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Reise nach Kumamoto 熊本市

Willkommen im “Land des Feuers”! Die Stadt Kumamoto 熊本市 befindet sich auf Kyushu inmitten einer aktiven Vulkanlandschaft, im südlichsten Teil Japans. Es ist auch das Land des Bebens. Erst 2016 erlebte die Region schwere Erschütterungen von der Stärke 7,3 denen ein Vulkanausbruch folgte. Was für uns fürchterlich klingt und kaum vorstellbar, ist für Japan leider fast Gewohnheit. Denn das Land liegt am sogenannten pazifischen Feuerring. Hier befinden sich besonders viele aktive Vulkane. Erdbeben gehören hier fast zur Tagesordnung. Und dennoch hielt die Welt im April vor fünf Jahren kurz den Atem an: wichtige Stätten, Wohnblöcke, Straßen und Sehenswürdigkeiten wurden zerstört, auch die bekannteste Burg Japans. Die Reparaturarbeiten dauern bis heute an:

Aufgrund der vermeintlich gefährlichen Lage, würde man vermuten, dass hier nur wenige Menschen leben können. Doch das Gegenteil ist der Fall: allein in Kukamoto leben 750.000 Menschen – und das auf einer Fläche, die so groß ist wie Köln. Die Stadt zählt zur 17. größten Japans.

Kumamoto ist umgeben von einer eindrucksvollen Landschaft – eine Mischung aus Bergen (Vulkanen), Inseln und heißen Quellen. Ganz Japan besucht die bekannten Onsen-Resorts.

Was ist denn ein Onsen?

Wie die Sauna in Finnland, die Banja in Russland, der Hammam in der Türkei, so haben die Japaner ihre Onsen (温泉). Onsen ist die japanische Bezeichunung für “heiße Quelle” – am liebsten eine natürliche, von aktiven Vulkanen erhitzte Wasserquelle im Freien, wie sie in der Region um Kumamoto zahlreich zu finden ist. Die Onsen spielen in der japanischen Kultur eine wichtige Rolle. Sie gehören fest zum Alltag (als Ausspannungsort) dazu und haben ihre festen Regeln, wie etwa die strikte Geschlechter-Trennung oder die Einhaltung von absoluter Ruhe. Die Regeln können von Ort zu Ort variieren. Aber im Grunde gilt: immer ein kleines Handtuch bei sich zu führen, dass man sich zum Beispiel auf die Stirn legt (zum Abtropfen von Schweiß) und beim Ein- und Aussteigen ins Becken vor seine Genitalien hält. Ist man tätowiert, wird er oder sie wahrscheinlich nicht teilnehmen können. Geduscht wird in der Regel vorher und im Sitzen (auf einer vorgesehenen Sitzbank). Man will schließlich den Onsen nicht “verschmutzen”.

Wetterbericht

Wenn wir uns schon im Freien befinden, dann lass uns etwas mehr über das Klima erfahren: die Luftfeuchtigkeit in dieser Region ist relativ hoch und es regnet ganz schön viel, insbesondere in den Sommermonaten Juni und Juli (der Niederschlag liegt bei 403 mm pro Monat). Im Sommer ist es dazu noch heiß. Es kann bis zu 34°C warm werden. Und im Winter fällt die Temperatur auf 1 bis 10°C. Auch mit Schnee ist in dieser Gegend immer wieder zu rechnen.

Sehenswürdigkeiten

Eine der berühmtesten Burganlagen Japans ist die majestätische Burg Kumamoto (熊本城) mitten im Zentrum der Stadt Kumamoto. Sie wurde 1607 erbaut, 1877 durch ein Feuer zerstört und in den 1960er Jahren wieder rekonstruiert. Leider ist sie 50 Jahre später erneut einer Katastrophe zum Opfer gefallen: das Erdbeben von 2016 beschädigte die Burg massiv. Ziegel flogen vom Dach, Wände stürzten ein, Fundamente wurden zerstört. Erst ab April 2021 soll die Burg zumindest zum Teil wieder zugänglich sein. Es stehen wahrscheinlich aber noch weitere 20 Jahre Reparaturarbeiten bevor. Besonders sehenswert ist die Burg in der Kirschblütenzeit. Ganze 800 Bäume sorgen für ein zauberhaftes Spektakel. Aber auch der 400 Jahre alte Honmaru-Goten-Palast im Inneren der Burg, ist eine einzigartige Attraktion.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der sogenannte Suizenji Park (水前寺成趣園), ein Landschaftsgarten, der bereits 1636 angelegt wurde und den östlichen Seeweg namens Tokaido und den Berg Fuji imitiert. Takaido ist eine wichtige historische und im Westen Japans gelegene Handelsstraße des alten Japans. Und Fuji ist mit seinen 3776 Metern Höhe der höchste Berg Japans. Er ist sogar aus dem Weltraum zu sehen und zählt zum Weltkulturerbe. Diese Schmuckstücke lassen sich im Suizenji Garten besichtigen.

