Freunde,  Urlaub

Reise nach Hangzhou 杭州

Heute beginnt offiziell das Chinesische Neujahrsfest! Deshalb geht unsere erste Reise nach Hangzhou (in China), eine der acht Partnerstädte Heidelbergs.

Wahrscheinlich wirst Du genauso wenig über Hangzhou wissen, wie ich, nämlich nix! Umso spannender wird´s. Los gehts.

Geschrieben wird die Partnerstadt auf ihrer Landessprache so: 杭州 – das ist Mandarin (eine Art “Hochchinesisch”) und wird [hángzhōushì] ausgesprochen. Hangzhou ist die Hauptstadt von Zhejing. Die Provinz liegt im Osten, etwa 190 km südlich von Shanghai, an der Mündung des Qiantang-Flusses. Sie zählt zwar zu den kleinsten chinesischen Provinzen, allerdings ist die die wohlhabendste Chinas.

Jedenfalls ist Hangzhou nicht aufgrund seiner Größe oder Struktur Heidelbergs Partnerstadt geworden: hier leben immerhin mehr als 9,2 Millionen Menschen auf fast 16.600 km2 (im Vergleich: in Heidelberg sind es rund 160.000 Einwohner*innen auf 108 km2). Auch wird der wirtschaftliche Schwerpunkt der chinesischen Stadt auf den Handel mit Seide und Long-Jing-Tee (Grüner Tee) nicht unbedingt der Grund für die besondere Partnerschaft sein.

Nein, die Beziehung zwischen Heidelberg und Hangzhou basiert insbesondere auf der gemeinsamen Ausrichtung und dem Austausch zwischen Wissenschaft, Technologie und Bildung.

Romantisch, gebildet und innovativ

Immerhin hat Alibaba – das chinesische Amazon – hier seinen Sitz. Und seit Heidelberg die Entwicklung der Konversionsfläche Patton Barracks fördert und einen Innovation Park (HIP) entstehen lässt, ergeben sich interessante deutsch-chinesische Kooperationen. Die Partnerschaft ist relativ jung. Sie wurde 2018 beschlossen. Gemeinsamkeiten beider Städte ist mit größter Wahrscheinlichkeit auch die Verbindung aus “Romantik” und “Innovation”. Schließlich hat schon der italienische Nonstopp-Traveller Marco Polo (13. Jahrhundert) damals schon über Hangzhou gesagt, dass sie die Stadt des Himmels, die schönste und prachtvollste der Welt sei. Und der Individual-Reiseführer Lonely Planet betitelt die Stadt sogar als beliebtesten Urlaubsort Chinas: von Dichtern gepriesen und von Kaisern beklatscht, die malerischen Aussichten so schön wie chinesisches Aquarell, mit weidengeräumten Ufern und nebelverhangenen Hügeln, altertümlichen Straßen und steinernen Hausfassaden. Du siehst also, die Beschreibung könnte genauso gut für Heidelberg gelten 🙂

Heidelberg meets China – schau Mal, was die Stadt Heidelberg in Hangzhou so treibt:

Ok. jetzt haben wir erst einmal genug Öffentlichkeitsarbeit gesehen. Lass uns ein bisschen entspannen und auf Sightseeingtour gehen, in Ordnung?

Zu den Sehenswürdigkeiten

Hangzhou ist vor allem für seinen Westsee 西湖 (UNESCO Weltkulturerbe) bekannt – ein etwa 3,2 km langer und 2,8 km breiter See, der “durch den Kampf eines Drachen mit einem Phönix (mythologischer Vogel) entstand, als eine Perle auf die Erdoberfläche tropfte”, so erzählen es die schönen Legenden. Der See ist so berühmt in China, dass er selbst im eigenen Land mindestens noch 36 Mal kopiert und nachgebaut wurde.

Eine andere beliebte Sehenswürdigkeit ist der Lingyin Tempel 靈隐寺 / 灵隐寺. Dabei handelt es sich um ein im 4. Jahrhundert n.u.Z. erbautes zen-buddhistisches Kloster, das größte und wohlhabendste Chinas. Es befindet sich auf einem Gipfel in der Nähe des Westsees und schon der Weg zum Kloster ist mit über 400 aufwendig, in Fels geschlagenen Skulpturen ausgestattet. Im Inneren dann weitere Schmuckstücke: die Halle der Großen Helden, die Halle der Vier Wächter und Himmelskönige und schließlich die Halle des Medizinbuddhas.

Der Xixi National Wetland Park ist eine weitere Attraktion dieser Stadt: auf 1.150 Hektar befindet sich der erste und einzige chinesische Feuchtgebietspark, bestehend aus Teichen, Seen und Sümpfen, also 70% aus Wasser. Man nehme sich ein Boot oder spaziert einfach entlang der Straßen. Und so sieht´s aus:

Und wenn man schon einmal in Hangzhou ist, muss man sich natürlich die fünfstöckige und achteckige Leifeng Pagode am Westsee anschauen, eine aufwendige Rekonstruktion des fast 3.000 Jahre alten Originalbauwerkes.

Was ist denn eine Pagode?

Ursprünglich wurden Pagoden errichtet, um darin die Gebeine “erleuchteter” Buddhisten aufzubewahren. Sie kommen vor allem verstärkt mit dem Buddhismus auf (ausgehend in Indien und als Stupa bezeichnet), haben aber schon viel früher ihren Ursprung. Die Pagode stellt ein mehrgeschossiges, in den Himmel ragendes Bauwerk da. Es symbolisiert die Verbindung von der Erde zum Universum und gilt heute als Denkmal und Pilgerstätte. Außerdem können Besucher*innen hier positives Karma aufladen.

Weiter gehts in die Fußgängerzone der Altstadt Hangzhous. Hier befindet sich ein sehr interessantes Museum: die im Jahr 1874 errichtete Hu-Qingyu-Apotheke beherbergt alles, was das Medizinerherz höher schlagen lässt! Und hier wird Gesundheit gelebt: Heilkräuter, traditionelles Werkzeug, eine Galerie verstorbener berühmter Ärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) – auch bei immer beliebter. Die Grundlagen der TCM gehen zurück auf die philosophischen Lehren von Konfuzius, es geht um Gleichgewicht (Yin und Yang), um Lebensenergie (Qi) und die Einbindung natürlicher Elemente (Feuer, Wasser, Erde, Wind, Metall).

Drei Dinge, ganz typisch für Hangzhou

  1. Erstens sein Grüner Tee. Der sogenannte Drachenbrunnentee (auch Long Jing) zählt zu den berühmtesten in ganz China. Warum das? Die Legende besagt (jetzt wird´s spannend), dass sich der Enkelsohn des Kaisers aus der Qing-Dynastie (17. Jahrhundert) in Tempel am Westsee aufhielt und zufällig beobachtete, wie ein paar Frauen Blätter pflügten, um daraus einen Tee zu kochen. Sie bewegten sich dabei so erhaben und geschmeidig, dass der junge Beobachter dies unbedingt auch lernen wollte! Doch dann erhielt der Enkel die Nachricht, dass seine Mutter erkrankt ist und er umgehend zurück nach Peking kehren solle. Er pflückte sich schnell ein paar Blätter und macht sich auf den Rückweg. Zuhause kochte er die Blätter ab und bereitete seiner kranken Mutter damit eine Riesenfreude. Der Name Drachenbrunnen gehe zurück auf eine sehr beliebte Trinkwasserquelle in Hangzhou, die so heißt. Das trübe, von Regen aufgewühlte Wasser, bewege sich wie ein chinesischer Drache, heißt es und es habe einen ganz besonderen Geschmack. Heute gilt: ein echter Long Jing muss aus dieser Provinz kommen – das lässt den Teepreis natürlich stark in die Höhe schellen und sorgt für zahlreiche Nachahmungen mit falschem Etikett.
  2. Apropos Nachahmung! Kommen wir gleich zum zweiten Must see in Hangzhou: und zwar steht hier nicht nur der Eiffelturm, sondern auch der berühmte Pariser Arc de Triomphe. Beides Wahrzeichen von Hangzhou, allerdings etwas kleiner, als ihr Original. Das Witzige dabei ist, dass die meisten Chines*innen (die nicht ganz so europabewandert sind) nicht einmal wissen, dass es sich hierbei um Fake handelt. Warum also überhaupt auf die andere Seite der Welt reisen, wenn man zum Beispiel auch Schloss Neuschwanstein in Peking, die Tower Bridge of London in Suzhou, das französische Château Maisons-Laffitte, ja sogar die Sphinx in Gansu besuchen kann. In der Provinz Guangdong befindet sich ein ganzes österreichisches Dorf (Hallstatt) mit mehr oder weniger nachgeahmter Alpenidylle. Dank Eiffelturm und Triumphbogen in Hangzhou gibts Paris jetzt auch im Osten. Romantik oder Kitsch? Das muss man jetzt nicht beantworten.
  3. Drittens ist Hangzhou die “Stadt der Seide”. Fabriken, Museen und Märkte drehen sich nur um diesen schimmernden Glanz aus tierischer Naturfaser. Um genauer zu sein, besteht Seide aus dem Kokon der Seidenraupe (und die Herstellung ist eine reine Tierquälerei). Nichtsdestotrotz gehört China zu den ersten Seiden-Produzenten in der Geschichte. Im 3. Jahrhundert v.u.Z. wünschte sich ein wohl hochsensibler Kaiser eine neue Garderobe. Die Befehl lautete: Suchet mir ein Material, dass superweich, superglänzend, wärmend bei Frost und kühlend bei Hitze ist! Und wer musste herhalten? Die Raupe nimmersatt natürlich. Als die Römer davon Wind bekamen (sie hatten wohl genauso anspruchsvolle Frauen zu Hause sitzen), also etwa 2.700 Jahre später, ging der Fernhandel los. Es dauerte immerhin 1,5 Jahre, um Seide oneway auf dem Landweg über Ost- und Zentralasien und den Mittelmeerraum nach Hause zu transportieren. Et voila entstand der wohl bekannteste Highway der Welt, die “Seidenstraße”. Jedenfalls verhängte China schon ein paar Hundert Jahre später die Todesstrafe für jeglichen Export seiner kostbaren Raupen, wenn sie schon kein Urheberrecht auf ihr Ungeziefer aussprechen konnten. Und wer hat die Tierchen dennoch erfolgreich aus dem Land geschmuggelt? Die Mönche. Die Seidenraupenzucht hatte vor allem in Italien gefruchtet, wurde aber bald schon von Tierseuchen, die in ganz Europa wüteten, abgebrochen. Heute sind es vor allem Japan, Indien und China, die noch immer Seide herstellen. Wem die Raupe aber lieb ist, sollte besser zu Lyocell, Viskose, Acetat oder Modal greifen. Das sind tolle Alternativen!

Beste Reisezeit

So jetzt kennst Du die Top 3 Places in Hangzhou. Aber wann ist die beste Reisezeit?

Jedenfalls nicht jetzt! Im Januar oder Februar nach Hanghzou, heißt vor allem Bibbern und Regenschirme raus. Die Temperaturen liegen bei 1-9°C mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 75mm. Buche die Reise besser erst gegen Ende Mai. Die Temperaturen klettern auf 25°C, im Juli und August sogar auf 33°C. Die wohl angenehmsten Reisemonate sind Oktober, November und Dezember. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 16°C und es schüttet nicht mehr all zu viel. Also, perfektes Wetter für Dein Ausflug zum See, Tempel oder auf den Eifelturm.

Apropos Ausflug: Hangzhou ist stolz auf sein Verkehrsnetzwerk. Eigener Flughafen, Eisenbahn, Autobahn, U-Bahn, aber vor allem Car- und Bikesharing funktionieren hier hervorragend. Die Stadt führt den weltweit größten stationsgebundenen Fahrradverleih! Leih Dir einfach eines von 121.000 Rädern und gib es an einer der 4.400 Stationen einfach wieder ab.

So, Endstation! Kommen wir zurück zum anfangs erwähnten Neujahrsfest

Heute beginnen die Feierlichkeiten des chinesischen Feiertags, ein Frühlings- und Laternenfest, kann man auch sagen. Heute startet laut chinesischem Kalender das Jahr des Büffels (oder des Ochsen oder Rindes, wie man dieses Sternzeichen auch nennt). Die Attribute des Büffels lauten Ausdauer, Zuverlässigkeit, Kraft und Vernunft. Sie gelten als ruhige und ausgeglichene Sternzeichen. Sie gehen weniger auf Partys und machen es sich lieber zuhause gemütlich. Man schätzt ihre Kreativität, Intelligenz und ihr Geschick. Na das passt 2021, ja wie die Faust aufs Auge!

In dem Sinne wünsche ich Dir für 2021 genau jene Charaktereigenschaften, die das diesjährige Sternzeichen mitgringt – damit Du alles, was noch Corona-bedingt vor uns liegt – mit genauso viel Geduld, Scharfsinn und Gelassenheit begegnen kannst. 新年快樂 / 新年快乐 – “frohes neues Jahr!”

Vielen Dank für die literarische Mitreise nach Hangzhou. Ich hoffe, es hat Dir genauso viel Spaß gemacht und Du hast Lust auf die nächste Reise? Wenn ja, bleib dran. Im März gehts dahin, wo Facebook-Zuckerberg seinen Hund spazieren führt 🙂