Beruf,  Studium

Nebenjob

Genau genommen, jobben wir neben dem Studium, auch wenn wir es nicht wirklich nötig haben. Unsere Eltern, die Großeltern oder eine liebe Tante finanziert vielleicht unser Studium. Heidelberg ist ein teures Pflaster und wir haben teure Hobbys, aber wir arbeiten nebenbei, weil wir damit hauptsächlich unseren Lebenslauf aufhübschen. Rechtzeitig berufliche Erfahrungen sammeln ist – wie sich später herausstellen wird – immer eine gute Sache und wir lernen schon früh, worauf es im Berufsleben ankommt.

Unser Freund oder Verlobter könnte uns zwar auch finanziell unter die Arme greifen (in der Regel ist er ein paar Jahre älter und schon längst berufstätig), doch wir lassen ihn ungern unsere Rechnung zahlen. Solange wir nicht mit ihm verheiratet sind, agieren wir total selbstständig und verdienen uns unsere Brötchen selbst. Nach einer Eheschließung sieht das anders aus, ist aber auch eine völlig andere Situation (dazu später mehr).  

In der von Touristen überfüllten Stadt Heidelberg ist Kellnern oft die erste Wahl. Wir arbeiten auch an der Rezeption in Hotels oder Museen und als Aushilfe in Klamottenläden.

Andere typische Jobs sind Babysitten und Gassi gehen. Außerdem Sekretariatstätigkeiten und Nachhilfeunterricht.

Aber vor allem sind wir HiWis. Das ist die Abkürzung für studentische wissenschaftliche Hilfskraft. Und natürlich kommt eine solche Tätigkeit immer gut im Lebenslauf. Als Hiwi steht man nicht nur am Kopierer. Wir tragen ebenso dazu bei, dass ein geisteswissenschaftliches Institut organisatorisch überhaupt funktioniert. Wir übernehmen Sekretariatstätigkeiten, organisieren Lehrveranstaltungen, lektorieren und übersetzen Artikel, betreuen Gastdozent*innen und protokollieren Prüfungen. Wir besorgen neue Publikationen, stellen sie online und halten die Institutsbibliothek am Laufen. Wir veranstalten Tutorien und Einführungsveranstaltungen, ohne die ein Seminar oft gar nicht auskommt. Als Hiwi haben wir jede Menge zu tun und unsere Professor*innen sind gleichzeitig unsere Arbeitgeber*innen. Das wirkt sich natürlich auch auf unser Studium aus. Von nun an sitzen wir brav in der ersten Reihe, haben die Lektüre natürlich komplett (und im Original) gelesen und diskutieren immer fleißig mit. Das kann auch ziemlich anstrengend werden. Deshalb suchen sich viele Studierende doch lieber einen Nebenjob außerhalb universitärer Einrichtungen.

Ausgefallenere und damit heiß begehrte Nebenjobs sind etwa Reiseführerin, Dolmetscherin, Musikerin/ Bandmitglied oder Texterin.

Die Heidelberger Studentin weiß aber von Anfang an: Sie kümmert sich bereits in den ersten Semestern um ein Stipendium – nichts ist besser im Lebenslauf, als eine finanzielle und ideelle Förderung durch eine Stiftung, Vereinigung oder den Staat. Sie drückt damit automatisch aus, dass sie gute Noten vorzuweisen hat, kompetent und gesellschaftlich engagiert ist, damit von Professor*innen empfohlen wird und klare Ziele im Leben verfolgt.

Wer sich ein bisschen bemüht, hat es in Heidelberg gar nicht so schwer, einen interessanten Nebenjob zu finden, der einem später sicherlich irgendwie zu Gute kommt! Nicht selten ergibt sich die erste richtige Arbeitsstelle eben durch diese kleine Nebentätigkeit.