Freunde,  Urlaub

Reise nach Montpellier

“Salut!” und willkommen im Süden Frankreichs. Dass Heidelberg aufgrund der Geschichte und geografischen Lage eine besondere Beziehung zum westlichen Nachbarland pflegt, dass ist wahrscheinlich nachvollziehbar. Die Freundschaft zu Montpellier ist jedoch einzigartig. Seit 1961 schon sind Heidelberg und Montpellier Partnerstädte. Der Austausch wird beispielsweise durch das “Maison de Heidelberg” in Montpellier und dem “Montpellier-Haus” in Heidelberg bekräftigt und gefördert.

Wer will denn schon nach Paris, wenn´s doch Montpellier gibt

Lust auf einen kleinen Abstecher? Cést parti! Ob mit Zug oder Auto, ganze 940 Kilometer trennen Montpellier und Heidelberg voneinander. Das sind fast 9 Fahrtstunden, vorbei an Städten wie Karlsruhe, Straßbourg, Dion, Macon, Valence und Nimes. Die Stadt Montpellier liegt ganz im Süden, nur 10 km vom Mittelmeer entfernt. Sie wird auch die “Schönwetterstadt” genannt.

Montpellier zählt mit etwa 285.000 Einwohner*innen zu einer der am schnellst wachsenden Städte Frankreichs. Kein Wunder! Man muss sich nur umschauen: tolles Klima, guter Wein und eine Kultur, die bereits um 986 n.u.Z. erblühte. Die Stadt à vol d‘oiseau – einmal aus der Vogelperspektive:

Da gibt es zum Beispiel den Place de la Comédie. Er gilt als Ausgangspunkt für touristische Ziele, als Treffpunkt und Zentrum der Stadt. Die perfekte Nähe zum Hauptbahnhof macht den Platz, der auch “l’œuf” (das Ei) bezeichnet wird, zum Knotenpunkt zwischen Altstadt und den modernen Stadtteilen. Die Neustadt wurde beispielsweise erst 1983 erbaut. Um plötzlich ging´s los! Der Bauboom, die magnetische Anziehungskraft,… als sei die Stadt aus ihrem langen “Dornröschenschlaf” erwacht.

Auch in Montpellier steht ein Triumphbogen – Porte de Peyrou – den man sogar besteigen kann. Aus 28 Meter Höhe hat man einen tollen Ausblick auf die Ostseite der Stadt. Er wurde damals um 1715 für den französischen “Sonnenkönig” Ludwig XIV erbaut. Daher auch die vier eingravierten Metopen (Das Graffiti von damals) mit Sonnensymboliken, wie sollte es auch anders sein.

Montpellier und seine Märkte, cést magnifique! Da gibt es beispielsweise den Marché des Arceaux – der “definitiv schönste Markt der Provence”, die Halles Castellane – “ou règne l’authenticité et l’amour du métier” (wo Liebe und Authentizität zum Beruf gehören) und selbstverständlich den Marché de Montpellier, ein einzigartiger Bauernmarkt in der Rue Draperie Rouge. Montpellier ist aufgrund seiner Nähe zum Mittelmeer ebenfalls bekannt für seinen guten Fischmarkt. Auf diesen Märkten lernt man erst richtig kennen, was die weltberühmte und geschätzte Cuisine française überhaupt ist. Die Zutaten sind das A und O. Frische und Regionalität, übrigens auch eine Bemühung und Ausrichtung Heidelbergs.

Und was ist schon das Louvre, wenn man auch ins Musée Fabre gehen kann. Das Museum wurde um 1825 vom gleichnamigen Maler gegründet. Hier befinden sich zahlreiche bedeutende Gemäldesammlungen Frankreichs. Unter den 1.800 Gemälden, 4.000 Zeichnungen, 1.500 Grafiken und mehr als hundert Skulpturen, sind Werke von Gustave Courbet, Frédéric Bazille oder Alessandro Allori zu sehen. Die meisten Werke stammen von Künstler*innen aus der Region, die ihre künstlerische Inspiration mit Sicherheit aus der Region um Montpellier schöpften.

Neben Kunst und Kultur, Tourismus und Geschichte, gehört Bildung zu einer weiteren Gemeinsamkeit von Montpellier und Heidelberg. Ähnlich wie hier vor Ort, machen Studierende den Großteil der Bevölkerung aus. Immerhin sind es etwas mehr als 60.000 Student*innen, die das Stadtbild Montpelliers prägen (in Heidelberg sind es 40.000 Studierende). Neben den drei Universitäten, findet man hier noch zahlreiche Écoles Nationale. Am bekanntesten ist die Medizinische Fakultät (1137 gegründet) – sie zählt zu den ältesten der westlichen Welt. Hier hat beispielsweise Nostradamus (16. Jahrhundert), der “Meister der Prophezeiungen”, studiert und später als Arzt und Humanist gearbeitet.

Ein entspannter Spaziergang durch die Altstadt – das kennen wir nur zu gut! Hier gibt es viel zu sehen und somit weitere Parallelen zwischen Heidelberg und der Stadt im französischen Süden: die Gassen Montpelliers sind malerisch, verwinkelt und historisch. Die Straßen sind eng, die Häuser mehrere hundert Jahre als und zwischendrin finden sich immer wieder traditionelle Handwerksbetriebe. Bäckereien, die ihre Brötchen selbst backen, Geschäfte, die eigen angebautes Olivenöl verkaufen oder die Weinhändler*innen, die ihren besten Sorten anbieten.

Dafür wird Montpellier nämlich besonders gefeiert: die Stadt befindet sich mitten im bekanntesten Weinanbaugebiet Frankreichs: die Römer haben um 120 v.u.Z. vermutlich den Grundstein für die fast 290.000 Hektar große Anbaufläche namens Languedoc gelegt, weshalb der Weinanbau stolz auf eine Jahrtausendealte Tradition zurückblicken kann. In Languedoc herrschen ideale Wetterbedingungen: 300 Sonnentage im Jahr! Im Sommer ist es heiß und trocken, im Winter mild, bei etwa 12°C. Da wundert es nicht, wenn hier drei Mal mehr Wein produziert wird, als in Deutschland.

Bist Du auch schon trunken vor Glück und neugierig wie ein Wiesel? Willst Du mehr über Montpellier erfahren? Spar Dir die 900 Kilometer und besuche doch mal das Montpellier-Haus in der Kettengasse 19 (Altstadt Heidelberg). Hier gibt es beispielsweise auch die Rubrik “Weinkarte & Spezialitäten”. Das Haus bietet Gästezimmer (in Heidelberg) an, informiert über Veranstaltungen und vermittelt zwischen beiden Städten (zum Beispiel in Form von Sprach-Programmen, Gastfamilien oder sogar Stipendien). Also, quést-ce que tu attends, venir!

Kennst Du außerdem das französisch-deutsche Kultur-Programm der DFA (deutsch-französische Arbeitsgemeinschaft)? Dann schau mal hier rein (PDF).

Auch interessant: Wusstest Du, dass fast jede*r dritte Franzos*in gerne in Montpellier leben würde? Warum die Menschen sogar Paris gegen den Süden tauschen möchten, erfährst Du hier (in Originalsprache):