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Gedichtband Der Knopf

Die Autorin dieses Gedichtbands heißt Marina Garanin. Wie ihr Name vielleicht bereits verrät, kommt die Heidelberger Doktorandin (Klassische Philologie) aus Russland, aus der Hauptstadt Moskau.

In Heidelberg, Bologna und Oxford studierte Marina Musikwissenschaft, Romanistik und klassische Philologie und schreibt heute Gedichte auf Deutsch, Englisch und Latein. Im Jahr 2017 erhielt die Sprachbegabte den Oxford “Chancellor´s Prize of Latin Verse.” Ja, sie spricht fließend Latein, als wäre es ihre Alltagssprache. Hier eine kleine Kostprobe:

Neben dichten und Gedichte rezitieren, tanzt Marina außerdem gerne. Sie spielt Theater, zeichnet und komponiert kleine Lieder (auch zu ihren eigenen Gedichten).

Mit ihrem roten Haar und herzlichen Lächeln fällt die junge Heidelbergerin sofort auf. Sie ist vielseitig talentiert und – wie der erste Gedichtband eindrücklich verrät – in Heidelberg verliebt. Wagen wir mal einen Blick ins Büchlein. Das Gedicht “Wenn ich einmal mein Heidelberg verlasse” bringt ihre Sehnsucht und Liebe zu dieser Stadt auf den Punkt:

“Wenn ich einmal mein Heidelberg verlasse, zum Auszug in ein neues, fernes Land, dann sei in jedem Vers, den ich verfasse, die Herrlichkeit der liebsten Stadt genannt. Kein Tag in diesem Städtchen war vergebens: hier fand ich meinen Katzenpflasterstein, hier stieß ich auf die Liebe meines Lebens: das unaussprechlich göttliche Latein.”

Marina Garanin

Die Gedichte, mit einer guten Portion Ironie und Kreativität, behandeln Alltägliches. Sei es die Fahrt mit der Straßenbahn oder mit dem Fahrrad, der Spaziergang über die Alte Brücke oder ins Neuenheimer Feld. Das Buch in aufgeteilt in die Unterkapitel 1. Mein Heidelberg, 2. Der Knopf und andere Alltagsgegenstände, 3. Soziale Verkehrsregeln, 4. Wetterumschwung, 5. Verlockungen und 6. Unkategorisiertes.

Marinas Reime beziehen sich auch auf untypische Themen. Es gibt eines über “das Lektorat” oder die “Farbe grün”, eines über den “Glühweinärmel” oder das “Bierorakel”. Sie dichtet eine “Ode an ein Rätsel” und richtet ihr “Lob an die Lüge”. Schließlich gibt es da noch diesen “Knopf” (gleichnamiger Titel des Buches) und selbstironisch gibt sie zu, sie habe eine Punktophobie – ein Problem, Punkte zu setzen.

“Ich war zu Gast in fremder Stätte, die Kirchturmuhr schlug Mitternacht, da sah ich dass dort hinterm Bette ein Knopf, scheints sinnlos angebracht.”

Marina Garanin

Amüsant, manchmal ein wenig von Wehmut geprägt, gelegentlich verträumt, überraschend und mit gewisser Leichtigkeit lesen sich die Zeilen im ersten Gedichtband von Marina Garanin, veröffentlicht im Kurpfälzischen Verlag*. Um genauer zu sein, handelt es sich um Lieder, um geschwungene Worte, die eine Melodie besitzen und gesungen werden können. Wenn Marina selbst zu Wort kommt, kann man diesem Singsang sogar lauschen. Hier auf dem Literaturherbst 2020 in Heidelberg:

*an dieser Stelle, vielen Dank an die Betreuerin dieses Werkes Frau Rink vom Verlag für die Empfehlung.