Freunde,  Urlaub

Reise nach Simferopol Сімферополь

Endlich, eine Insel! Die Reise geht dieses Mal auf die Krim. Um genauer zu sein, handelt es sich um eine Halbinsel in Europa, südlich der Ukraine, westlich von Russland, umgeben vom Schwarzen Meer. Simferopol (Сімферополь (ukr.) oder Симферополь (russ.) ist die Hauptstadt der Krim seit 1995. Doch ist die Insel nun autonom, ein Teil der Ukraine oder doch russisches Staatsgebiet? So richtig durchblicken kann da gerade keiner. Anfang 2014 legte der russische Präsident Putin jedenfalls ein Schreiben vor, dass die angebliche Eingliederung (Annexion) der Insel in die Russische Föderation bestätige. Doch dieser Vertrag wird weder von der Bevölkerung noch international anerkannt.

Zurück zur Hauptstadt, die sich als solche der Autonomen Republik Krim versteht. Hier leben etwa 340.000 Menschen, fast 70% davon sind Russ*innen, 22% Ukrainer*innen und 7% sogenannte Krimtatar*innen. Auch eine kleine Anzahl an Weißruss*innen, Armenier*innen, Aserbaidschaner*innen, Pol*innen und Griech*innen machen gemeinsam den restlichen Prozent aus. Es wird Russisch gesprochen, mit Rubel bezahlt.

Heidelberg pflegt die Freundschaft zu Simferopol bereits seit 1991. Doch die Verbindung ist nicht immer leicht, zumindest seit sieben Jahren wird sie durch die russische Seite gestört. In der Hauptstadt existiert ein Heidelberg-Haus (Дом дружбы городов побратимов Симферополь-Хайдельберг), welches die besondere Beziehung zwischen den beiden Städten bestärken soll. “Besonders” ist diese Partnerschaft in der Tat, denn beide Städte können unterschiedlicher nicht sein. Heidelberg, ein idyllischer Märchenort, zugleich aufstrebend und innovativ. Ein Urlaubsziel der ganzen Welt. Simferopol, eine leider verarmte Metropole, an vielen Stellen sanierungsbedürftig und eher eine “Durchgangsstadt” für Menschen, auf dem Weg zum Meer (WELT 03/2014). Das ist gleich: ein Fluss, der durch beide Städte fließt… Doch, das kann nicht alles sein! Simferopol hat mehr zu bieten. Deshalb sehen wir uns hier ein wenig um.*

*Von einer tatsächlichen Reise auf die Halbinsel Krim wird laut Auswärtiges Amt aktuell abgeraten.

Man empfiehlt, die Hauptstadt zu Fuß oder mit den Öffentlichen Verkehrsmittel zu besichtigen. Mit nur 101 km2 ist sie nämlich genauso groß wie Heidelberg – alles super schnell erreichbar.

Da gibt es zum Beispiel das Krimtheater (Dramatisches Theater), das älteste der ganzen Halbinsel. Weltberühmt ist außerdem das Puppentheater, die staatliche Philharmonie, ein Folklore- und ein Kunstmuseum. Doch das allerälteste Gebäude ist tatsächlich die Kebir-Jami-Moschee. Denn der Islam ist aufgrund der Krim’schen Geschichte (durch die Krimtatare*innen) auf der Halbinsel stark vertreten. Die Krimtatar*innen sind eine auf der Halbinsel lebende muslimische turksprachige Ethnie, die hier seit dem 13. Jahrhundert angesiedelt ist. Heute machen sie wie oben schon erwähnt, ungefähr 7% der Bevölkerung aus. Viele von ihnen, man geht von drei Millionen Krimtatar*innen aus, leben allerdings in der Diaspora (hauptsächlich in der Türkei).

Simferopol lässt sich wunderbar dank internationalem Flughafen und Bahnhof erreichen (allein der wunderschöne Bahnhofsplatz ist eine Besichtigung wert). Apropos Bahnhof: von hier aus startet die längste Oberleitungsbuslinie mit der Bezeichnung “Krymskyi Trolejbus” der Welt. Sie verbindet die wichtigsten Orte der Krim miteinander.

