Buchempfehlung

Rezension zu Heidelberger Geheimnisse

Um ehrlich zu sein, dieses Buch haben wir fast übersehen. Das Cover ist unscheinbar, man muss zwei Mal hingucken, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Dann kam der tolle Beitrag auf SWR mit dem Titel “Heidelberg für Fortgeschrittene“, den wir hier mehrmals empfohlen und gezeigt haben. Erinnerst Du Dich? Hier kannst Du ihn noch einmal sehen:

Und plötzlich war uns klar: dieses Buch fehlt in unserer Reihe. Wir müssen es hier unbedingt vorstellen!!! Denn, es ist total spannend und erzählt neue, uns noch unbekannte Geschichten über die Stadt, in der wir so gerne leben.

Am allerbesten finden wir ja, dass unser Lieblingsarzt darin vorkommt. Dr. Jung ist mehr als ein Facharzt für Allgemeinmedizin. Er, seine Frau und inzwischen auch sein Sohn, ebenfalls mit seiner Frau, sind DIE ÄRZTE der Heidelberger Altstadt. Sie verschreiben nicht einfach nur Medikamente – nein, sie hören zu! Helfen wirklich weiter und schauen auch über den Tellerrand … Aber Moment, es soll ja nicht um die Ärzte gehen, sondern um die Heidelberger Geheimnisse, zusammengetragen von den beiden Journalistinnen Eva-Maria Bast und Heike Thissen und veröffentlicht im Bast Medien Verlag (an dieser Stelle herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar). Das Vorwort kommt vom stellvertretenden Leiter der Stadtredaktion Rhein-Neckar-Zeitung Sebastian Riemer.

Heidelberg hat so seine Geheimnisse! Oder sagen wir, Geschichten, die uns verwundern oder gar ins Staunen versetzen. Da ist ein merkwürdiger Stein mit sonderbaren Einschusslöchern, drüben eine Steinfigur mit Münzen im Mund. Mal sind es Gravuren, die wir nicht entziffern können, versteckte Brunnen, merkwürdige Schilder, Namen und Stutuen. Die Unibibliothek trägt auf der Turmspitze einen Stern-Aufsatz, der an einen Kometen erinnern soll, an einem anderen Haus (Richtung Marktplatz) befindet sich eine merkwürdige Jahreszahl in der Hauswand, die mit einem isländischen Vulkanausbruch in Verbindung gebracht wird und in der Hauptstraße steht das Verpackungsmuseum, das früher als Notkirche diente – mehr dazu auch im aktuellen Jahrbuch zur Geschichte der Stadt Heidelberg 2021:

Das Besondere an diesem Buch ist, dass beide Journalistinnen NICHT von hier kommen. Nein, sie sind beide gerade mal zwei Jahre in Heidelberg, als sie sich auf die Suche nach den Geheimnissen machen. Das ist wichtig. Denn vieles kommt dem oder der Heidelberger*in alltäglich vor. Aus purer Gewohnheit übersieht man die aussergewöhnlichen Dinge im Alltag. Zum Beispiel die Bordsteinkanten in der Heidelberger Altstadt: Hast Du schon mal bemerkt, dass das Gestein mehrfarbig bzw. mehrschichtig ist? Es handelt sich hier um Granit, das – jetzt halt Dich fest – mehr als 300 Millionen Jahre alt ist. Tatsächlich bestehen diese sogenannten Tiefensteine aus Feldspat-Kristallen, Quarz und Biotit.

Ein anderes Beispiel ist das schwarze Quadrat mitten auf der Alten Brücke. Kennst Du das? Der Mediziner Dr. Jung, der auch als Stadtführer unterwegs ist und sich gut auskennt, kommt an der Stelle zu Wort: Es handelt sich hierbei um ein in die Brücke gebautes und für ein Pulverfass vorgesehenes Loch, dass zur Verteidigung gegen die Preußen im 19. Jahrhundert dienen sollte. Im Notfall hätte man die Brücke an dieser Stelle sprengen müssen. Zum Glück kam es nie dazu. Das Pulverfass ist natürlich auch wieder entfernt worden.

Und so kann man mithilfe der Karte auf der letzten Seite im Buch Straße für Straße entlanglaufen und den Heidelberger Geheimnissen auf den Grund gehen. Eine super Idee für eine Nachmittagsbeschäftigung, wenn man in Heidelberg sonst schon alles gesehen hat.

Lohnenswerte Hotspots sind zum Beispiel auch der sogenannte “Kanzlerblick” – denn, was viele vielleicht nicht wissen, ist, dass Ex-Bundeskanzler Kohl als Student der Geschichte, Rechts- und Politikwissenschaften in Heidelberg ein- und ausgegangen ist. Hotspot 2 ist der ehemalige Zentralfriedhof … es befindet sich nicht in der Weststadt, wie man jetzt annehmen würde, sondern im Neuenheimer Feld. Heute nur noch als Eingangstor des Zoos zu erkennen. Lohnenswert ist auch der Aufstieg der Bismarcksäule in der Nähe des Philosophengartens. Warum sie dort steht, erfährt man ebenfalls in den Heidelberger Geheimnissen. Und, weshalb es die Himmelsleiter gibt (und warum sie so heißt) und was es mit den Wölfsköpfen am Wolfsbrunnen in Schlierbach auf sich hat, erfährt man ebenfalls im Buch. Letzter Hotsport, der Bergfriedhof. Hier befindet sich ein auffällig großes imposantes Mausoleum mit ägyptischer Sphinx und weißen Marmor-Figuren. Schon entdeckt?

Das Buch macht Lust auf Ausflug, auf eine kleine Reise durch die Stadt, die man eigentlich in- und auswendig kennt. Aber es gibt sie noch, die kleinen Geheimnisse in den Seitengassen, hinterm Haus und unterm Stein. Die beiden Autorinnen Bast und Thissen zeigen ein weiteres Mal, dass Heidelberg viele Facetten hat, eine reiche Geschichte mit noch unbekannten Seiten, die es zu entdecken lohnt. Und vielleicht entdeckt man das ein und andere neue für sich. Ein Blick ins Buch lohnt sich alle Mal!

Du findest die Geschichte Heidelbergs spannend und möchtest noch mehr Außergewöhnliches entdecken, was nicht unbedingt im Reiseführer steht? Dann könnte Dich auch das interessieren: