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Lesend um die Welt und zu sich selbst

Abschied heißt auch manchmal Neuanfang

Tiziano Terzani muss sterben. Der Reporter, Kulturvermittler und Korrespondent (u.a. für den SPIEGEL) erfährt von seiner Krebserkrankung, begibt sich in die Hände von westlichen medizinischen Fachexperten und vertraut sich ebenso der alternativen Medizin an. Doch das alles bringt nichts. Er muss Abschied nehmen, was er eindrucksvoll und authentisch in diesem Buch vermittelt. Es ist hier mit aufgenommen, weil es nicht um die Krankheit, sondern stets um die Bejahung des Lebens geht: Der Weltbürger Tiziano führte ein bewegendes Leben, zu Hause in der ganzen Welt, das hier im Gespräch mit seinem Sohn eindrucksvoll nachgezeichnet wird.

Es ist die Suche nach dem Sinn, aber auch die Selbstfindung und am Ende das bedingungslose Loslassen. Nach der Lektüre dieses Buches wird man die Welt mit ganz anderen Augen betrachten. Es ist in gewisser Weise ein Lebens-Lehrbuch, ein Innehalten, eine bewegende Reise zu dem, was uns Menschen am Ende ausmacht.

Das Ende ist mein Anfang. Ein Vater, ein Sohn und die große Reise des Lebens von Tiziano Terzani (2017)

Sie wird Millionäre bei Günther Jauch und bereist die Welt

Meike Winnemuth, eine lustige, sympathische und schlagfertige Frau, die eben bei der Show Wer wird Millionär gewinnt und sich auf und davon macht. Auf ihrer Weltreise – mit Zwischenstationen in Sydney, Mumbai, San Francisco, Kopenhagen (und acht weiteren Städten) – aber bemerkt die Journalistin nach und nach, dass sie das viele Geld gar nicht benötigt hätte, um das Leben zu führen, dass sie schon immer wollte. Eine Erkenntnis, die man natürlich auch auf sein eigenes Leben übertragen kann. Was passiert, wenn man wirklich alles darf? Wie fühlt es sich an, wenn man das Leben lebt, wovon andere träumen? Und was brauche ich, um ein gutes und gelungenes Leben zu führen? Viel Geld kann es also schon einmal nicht sein. Frau Winnemuth lebt heute, nach ihrer Weltumrundung übrigens minimalistisch, in einer viel kleineren Wohnung als zuvor und nun mit einem kleinen Hund an ihrer Seite. Im Folgebuch, einem Schlechte-Laune-Killer mit dem vielversprechenden Titel Um es kurz zu machen: Über das unverschämte Glück, auf der Welt zu sein bringt sie es nochmals auf den Punkt: Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Alltagsprobleme lassen sich in Null Komma Nix beiseite schaffen und gleichzeitig die Freude des Lebens in jeder noch so banalen Situation schnell finden. Sie hinterfragt Festgetretenes und regt zum Nachdenken an. Zwei Bücher für definitiv mehr Sonnenschein auf der Reise zuhause.

Das große Los. Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr von Meike Winnemuth (2013)

Essen, Meditieren, Lieben

Inzwischen ein Klassiker und ein Must-Read für alle Reiselese-Liebhaber: Eine Frau, unzufrieden mit ihrem bisherigen Leben, reiselustig, romantisch, neugierig und ein wenig auf der Suche nach Liebe, Glück und Spiritualität. Kurz nachdem alles in ihrem Leben zusammenfällt, bricht sie auf in die weite Welt.

Es zieht sie zunächst nach Italien – dem Land, in dem sie den Genuss und das schöne Leben wiederentdeckt. Weiter geht es nach Indien, wo sie zur inneren Ruhe, Kontemplation und Balance findet. Dann folgt sie ihrem Ruf nach Indonesien, wo sie früher schon einmal gewesen ist, um beim alten Meister zu lernen, neue Freundschaften aufzubauen und das Leben zu lieben. Hier trifft sie schließlich auch auf die Liebe ihres Lebens, anfangs zunächst ängstlich und unschlüssig. Am Ende freuen wir uns natürlich über ein Happy End! Ein gelungenes Meisterwerk, dass sogar nebenbei in die Meditation einführt und das Staunen für die kleinen Dinge im Leben wiedererweckt. Ein Buch, dass man nach dem Lesen fest an sein Herz drückt.

Eat, Pray, Love von Elizabeth Gilbert (2013)

Zwei Brüder mit dem Rad um die Welt

Hier wird es extrem sportlich: es gab zuvor bereits diese spannende Fernseh-Dokumentation (2012) über die siebenmonatige und mittels Crowdfunding finanzierte Radtour von den Brüdern Hansen und Paul, welche bereits tolle Eindrücke schenkte.

Die Geschwister sind ausgebildete Designer (Fotografie, Produktdesign und Webkonzepte), ihren Traum einer Welt-Fahrradtour wollten sie unbedingt gemeinsam verwirklichen. In diesem Buch nehmen sie einen mit auf ihr Reiseabenteuer durch den Osten: die Zwillinge machen sich auf, um mit dem Rad von Berlin nach Shanghai (13.600 km) zu radeln. Sie durchqueren Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tibet und China. Schlafen im Zelt, baden in Flüssen, treffen auf sehr herzliche Menschen, mit denen sie sich über Gott und die Welt austauschen. Die Landschaftsaufnahmen sind (im Film) natürlich atemberaubend. Aber auch die Erzählung regt die eigene Fantasie sehr an. Man ist direkt mit den Gedanken dabei: schwitzt, strampelt, leidet und lacht mit ihnen. Dass es auch mal zu ernsthaftem Streit kommt, kann man sich bei der Tour und den damit verbundenen Strapazen denken. Doch sie raffen sich auf und durchstehen die körperlichen und emotionalen Hoch & Tiefs.

Zwei nach Shanghai: 13600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China von Hansen und Paul Hoepner (2015)