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Loslassen und Losleben

Dieses Mal geht es um ein Buch über das Loslassen (2017) und seine Fortsetzung: Losleben – welches nun vier Jahre später (2021) im MALIK Verlag von derselben Autorin erschienen ist. Es ist die Geschichte von Katharina Finke, einer jungen Frau, die vor allem für eines bekannt ist: ihr unabhängiges Leben, das in lediglich zwei Koffer passt. Sie hat keine Wohnung und keine Möbel. Das Nötigste ist immer griffbereit. Über diese außergewöhnliche Lebensweise führte Katharina viele Interviews und veranstaltete Lesungen. Sie gab den Menschen einen Einblick in ihr neues Leben. Zum Beispiel hier:

Die Reduzierung des Eigentums auf lediglich zwei Koffer ermöglchte es der Journalistin ein neues spannendes Lebensmodel, das ihr die Möglichkeit bot, die Welt zu bereisen (darüber erzählt sie in Loslassen). Dann trifft sie David, ihren jetzigen Freund und Lebenspartner. Es dauert nicht lange, bis genau diese Verbindung das Leben komplett auf den Kopf stellt: sie bekommen ein Baby. Gehört das flexible, minimalistische und ungebundene Leben nun der Vergangenheit an? Dieser Frage geht Katharina im neuen Buch Losleben nach. Aber fangen wir von vorne an und werfen ein Blick in beide Lektüren:

Loslassen – mit nur zwei Taschen um die Welt

Die Wohnung aufgeben, die Welt bereisen, seine Arbeit über den Laptop verrichten und nur noch aus zwei Koffern leben … das ist Katharinas Leben seit nun mehr als fünf Jahren. Nach Beziehungsende, lösen ihr Exfreund und sie die gemeinsame Wohnung in Hamburg auf. Er nimmt das meiste an Möbeln an sich, sie beschließt ihr Zeug wegzugeben und zu verkaufen. Die Gegenstände würden sie nur an ihren Reisen hindern. Die gebürtige Norddeutsche studierte Touristik in Heidelberg und arbeitet hauptsächlich als Korrespondentin, Texterin und Journalistin. Dieser Umbruch passt ihr also gerade gut! Sie bereist Portugal, England, die USA, Indien, Neuseeland und China und lebt immer wieder zur Zwischenmiete und manchmal direkt bei Freunden. Von denen hat sie inzwischen sehr viele. Denn sie schließt schnell Freundschaften und ist sehr am Leben der Mitmenschen interessiert. Immer wieder zieht es sie nach Berlin, aber schnell wieder in die weite Welt. Auf Reisen jedoch wird sie immer nachdenklicher, ja sogar selbstkritischer. Sie weiß, dass das viele Reisen nicht umweltfreundlich ist, allerdings notwendig war, um genau dies zu erkennen. Man steigt mit ihr gemeinsam in den Flieger, joggt gedanklich mit ihr durch den Central Park, trauert um gute Freunde, entdeckt mit ihr die Schönheit von einfachen Dingen wie frische Blumen oder einem Glas Wein mit Freunden. Wie es sich für eine gute Journalistin gehört, hinterfragt, vergleicht und recherchiert Katharina ihre Topics – auch wenn es sich um ganz persönliche Herzensthemen handelt – und ordnet sie einen größeren Kontext ein.

