uns auch nicht immer 100% aussuchen.

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Karriere als Frau

Wir wissen von vornherein, dass die Karrierechancen von Frauen – wenn wir nicht gerade Jura, Medizin, Ingenieurwesen oder BWL studiert haben – noch nicht optimal sind (selbst dann müssen sich noch viele Frauen erst noch behaupten). Die meisten jungen Frauen, die eine akademische Laufbahn einschlagen, entscheiden sich dann auch noch für geisteswissenschaftliche Fächer wie Kunst, Pädagogik, Germanistik oder Geschichte. Wenn wir also nicht gerade Lehrer*innen werden wollen, das notwendige Vitamin B besitzen oder gleich eine Professur anstreben, verlangt die aktuelle Arbeitssituation von uns höchste Flexibilität und in den meisten Fällen eine berufliche Neuorientierung nach Hochschulabschluss (Zweitstudium, Umschulung, Ausbildung, Weiterqualifizierung etc.).

Quereinstieg, Kinderwunsch und andere Hürden

Das ist weiter nicht schlimm – kostet uns wahrscheinlich aber weitere schlecht bezahlte Berufsjahre. Schließlich können Unternehmen unsere Gehaltsvorstellungen aufgrund “nicht vorhandener oder mangelnder Kenntnisse und Berufserfahrungen” einfach nach unten korrigieren. Du hörst, es gehört gutes Verhandlungsgeschick und eine gute Vorbereitung dazu. Denn, als Geisteswissenschaftlerin ist man immer Quereinsteigerin – und, wenn wir nicht aufpassen, wird dies gegen uns verwendet!

Dann sind wir auch noch Frauen. Man könnte uns etwa einen Kinderwunsch unterstellen. Die Frage nach der Familienplanung kommt in Bewerbungsgesprächen – trotz gesetzlichem Verbot – leider immer noch vor (hier darf übrigens offiziell gelogen werden) und es wird immer noch davon ausgegangen, dass wir die Care-Arbeit leisten.

Wie flexibel muss man sein?

Und was ist, wenn wir nicht flexibel genug sind, weil unsere pflegebedürftige Omi um die Ecke wohnt, wir in einer Eigenimmobilie wohnen oder der Partner beruflich bereits angekommen ist. Zieht er unseretwegen ins 350 km entfernte Bochum oder gleich nach Berlin? Will man wirklich eine Fernbeziehung? Mal abgesehen davon, sollte man für so einen gewagten Neustart in der Ferne immer genügend Rücklagen haben. Es kann viel dazwischen kommen: Kündigung in der Probezeit, die Notwendigkeit, sich ein PKW zuzulegen, Vorstrecken einer Mietkaution von drei Monatsmieten, neue Möbel, Renovierung oder eben Corona. Wie soll man das alles bezahlen, wo man doch eigentlich genau wegen der Bezahlung dies alles auf sich nimmt. Wir drehen uns im Kreis! Und es wird deutlich, wie kompliziert das Thema Geld manchmal ist.

Wir haben Einfluss auf unser Gehalt

Natürlich haben wir auch vieles selbst in der Hand! Und das ist auch gut so. Wir entscheiden schließlich, wo wir uns bewerben, wann wir einen Jobwechsel vornehmen und für wen wir arbeiten wollen. Wir können uns Hilfe holen, uns professionell auf Vorstellungsgespräche vorbereiten und uns in Sachen Gehaltsverhandlung coachen lassen. Wir können nebenbei Zusatzqualifikationen sammeln, in der Firma Extraaufgaben übernehmen, Engagement und Einsatz zeigen und uns auf immer höhere Positionen bewerben. Alles gute Initiativen, um sein Gehalt nach oben zu korrigieren. Doch, wo ist der Haken?!

Wo ist der Haken?

Es gibt ihn! Und der Haken ist das Geld selbst. Ein höheres Gehalt erfordert in der Regel immer Opfer: sei es eben der zeitliche Aufwand, indem man weiter fahren muss oder unbezahlte Überstunden verrichtet oder seine Freizeit für Schulungen und offene Tasks opfert. Finanziell gesehen muss man auch zunächst in seine Weiterbildung/ Umschulung investieren, ohne die Garantie, daraus irgendwann tatsächlich berufliche Vorteile zu ziehen. Der Zusatzaufwand kostet Nerven und zerrt zudem an der Gesundheit. Kurzfristig kann man dies natürlich machen, sollte aber nicht zur Dauerlösung werden. Denn, am Ende müssen wir uns immer fragen: ist es das alles sein Geld wert?!?

Viel dafür tun, um später viel tun zu müssen

Selbst wenn sich der Aufwand gelohnt hat – die neue Stelle ist hoch angesehen, das Gehalt stimmt, die Aufgaben sind spannend – kann es sein, dass wir uns verrennen und dabei totunglücklich werden. Geld ist nicht alles. Geld bedeutet in der Regel mehr Arbeit, mehr Aufwand, mehr Verantwortung, mehr Stress. Auf der anderen Seite hat man weniger Zeit für sich, seine Familie und Freunde, Gesundheit, Interessen und Ruhe. Wenn wir nicht aufpassen, haben wir am Ende zu viel getan, um am Ende viel mehr tun zu müssen.

Manchmal ist es wichtiger, den Computer herunterzufahren, die Tür hinter sich zu schließen und das Leben zu genießen. Es ist wahrscheinlich sinnvoller, einige der selbst auferlegten Aufgaben zu streichen, um Dinge wieder zu entdecken, die einfach nur Spaß bereiten. Und wer weiß, vielleicht knüpft man gerade jetzt interessante Kontakte, lernt neue Seiten/ Talente an sich selbst kennen, kommt auf eine ganz andere und großartige Ideen oder bekommt den nötigen Abstand, der notwendig ist, um wieder klar denken und seine berufliche Ausrichtung neu betrachten zu können.

Vor lauter Arbeit dürfen wir die unbezahlbaren Dinge im Leben nicht aus den Augen verlieren und gleichzeitig sollten wir unbezahlte Aufgaben nicht immer als unsere betrachten. Natürlich ist und bleibt das Thema Geld wichtig! Die eigenen Finanzen lassen sich aber wahrscheinlicher durch einen ausgeglichenen und selbstbewussten Charakter stärker beeinflussen, als durch Verbissenheit, Frust und unnatürlichem Arbeitseifer. Nimm das Thema Geld wirklich wahr, mach es aber nicht zur einzig wichtigsten Sache der Welt!

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