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Mamfito – Mittagspause neu gedacht

Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt: an Mundschutz, Videotelefonie und Lieferdienste. Corona ist gekommen… um zu bleiben, sagt auch Andreas, der es eigentlich gewohnt ist, seine Mahlzeiten während des langen Arbeitstages in einer der vielen Kantinen von SAP (Walldorf bei Heidelberg) einzunehmen. Es war so einfach! Schnell fanden sich Kolleg*innen, mit denen man gerne seine Mittagspause verbringen mochte. Das Angebot war groß, das Essen lecker und der Austausch oft sehr bereichernd.  

Bis Corona kam. Bis der Lockdown alle zu Stubenhockern machte. Was auf den ersten Blick nach Flexibilität, Freiheit oder Selbstbestimmung aussah, entpuppte sich schon nach wenigen Wochen zur ständigen Frage, was-esse-ich-heute-eigentlich und mit-wem-verbringe-ich-meine-Mittagspause? Klar, macht das dauerhaft keinen Spaß. Irgendwann isst man nebenbei oder lässt die Mahlzeit ganz ausfallen… Lieferando & Co. sind da auch keine Dauerlösung. Wie wichtig eine Mittagspause ist, das merkt man jetzt sehr deutlich!

Andreas und seine Freunde Elena, Sabrina und Harut finden sich damit nicht einfach ab. Sie haben da eine Idee… Mamfito – Eat & Socialize heißt das Projekt, in dem sich Menschen in ganz Heidelberg zu Mittag verabreden können. Sie gehen dabei noch einen Schritt weiter und wollen gleichzeitig der Gastronomie unter die Arme greifen, die ebenfalls sehr unter den aktuellen Bedingungen leidet. – Darüber erzählt uns Andreas am besten selbst!

Hallo Andreas, für alle, die es noch nicht mitbekommen haben. Erklär mal kurz, worum es in eurem Projekt geht.

Andreas: Nichts lieber als das. Im Zuge der Corona Krise ist für uns alle viel passiert. Wir arbeiten selbst bei SAP und dort waren wir an sich im gemachten Nest. Niemand musste sich um das Mittagessen kümmern. Früh ins Büro, schnell checken was es gibt und direkt ein paar andere fragen, ob sie Zeit für ein Lunch Date haben. Zack die Sache ist geritzt und ich kann mich auf die Arbeit fokussieren, weil ich weiß, dass ich mich nicht dem unschönen Gefühl stellen muss, alleine essen gehen zu müssen. Ihr müsst euch vorstellen, bei SAP gingen da nicht immer nur rein paar hundert Mitarbeiter*innen rein und raus. Das sind recht große Dimensionen. Wir hatten in einer der Kantinen – ich glaube es sind alleine in Walldorf über fünf – exklusive der Kundenrestaurants – sogar schon einmal ein Konzert von Rea Garvey mit über 3.000 Leuten gehabt. Da war noch Platz für mehr…

Wie gingen eure Kolleg*innen mit der neuen Situation um?

Andreas: Jeder einzelne musste sich plötzlich um sich selbst kümmern. Da sind dann häufig Aussagen gefallen, wie: “wenn ich keine Verabredung im Kalender stehen hab, komme ich gar nicht mehr raus” – oder “ich finde das mit dem Home Office total klasse, nur das Netzwerken und Socializen, wie im Büro fehlt mir total”. Es gibt einige Kollegen*innen, die tatsächlich sogar nur für das gemeinsame Mittagessen ins Büro gefahren sind, weil sie nicht alleine und einsam zuhause sitzen wollten. Wir sind eben soziale Wesen!

Und wie habt ihr darauf reagiert, was habt ihr dann gemacht?

Naja und da wir selbst auch mehrfach mittags schier endlos umhergelaufen sind, auf der Suche nach einem leckeren Mittagessen, haben wir uns kurzerhand gedacht, dass wir hieraus doch eine Corona Hilfsmaßnahme aufbauen könnten. Wir haben uns gefragt, was wäre denn, wenn wir die Art und Weise, wie das bei uns sonst funktioniert hat, einfach mit ins Homeoffice nehmen? Eine Anlaufstelle für die gebeutelte Gastronomie, um ihren Mittagstisch zu vermarkten auf der einen Seite. Und auf der anderen, eine Möglichkeit sich zu informieren, was es um mich herum zu Mittag gibt, damit ich mal rauskomme und nicht ständig das gleiche zuhause esse. Zudem sollte ich ja auch wirklich mal eine Pause machen. Da passt es gut, mal aus den eigenen vier Wänden zu kommen. Alleine auch der Fakt so daran erinnert zu werden, dass ich mich mit anderen verabreden könnte, ist schon etwas, an das viele im Homeoffice nicht denken.

Wie geht euer Arbeitgeber mit der aktuellen Corona-Situation um? 

Andreas: Auch bei SAP wird das Thema natürlich heiß diskutiert. Wie geht es in der Zukunft mit dem Catering für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiter? Wie schaffen wir es, dass die Zugehörigkeit zum Unternehmen nicht geschwächt wird? Usw. Unsere Initiative ist deshalb auch im “how to home office Magazin” der Personalabteilung veröffentlich worden. Das Thema: Mittagessen nach Covid-19.

Zudem gab es bei uns immer allerhand unterschiedliche Gruppen, die sich zu verschiedenen Themen zum Lunchen verabredet haben. Da gab es Gruppen, wie zum Beispiel “mindful lunch”, oder auch internationale Communities, die sich regelmäßig getroffen haben. Das war immer auch eine perfekte Anlaufstelle für neue Mitarbeiter*innen.

Und eure Idee dabei?

Andreas: Das möchten wir gerne replizieren und auch ins Homeoffice bringen. Deshalb setzen wir jetzt selbst auch erste offizielle “Eat & Socialize” Lunch Events auf, bei denen mitmachen kann, wer mag. Erste Tests waren da schon ganz spannend und vielversprechend! Mit Mamfito.de wollen wir im ersten Schritt eine Anlaufstelle zum Thema „Eat & Socialize“ beim Lunch schaffen, das der Gastronomie hilft, ihr Angebot sichtbar zu machen und den Leuten zuhause eine einfache und schnelle Möglichkeit biete sich zu informieren, was es leckeres zu Mittag in Heidelberg gibt. 

Okay lass uns noch einmal darüber sprechen, wie genau das mit dem Mittagessen funktioniert/ funktionieren kann. Da einige von uns selbst in Vollzeit (z.B. Klinik, Schule oder Kanzlei) arbeiten und wissen, wie eng getaktet die Mittagspausen ausfallen, können wir uns gerade nicht vorstellen, wie ein Treffen stattfinden kann. Kann man das wirklich unter einer Stunde hinbekommen, ohne in Stress zu geraten? Klappt es besser, wenn man seine Zeiten evtl. flexibler, also in Homeoffice ohne Slot einteilen kann?!?

Andreas: Das ist natürlich ein absolut richtiger und wichtiger Punkt, den ihr da ansprecht. Die Mittagspause ist zeitlich limitiert. Lange Anfahrten oder Wege kannst Du da nicht auf Dich nehmen – insbesondere, wenn Stress vermieden werden soll. Wir wollen deshalb ein wenig mit den Zeiten experimentieren. Erste “Blind Lunch” Dates gingen da durchaus auch länger, weil die Gespräche einfach intensiv wurden und die Gruppe die Zeit und Lust hatte. Das funktioniert nicht für jeden.

Für uns sind hier verschiedene Aspekte wichtig. Zum einen wollen wir anregen, dass die Mittagspause genommen wird und auch ein kleiner Spaziergang zum Restaurant schon helfen kann zu entschleunigen. Eine Kollegin hat sich für unser Lunch Date extra aufs Rad geschwungen. Damit gibt’s dann auch wohl eher kein Mittagstief, weil ein wenig Bewegung reinkommt.

Auch einfach mal darüber nachzudenken, mit wem Du schon lange nicht mehr essen warst oder Dich mal wieder treffen könntest, triggert viele schon. Was eine spannende Erkenntnis war: nicht jeder weiß, dass viele Restaurants ein Angebot zum Mittagstisch haben und bleiben deshalb zuhause. Und wenn ich Dich jetzt frage, mit wem Du schon lange nicht mehr zusammen zu Mittag gegessen hast, oder Dich mal wieder verabreden könntest, dann denkst Du auch darüber nach. Mamfito hat also auch schon direkt einen Einfluss auf dich 😉 #gotya 😉

Wie reagieren die Restaurants auf eure Idee?

Andreas: Es freut sie natürlich auch. Da kommt die Idee super an und erste Restaurants berichten sogar schon von mehr Reservierungen durch neue Leute. Das kommt gut hin, wenn wir den zunehmenden Besucherstrom auf Mamfito.de anschauen. Und wie gesagt, wir setzen das als kostenfreie Corona Unterstützung auf.