Das Wetter! Natürlich ist das Wetter dank vorteilhafter geografischer Lage (direkt am Schwarzen Meer!) traumhaft. Im Sommer kann man aufgrund des kontinentalen Klimas 30°C und mehr erwarten, im Winter fallen die Temperaturen auf durchschnittlich 6°C. Der Niederschlag ist sehr gering. Die Krim wird in drei Zonen geteilt: Steppe, Küste und Gebirge. Simferopol liegt am südlichen Küstenstreifen, was für den mediterranen Flair sorgt. Die beste Reisezeit ist jetzt – zumindest, wenn man Strandurlaub im Sinne hat! Der Kur- und Urlaubsort Alutscha ist nur 50 km und Jalta 80 km südlich von der Hauptstadt entfernt.

Aber auf der Krim lässt sich nicht nur faul am Strand herumliegen. Fleißig kann man in der Nationalen Taurischen Wernadskyi-Universität in (Таврійський національний університет імені В.І. Вернадського (ТНУ) in Simferopol sein. An der 100 Jahre alten Universität sind heute fast 14.000 Studierende eingeschrieben. Die Uni wurde 1918 gegründet und steht ebenfalls in einem Partnerschaftsprogramm mit der Heidelberger Universität.

Das Essen – ist natürlich von russischer, ukrainischer aber auch europäischer Küche geprägt. Die Nähe zum Meer zaubert zahlreiche Fischgerichte auf den Teller und die Krimtatar*innen haben natürlich auch ihren kulinarischen Senf (türkische Küche) dazugegeben. So ergibt sich eine große Auswahl an verschiedensten Leckereien. Von Borschtsch (rote Kohlsuppe) über Schaschlik (Fleischspieße), Wareniki (gefüllte Teigtaschen) bis Bliny (Pfannkuchen). Die Salate sind bunt und frisch, die Hauptspeisen sehr Fleisch-lastig und der Nachtisch zuckersüß. Eine der bekanntesten Süßwarenspezialitäten ist zum Beispiel Halva (bestehend aus Sesam, Honig, Zucker, manchmal auch Nüssen, Pistazien, Mandeln und Sonnenblumenkernen). Und die Kaffeeliebe – gewiss ein orientalischer Einfluss – ist hier kaum zu übersehen.

Krimsekt

Uns wohl am bekanntesten ist der Krimsekt, auch Schampaskoje (шампаньске) oder Sowjetischer Champagner (Советское Шампанское) genannt. In gibt es in zwei Farben: der Weiße wird aus den Rebsorten Pinot, Riesling oder Chardonnay gewonnen und der Rote aus Cabernet Sauvignon, Merlot oder Saperawi (eine besondere Rotweinsorte aus Georgien, dem Alasani-Tal) hergestellt. Der Grundwein wird mit viel Zucker und Hefe angereichert und die Gärung dauert zwei bis drei Jahre.

Die ersten Erzeugnisse sind auf das Jahr 1799 im Ort Alutscha zurückzuführen. Der Zar – mit Sitz in Sankt Petersburg – bestellte den edlen Tropfen höchst persönlich. Hundert Jahre später wurde der Champagner auf der Pariser Weltausstellung ausgeschenkt und gleich mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Seither ist der Krimsekt in aller Welt bekannt und beliebt. Und leider auch zu einem Massenprodukt geworden, obwohl seine Herstellung rechtlich an keinen Ort gebunden ist. Vor allem die Ukraine ist heute Weltmeister in der Herstellung und Exportschlager von Krimsekt. Ein guter Krimsekt ist immer gut gekühlt und kostet heute zwischen 30 und 72 Euro.

Unsere Reise endet an dieser Stelle. Es ist schade, feststellen zu müssen, dass die Krim sicherlich als “Saint Tropez des Ostens” durchgehen könnte – die Bedingungen sind jedenfalls ideal! Doch die Realität zeigt, dass die Insel für politische Machtspiele instrumentalisiert wird, die nicht zulassen, dass hier etwas dauerhaft Schönes und Stabiles gedeiht und Besucher*innen aus aller Welt anziehen könnte! Doch die Menschen vor Ort geben die Hoffnung nicht auf und machen das Beste daraus.

Du kannst Dir gerne selbst ein eigenes Bild von Simferopol machen. Begebe Dich zum Beispiel auf einen 15-minütigen virtuellen Spaziergang durch eine Hauptstadt: