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Reise nach Bautzen

Bi, Ba, Bautzen – die Reise geht dieses Mal in eine kleine Stadt im östlichsten Teil Sachsens, nur 50 Kilometer von Dresden entfernt und nicht mehr weit von Polen und Tschechien. Die tausend Jahre alte Stadt in der Oberlausitz wird auch die “Stadt der Türme” bezeichnet. Sie ist mittelalterlich und hat eine gewisse Ähnlichkeit zu Nürnberg – eine Miniversion, sozusagen!

Die Stadt Bautzen befindet sich im Lausitzer Bergland und ist bekannt für ihre Winde: “Weiß der Wind mal nicht wohin, weht er über Budissin” (altes Sprichtwort). Budissin war übrigens bis 1968 offizieller Ortsname. Ob der Wind nun weht oder nicht, die Altstadt und die Spree machen den Ort zu einem beliebten Urlaubsort – etwas, dass Heidelberg nur zu gut kennt!

Seit der deutschen Wiedervereinigung, haben sich Heidelberg und Bautzen angefreundet. Die Städtepartnerschaft besteht seit 1991 und konzentriert sich vor allem auf einen aktiven Austausch zwischen Ost und West, eine gegenseitige Unterstützung in kommunalen Fragen und auf ein Miteinander verschiedenster Kulturen – denn auch in Bautzen, was viele vielleicht nicht wissen, leben aufgrund der Stadthistorie verschiedene Kulturen eng zusammen.

Insgesamt leben in Bautzen nur 40.000 Einwohner*innen, die sich auf insgesamt 25 Stadtviertel verteilen. Erwähnt wurde Bautzen erstmals um 1.002 n.u.Z. als hauptsächlich sorbisches Siedlungsgebiet. Bis heute ist es das politische und kulturelle Zentrum der Sorben.

Die Sorben

Die Sorben sind eine westslawische nationale und in Deutschland anerkannte Minderheit (Ethnie) von vielleicht gerade mal 60.000 Menschen, die ihre Heimat in der Lausitz haben. Sie sprechen Sorbisch, eine heute vom Aussterben bedrohte, aus dem indogermanischen und slawischen abgeleitete Sprache. Deswegen sagen die Sorben nicht Bautzen, sondern “Budysin” zur Stadt (man sieht gelegentlich auch zweisprachige Ortsschilder). “Bude syn” heißt übersetzt “es wird ein Junge/ Sohn”. Und so kam die Stadt zu ihrem Namen 🙂 Der Legende nach, soll nämlich eine hochschwangere Herzogin vor hunderten von Jahren durchs Land gereist sein. Auf Höhe des heutigen Bautzen setzen die Wehen plötzlich ein. Das Kind kam zur Welt und der herbeieilende Gatte wollte nur eines wissen, “Bude syn?”!

Einen Besuch wert

Die Stadt hat aber nicht nur unterhaltsame Märchen und spannende Legenden zu bieten (eine weitere bekannte wäre die wirklich so stattgefundene, berühmt berüchtigte Krimialgeschichte des Räubers Johannes Karasek im 19. Jahrhundert). Sie ist geprägt von einer reichen Geschichte und Kultur. Lassen wir doch gleich Mal unseren Blick auf die Türme (oder von den Türmen herab auf die Stadt) werfen: da gibt es beispielsweise den Reichenturm in der Reichenstraße, den Glockenturm im Gesundbrunnen und den Burgwasserturm auf der Ortenburg.

Die Alte Wasserkunst (“Stara wodarnja”) ist von außen bereits ein echter Hingucker. Sie liegt direkt an der Spree und versorgte die Stadt einst mit Trinkwasser. Heute ist das denkmalgeschützte Bauwerk stillgelegt und fungiert hauptsächlich als Museum.

Es gibt sogar eine Neue Wasserkunst (im südlichen Teil der Stadt). Nicht ohne Grund wird Bautzen oft als “sächsisches Nürnberg” bezeichnet, wie weiter oben bereits erwähnt. Von hier aus wird das Stadtpanorama und seine Ähnlichkeit zur fränkischen Mittelalterstadt besonders deutlich.

Direkt daneben befindet sich die Michaeliskirche (“Michalska cyrkej”) mit ihrer einzigartigen Orgel. Auch ihre Turmspitze ragt, wie viele andere Kirchen der Stadt, weit in den Himmel hinaus.

In Bautzen ist die sorbische Kultur noch ganz lebendig: in Form von Instituten, Vereinen, Theater und Verlag, werden Bräuche, Sitten, Sprache und Musik, aber auch Sport, Tanz und Glaube aktiv vermittelt und gelebt. Besonders aber wird die sorbische Küche für ihre Spezialitäten geliebt und geschätzt, auch wenn sie fast keiner mehr wirklich kennt. Sie ist speziell und oft ganz einfach. Da wäre zum Beispiel das köstliche Gericht aus Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Ein echter Sattmacher und einfach lecker! Die Sorben sind auch Expert*innen in Sachen Suppe. Man kennt vor allem ihre Hochzeitssuppe. Aber hast Du schon mal die Fliederbeersuppe mit Klößen oder die sorbische Gurkensuppe probiert?

Interessiert Dich die Sorbische Küche? Dann schau mal in diese Rezeptbücher

  • Sorbische Küche/ Serbska Kuchnja von Gunter Träger (ISBN: 78-3941908451)
  • Oberlausitzer Kochbuch. Mit historischen Betrachtungen von Frank Nürnberger (ISBN: 978-3933827739)
  • Bautzener Senfkochbuch. Ich gebe meinen Senf dazu von Adelheit Trenkler (ISBN: 978-3941908062)

Parkanlagen

Bautzen ist grün, zumindest sorgen all die Parks um die Stadtwall herum für ein naturreiches Stadtbild. Und ein paar Kilometer von Bautzen entfernt, befindet sich der größte Saurierpark in Deutschland (in Kleinwelka). Die im Jahr 1978 erbaute und auf zirka 16 Hektar angelegte Anlage beherbergt ein Museum (Mitoseum), einen Sauriergarten, Parkteich und sogar ein Saurierkino. Hier kann man auf “Urzeit-Reise” gehen und über 200 Urgestalten (Plastiken) in Lebensgröße betrachten. Außerdem lassen sich das Universum, “galaktischer Nebel”, eine Ausgrabungsstätte oder auch eine Raumstation erkunden, so dass man am Ende des Tages seinen “Sonderstatus als Mensch” gehörig hinterfragen wird.

Wissenschaft? Fehlanzeige

Bisher haben wir partnerschaftliche Städte kennengelernt, die ein ausgeprägtes wissenschaftliches Engagement zeigten. Die augenscheinliche Gemeinsamkeit zwischen Heidelberg und ihrer Gemeindepartnerstadt war bisher immer der Fokus auf Bildung, Wissenschaft und Forschung. Bautzen allerdings stellt eine Ausnahme dar! Das heißt jedoch nicht, dass die Menschen hier Denkfaul seien oder ungebildet. Vermutlich lässt es die Größe der Stadt nicht zu oder einfach die Historie, die bislang keinen Anlass zur Universitätsgründung brauchte. Naja, ganz richtig ist das nicht. Bautzen verfügt über eine Berufsakademie, an der etwa 500 Studierende ein dreijähriges duales Studium absolvieren können. Der Schwerpunkt hier liegt auf Finanzwesen, Öffentliche Wirtschaft, Wirtschaftsinformatik und -ingeneurwesen, außerdem Elektro- und Medizintechnik. Der klare Vorteil hier: die Absolvent*innen werden bereits während des Studiums in die praktische Arbeit involviert und verdienen Geld. Nach Abschluss finden die meisten auch sofort einen Arbeitsplatz. Und wen diese Fächer nicht interessieren, der geht einfach ins benachbarte Dresden.

Du siehst, Bautzen überrascht! Und das wird im folgenden Film auf lustige und sympathische Weise gezeigt (Ohrwurm garantiert):

Auch interessant ist die 7-teilige Doku auf ARTE über das heutige Bautzen im Hinblick auf seine gegenwärtige schwierige politische Lage (hier einzusehen). Die Stadt hat viele Gesichter. Leider gerät sie immer wieder in den Verruf, sich zu einer rechten Hochburg zu entwickeln (siehe auch das Ergebnis der letzten Wahlen). Die Bewohner*innen wehren sich vehement dagegen. Das wäre zu einfach und einseitig. Die Stadt hat mehr zu bieten und zeigt der rechten Szene die rote Karte.