Da das Thema Eat & Socialize über die Mittagspause hinaus geht, weiten wir das gerade auch ein stückweit mit unterschiedlichen Themen aus. Vielleicht schaffst Du es ja mal zum Essen in der Mittagspause – falls nicht, gibt es ja beispielsweise noch weitere Möglichkeiten, die durchaus auch mal am Abend oder am Wochenende stattfinden. 

Wichtig ist vor allem eines: Homeoffice ist gekommen um zu bleiben. Also brauchen wir neue Möglichkeiten und Wege unseren Alltag zu gestalten und wir pflastern gerade einen.

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Auswärts Mittagessen ist ja auch nicht unbedingt günstig. Wir können uns vorstellen, dass sich nicht jeder sein Mittagessen bei z.B. “Hans im Glück”, “MoschMosch” oder “Rossi” leisten kann – jedenfalls nicht regelmäßig. Das stellt doch eher die Ausnahme da? Wen genau wollt ihr also ansprechen, oder anders gefragt: habt ihr hierfür eine Lösung für jedermann (Studierende, Auszubildende, Berufsanfänger*innen, Mittelverdiener*innen)?  

Andreas: Klasse Punkt. Klar – jeden Tag rausgehen und irgendwo zu Mittag essen scheint auf den ersten Blick natürlich schwer auf dem Geldbeutel zu lasten. Gerade, wenn Du bei SAP arbeitest und das Mittagessen eigentlich kostenlos ist. J Jetzt kommen wir aber nicht drum herum, irgendwas zu essen. Also gibt es verschiedene Alternativen. Und wie Du schon ansprichst, ich muss ja nicht unbedingt regelmäßig bzw. täglich ins Restaurant gehen. Hier gibt es jetzt die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Herausforderungen. Einige können andere wollen nicht kochen. Bei vielen hat sich die Ernährung im Homeoffice verschlechtert. Andere gehen mehr auf Lieferdienste. Die nächsten bestellen Kochboxen. Liefern ist nett, ist aber natürlich für die Restaurants extrem teuer. Zudem liefert kaum ein Restaurant seine Gerichte zum Mittagsmenü. Aber das ist ein anderes Thema. Spannend ist vor allem auch die Frage, ob das wirklich so viel günstiger ist, wenn ich zuhause selbst abwechslungsreich koche. Da muss ich die Zeit ja noch mit einrechnen … und wo bleibt das socializing?

Jetzt aber zurück zur Frage. Ihr habt natürlich vollkommen Recht. Es gibt hier unterschiedliche Gruppen, die sich das mehr oder weniger leisten können. Wir sind deshalb dabei das gezielt auch in die Restaurantbeschreibung mit aufzunehmen, für wen es sich eignet. Zudem kommen bald auch gewisse Filtermöglichkeiten.

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Hast Du ein Beispiel für einen „erschwinglichen“ Mittagstisch?

Andreas: Nehmen wir beispielsweise das LiteraturCafé in der Stadtbibliothek. Ich wusste vorher nicht, dass Steffi (die Besitzerin mit dem super freundlichen Lachen 😊) hier einen klasse Mittagstisch für den kleinen Geldbeutel anbietet. Manch andere haben ebenfalls preislich attraktive Angebote, wie beispielsweise das Medocs, das red, das Hemingway’s, Urban Kitchen, oder Da Mario. Es gibt den Mittagstisch für den kleinen Geldbeutel bis hin zur gehoben Küche, wie beim VinciDUE oder dem Restaurant Akademie. Dort wird der Mittagstisch auch eher unter dem Begriff “Business Lunch” geführt. An sich könnte ich hier fast endlos weitere Restaurants mit einem Angebot zum Mittagstisch in Heidelberg aufzählen. Ein guter Filter kann hier in Zukunft sicherlich helfen, schnell was Passendes zu finden – vielleicht auch bald für veganes Mittagessen 😊 Und wer weiß, vielleicht gibt es ja künftig auch einen Mamfito Rabatt bei teilnehmenden Restaurants 😊

Was nehmt ihr jetzt schon daraus mit? 

Andreas: Es macht enorm viel Spaß mit einem hochmotivierten Team an dem Thema zu arbeiten. Allein, sich mal in die Schuhe der Gastronom*innen zu stellen und all die super netten Leute und Persönlichkeiten kennenzulernen, ist die Mühe schon wert. Auch das hat schon zu mehr socializing geführt, als wir am Anfang erahnen konnten.

Und wer jetzt neugierig geworden ist, der kann gerne auf der folgenden Seite schauen, wo es etwas Leckeres zum Mittagessen in Heidelberg gibt. Und wenn ihr Lsut habt schaut euch das Video dazu an: