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Reise nach Rechovot רְחוֹבוֹת

Vorderasien. Ostufer des Mittelmeers. Südspitze am Golf von Akaba. Subtropisches Klima. Steppe, Wüste, Totes Meer. Orangen-, Oliven- und Feigenbäume, egal wo man hinschaut. Wir befinden uns in Israel, einem nicht ganz unproblematischen Zwei-Völkerstaat, dessen politisch zugegeben schwierige Lage wir heute bewusst für diesen Bericht außen vor lassen (wen dies dennoch interessiert, kann hier im Dossier der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) nachschauen). Es geht heute vor allem um die Heidelberger Partnerstadt Rechovot, gelegentlich auch Rehovot oder Rechowot (hebräisch רְחוֹבוֹת und arabisch رحوفوت) geschrieben. Die Stadt wurde 1890 gegründet. Sie ist damit eine der ältesten Städte des Staates Israel. Seit 1983 pflegt Heidelberg eine besondere Beziehung zur “Stadt der Zitrusfrüchte”, 20 km von Tel Aviv und 50 km von Jerusalem entfernt.

Was verbindet beide Städte miteinander, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können?

Rechovot zählt mit etwas mehr als 142.000 Menschen ähnlich viele Einwohner*innen wie Heidelberg. Rechovot hat eine ausgeprägte Universitätsstruktur und wird für seine Spezialisierung auf Landwirtschaft international hoch geschätzt. Aber auch die Ausrichtung auf Nahrungsmittel- und Umweltforschung macht den Städteaustausch besonders interessant.

Berühmt für seine Grundlagenforschung

Man darf nicht vergessen, die klimatischen Verhältnisse in Rechovot bewegen sich zwischen mediterranes, bzw. subtropisches bis Wüstenklima. In einem Land, dass von Wasserknappheit geprägt ist, spielt die Grundwasserversorgung eine wichtige Rolle. Und das gelingt der kleinen Stadt besonders gut. Rechovot ist für seine naturwissenschaftlichen Grundlagenforschungen sogar weltweit berühmt! In den 1990er Jahren gelang es dem Land das im Mittelmeer gewonnene Salzwasser dank neuester Technologie so zu recyclen, dass es im Haushalt, als Trinkwasser und zur Bewässerung der Plantagen problemlos eingesetzt werden konnte.

Wer sich also für Umwelt, Natur- und Lebenswissenschaften auf internationalem Niveau interessiert, dem sollte das Weizmann-Institut ein Begriff sein: Das Institut wurde 1934 gegründet und zählt heute zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen mit breit gefächertem Fächerangebot. Der Campus ist auf über 1,2 km2 Fläche ausgelegt. Hier studieren über 1.000 Student*innen und arbeiten 2.500 Mitarbeiter*innen (darunter 250 Professor*innen und 850 promovierte Wissenschaftler*innen). Themen, wie “erneuerbare Energie”, “junge Wissenschaften” und “Biomatik” klingt natürlich auch für Heidelberg wie Musik in den Ohren! Schauen wir uns die Stadt mal im Videoclip an:

Rechovot – “weite Räume” und unverwechselbare Zitrusfrüchte

Wie der Name bereits andeutet – er bedeutet übersetzt “Straßen”, “weite Räume” – geht es um Wege und Verbindungen, die sich in einer so produktiven Stadt, wie Rechovot erschließen können. Mit der Stadtgründung errichtete man Plantagen und baute Wein, Mandeln und Zitrusfrüchte an. Und jeder, der schon einmal frisches Obst aus Israel probiert hat, wird wahrscheinlich nie wieder Obst aus dem hiesigen Supermarkt essen: rote, gelbe und süße Grapefruits, Kumquat-Zwergorangen, Minneolas-Mandarinen, Bergamotte, Cedro-Zitronen, Trocco-Orangen usw. In den 70ern wurde beispielsweise die sogenannte Jaffa-Orange nach Europa exportiert. Bei uns ein Dauerrenner, bis heute! Der Name wird auf den Ort Jaffa zurückgeführt, ein kleiner Stadtteil von Tel Aviv, nur 20 Kilometer von Rechovot entfernt.

Pomelo, Pomelit, oder auch einfach nur Sweetie genannt, ist eine Kreuzung von Pampelmuse und Grapefruit. Und das kommt an: leicht zu schälen und nicht mehr ganz so bitter im Geschmack. Schon mal probiert?

Auch die Mandarine Ori, ebenfalls eine israelische Neuzüchtung, findet viele europäische Abnehmer*innen. Sie ist deshalb so beliebt, weil sie handlich und kernlos, leicht zu schälen, saftig und süß ist. Einfach perfekt für den kleinen Snack im Norden Europas.

Rechovot – Heiliges Schlemmerland

Und wenn wir schon beim Essen sind: willkommen im Schlaraffenland der frischen und sonnengereiften Zutaten! Fast die Hälfte der täglich gegessenen Nahrungsmittel ist hierzulande Obst. Besonders beliebt sind Wassermelone und Weintrauben. Man kann sich vor Duft und Farbenpracht nicht satt sehen. Doch, den Magen kann man sich auch gern vollschlagen mit Hummus (Kichererbenpaste), Falafel oder Baba Ganoush (eine Art Dip oder Vorspeise mit gerösteten Auberginen, frischen Kräutern, Granatapfel, Olivenöl, Zitronensaft und Sesam). Außerdem sollte man unbedingt das israelische vegetarische Nationalgericht Shakshuka probieren (ein Pfannengericht aus Eiern Tomaten, Paprika und Zwiebeln). Zum Schluss darf natürlich nicht der süße Nachtisch fehlen, eine große, karamellige Medjool Dattel.

Museum einer etwas anderen Art

Will man sich vor Ort etwas anschauen, kann man einen Strand- und Shoppingausflug nach Tel Aviv unternehmen oder das Grüne aufsuchen, wie den Rehovot Winter Puddle (Landschaftsschutzgebiet). Auch dieses Museum – das Ayalon Institut – ist eine Besichtigung wert. Es zeigt auf beeindruckende Weise die manchmal angespannte politische und zwischenmenschliche Situation, in der viele Menschen hier noch immer leben: Das Museumsgelände besteht aus zwei Gebäuden. Auf der Oberfläche findet man eine ganz normale Wäscherei. Doch unterirdisch versteckt sich eine geheime Munitionsfabrik. Damit man damals, um den zweiten Weltkrieg herum keinen Verdacht schöpfte, sollte die Wäscherei insbesondere von sämtlichen Geräuschen und Gerüchen, die durch die Verarbeitung von Patronen entstanden sind, ablenken. 45 Männer und Frauen stanzten hier täglich in zwei Schichten und acht Meter unter der Erde Messing zu leeren Hüllen, die sie dann eigens mit Schießpulver zu Patronen füllten. Auch die britische Arme, die hier ab und an ihre Hemden zur Reinigung brachte, ahnte damals nichts. Das Messing, so erklärte man den Soldaten, sei für die Herstellung von koschem Lippenstift-Gehäuse, was man den Arbeiter*innen offensichtlich abkaufte.

Wissenschaft und Zukunft

Heute schaut die Stadt nach vorne und konzentriert sich auf Kultur und Forschung. Dafür steht auch der nördlich gelegene Rechovot Science Park, wo sich die Hightech-Industrie und Spitzentechnologie institutionell angesiedelt hat. Im folgenden Imagefilm bekommst Du einen kleinen Eindruck davon:

Kurzum: Rechovot ist eine hochmoderne und vor allem eine zukunftsorientierte Stadt. Ein Ort zwischen Palmen, Wüstensand und weißen Hightech-Fassaden. Rechovot ist eine junge, bunte und lebendige Stadt, in der Lebensqualität im Vordergrund steht. Gutes Klima, leckeres Essen, internationale Ausrichtung – trotz manchmal schwieriger politischer Situation. Rechovot bemüht sich um ein Postkarten-Idyll, für alle, die weiterkommen und noch etwas bewegen möchten.