Losleben – vom Mut, loszulassen und als Familie die Welt entdecken

Auf einer ihrer letzten Reisen trifft sie auf David, den Fotografen aus Berlin. Er findet also schon Erwähnung im ersten Buch. Sie haben ähnliche Interessen, verstehen sich auf Anhieb prima und beschließen, von nun an gemeinsame Reisen zu unternehmen. Südoastasien steht als erstes auf dem Plan. Hier wollen sie Recherchen betreiben und ein bisschen Urlaub machen. Aber irgendwas stimmt nicht mit Katharina, als sie sich gerade in einer Wüste in Indien befinden. Sie ist angeschlagen, ständig müde und ihr ist Übel. “Möglicherweise ein Delhi Belly“, der für die Magenverstimmung sorgt. Kurzerhand entschließen sie, Indien zu verlassen und sich nach Thailand zu begeben. Auftanken, Ausruhen, Nichtstun steht auf der Agenda. Es wird nicht wirklich besser. Sie ahnt schon etwas und besorgt sich vorsichtshalber einen Schwangerschaftstest… negativ. Kann das sein? Sie probiert es wenige Tage später noch einmal… dieses Mal positiv! Ein dritter und letzter Test bestätigt die Ahnung: sie sind schwanger.

David freut sich über diese Neuigkeit riesig. Katharina ist zunächst skeptisch: “Ist doch irgendwie komisch […] es wird sich einiges ändern. Ich habe viele Fragen […] Muss ich jetzt meinen Lebensstil aufgeben, sesshaft werden und mich anpassen? […] Mein Leben hört jetzt auf.”

Die anfänglichen Zweifel sind da. Katharina beschreibt ihre Bedenken, aber sie verfliegen nach einer Weile. Denn Katharina ist eine gute Beobachterin. Bei ihren Reisen durch verschiedenste Länder hat sie oft Familien mit kleinen Kindern kennengelernt und gesehen, wie unterschiedlich man mit der Situation umgehen kann. Ein Kind zu haben muss nicht automatisch bedeuten, festzusitzen. “Das Leben verändert sich mit Kind, aber es hört nicht auf.” sagt sie treffend. Sie wird im Buch zeigen, dass es andere, neue Möglichkeiten des Unterwegseins geben wird. Gemeinsam mit David werden sie andere Wege finden, Veränderungen annehmen und einen Alltag gestalten, wie er ihnen am besten gefällt.

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Die Autorin ist kein Mensch, wie sie schon im ersten Buch gezeigt hat, der vor Abenteuern oder ungewohnten Situationen zurückschreckt. Das macht schließlich auch ihre Arbeit als Journalistin aus. “Ich empfinde Unsicherheit nicht als Bedrohung, sondern als Chance.” Und sie wird ein weiteres Mal zeigen, dass es andere Optionen, andere Lebensmodelle gibt, die vielleicht nicht der Norm entsprechen aber sich gut für sie anfühlen. Sie möchte damit inspirieren und eine eigene Perspektive aufzeigen. “Ich berichte von meinem eigenen Weg, was nicht bedeutet, dass es der beste ist. Auf keinen Fall. Es ist nur mein Weg, ein Plädoyer fürs LOSLEBEN.” Und darum geht es schließlich.

Es geht gemeinsam (folglich zu Dritt!) durch einige europäische Länder, aber auch nach China, die USA und Südamerika. Ihre Base ist und bleibt Berlin. Vor allem kommt auch der Lockdown zur Sprache, der auch diese junge Familie etwas ausbremst. Es fällt den Dreien nicht schwer, durch die Pandemie zu kommen, auch wenn es nun bedeutet, lange zu Hause zu bleiben und einige Projekte zu verlieren. Sie entdecken die DACH-Länder für sich und erleben viele kleine schöne Momente.

Erkenntnis und Fazit

Sie hält fest: “Ich habe nun ein Leben, das sich auf den ersten Blick nicht sehr vom Alltag anderer unterscheidet – ganz anders als in Zeiten, als ich ohne Halt quer durch die Welt gejettet bin. Getrieben von Neugierde, aber auch von einer inneren Ruhe – weil ich es zuvor niemals gelernt hatte, etwas auszuhalten und zuzulassen.” Das hat sie nun mit dem Kind, mit dem Familienleben gelernt. Jetzt BLEIBT sie. “Das ist eine neue Erfahrung, und eine, die ich nicht missen möchte.”

Das Buch LOSLEBEN wurde vom Malik Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.