Buchtipp,  Über Heidelberg

Die Eule

Die Geschichte beginnt damit, dass sich Toni, die Ärztin schweren Herzens von ihrer Tochter verabschieden muss, weil sie für ein Jahr ins Ausland geht. Die junge Studentin überreicht ihrer Mutter zum Abschied ein rotes Buch mit dem Titel (und der direkten Aufforderung) “Mama, erzähl mal”. Hierin soll Toni ihre Erinnerungen, etwa an den schönsten Tag ihrer Kindheit, die erste Begegnung mit “Papa” und Dinge, von denen sie immer schon geträumt hat, hineinschreiben. Die Zurückgebliebene ist sich zunächst nicht sicher, ob das eine gute Idee ist!

Schließlich liegt der Tod ihres Mannes erst vier Jahre zurück – und seitdem lebe sie sowieso nur von einem Moment zum nächsten, möglichst immer in der Gegenwart, immer beschäftigt, um nicht an die Vergangenheit zu denken und Erinnerungen die Schmerzen könnten, aufkommen zu lassen. Die Arbeit “mit dem inneren Kind” so sagt sie, war ihr schon immer befremdlich. Doch vielleicht darf man es nicht als Arbeit betrachten, sondern sollte es besser als Inspiration oder Stärke sehen. Ihrer Tochter zuliebe, setzt sich sich schließlich hin und beginnt das Projekt!

Die Geschichte spielt in Heidelberg und beginnt in den 1970er Jahren. Man hat nicht nur die Bilder der Altstadt oder des Schlossgartens – wo sich die junge Toni damals aufgehalten hat – sondern erlebt die Heidelberger Studentenbewegung der Siebzigerjahre vor Augen. Ja, auch in Heidelberg herrschte regelrecht Aufbruchsstimmung. Die “Wilden Zeiten” waren geprägt von gesellschaftlichen Veränderungen, alternativen Bewegungen und experimentierfreudigen Jugendlichen, die aus dem Kleinbürgertum auszubrechen versuchten. Auch Frauen meldeten sich verstärkt zu Wort und prägten diese Zeit, wie die Autorin Andrea Willig in diesem Erstlingsroman im Edition Essentials Verlag am Beispiel ihrer Protagonistin Toni zeigt.

Es handelt sich um einen subjektiven Rückblick der letzten vier Jahrzehnte einer Frau, die im ständigen Dialog mit ihrem kindlichen Ich steht. Willig zeichnet dabei ein ganz individuelles Porträt einer Stadt und ihren ganz besonderen Schauplätzen – etwa der Marktplatz, die Untere Straße, Neuenheim oder die Kurfürstenanlage usw.

Der Roman ist eine sogenannte Coming-of-Age-Geschichte – die Entwicklung eines bestimmten Menschen von seiner Kindheit bis ins Erwachsensein. Aber auch eine Identitätsfindung, die vielleicht über die Jahre verloren und dank des rotes Buches als Anstoß, wiederentdeckt werden konnte.

Die Autorin und Radiomoderatorin Willig studierte Literatur, Linguistik und Philosophie an der Uni Heidelberg. Sie wollte seit dem sie Teenager war, Schriftstellerin werden. Endlich hat sie ihre erste Geschichte 2018 zu Papier gebracht! Ihre Erlebnisse und Eindrücke während dieser Studienzeit lässt sie selbstverständlich in diesem Roman einfließen, was man an vielen Stellen “herauslesen” kann.

Hier gibts eine Leseprobe (PDF). Und hier erfährst Du mehr darüber:

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