Kumamoto hat drei nennenswerte Museen: das Kumamoto Präfektur Museum der Künste (熊本県立美術館), das Städtische Museum (熊本市立熊本博物館) und das Museum der Zeitgenössischen Kunst (熊本市現代美術館).

Es gibt zwei Feste im Sommer, die für die Region bekannt sind. Da ist einmal das jährliche Yamaga-Laternenfest: war es etwa der hier typische Nebel, der für eines der schönsten Feste dieser Stadt sorgte? Legenden nach hat sich ein japanischer Kaiser im Nebel verirrt. Die Stadt beschloss kurzerhand all ihre Fackeln zu zünden, damit Ihre Majestät zurück zur Stadt findet. So verselbstständigte sich dieses Ereignis und wird seither jeden 16. August, heute mit über 4.000 Feuerwerkskörpern und zahlreichen Laternen gefeiert. Ein besonderer Hingucker sind die auf den Köpfen der Frauen angebrachten Laternen. In Yamaga gibt es sogar ein Laternenmuseum, falls man das Fest verpasst und mehr darüber erfahren möchte.

Dann ist da noch das jährliche Pferdefest im September zu erwähnen. Es ist ein sehr buntes und lebhaftes Fest. An diesen Tagen treten mehrere Teams gegeneinander an und stellen ihr am besten dekoriertes Pferd zur Schau. Die Prozession erstreckt sich über die ganze Stadt. Viele bunte Zelte mit Ständen sorgen dafür, dass die Besucher*innen kulinarisch verwöhnt werden.

Kumamoto hat eine starke und breit aufgestellte Infrastruktur. Sowohl chemische und pharmazeutische Industrie, als auch Textilverarbeitung und Papierherstellung sind hier vertreten. Sie ist ebenfalls für ihr Kunsthandwerk bekannt, das hier aktiv betrieben wird. Die Stadt wird zugleich auch als “Silicon Island” bezeichnet, da sie ebenfalls mit Bio-Technologie und Hightech punkten kann. Vorbildlich und international bekannt ist die Metropole außerdem für ihren aktiven Umweltschutz.

Lokale Ess-Spezialitäten – die Vulkanlandschaft sorgt nebenbei nicht nur für sauberes und mit vielen Mineralien angereichertes Quellwasser, sondern für eine erträgliche Ernte. Hier wachsen Zitrusfrüchte und Reis besonders gut. Auch stellt die Region perfekte Bedingungen für die Aufzucht eines besonderen japanischen Rinderart, die auf der ganzen Insel sehr begehrt ist. Die Akaushi-Rinder sind nämlich freilaufende Weiderinder. Ihr Fleisch ist mager, zart, sehr eisenhaltig (rot) und hochqualitativ. Die Nähe zum Meer sorgt zudem für zahlreiche Fischgerichte. Die Einwohner*innen Kumamotos sind kulinarisch einfach bestens versorgt.

Bester Ort zum Lernen und Forschen – Die Stadt ist mit seinen neun Universitäten und Colleges sehr attraktiv für nationale und internationale Studierende. Zu den bekanntesten Unis zählen die Kumamoto Gakuen Universität, die staatliche Universität Kumamoto und die Sojo Universität. Wie sieht das Studentenleben aus? Welche Fächer belegen die Student*innen und was schätzen die jungen Leute hier besonders? Hier ein kleiner Einblick in den Alltag von Studentinnen und Studenten:

Heidelberg ist seit 1992 Partnerstadt von Kumamoto. Der Austausch findet vor allem zu den Themen Jugendarbeit, Medizin und Sport statt. Auch das Heidelberger Universitätsklinikum steht im engen Kontakt zum städtischen Krankenhaus Kumamoto. Jährlich nehmen bis zu fünf Mitarbeiter*innen des jeweiligen Ortes am Austausch statt. Darunter sind Ärzt*innen und Pflegekräfte, die das jeweils andere Land besuchen und dort für eine Weile leben und arbeiten.

Es gibt in Heidelberg außerdem einen Heidelberger Freundeskreis Kumamoto, der die japanisch-deutsche Freundschaft dieser beiden Städte zusätzlich unterstützt. Der Verein organisiert beispielsweise japanbezogene Veranstaltungen, Reisen und Sprachkurse.

Natürlich gibt es hier noch viel mehr zu entdecken. Kumamoto ist ein Ort der Gegensätze, der unberührten Natur, der modernen Industrie, des Ursprungs und der Zukunft. Aktive Vulkane formen das Land, versetzen es in Angst und Schrecken und tragen gleichzeitig zur reichhaltigen, vielfältigen Landschaft bei, die das Leben der Menschen bereichert. Nutzen und Gefahr, Faszination und Geheimnis, ein ganz besonderer Ort eben.