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Lesend durch Nord- und Südamerika

Brasilien – Amazonas

Jeder, der sich mit Survival, Bushcraft, Prepper, Outdoor oder Abenteuerurlaub beschäftigt, kennt auch die Geschichten des Überlebenskünstlers Rüdiger Nehberg – in Fachkreisen auch Sir Vival genannt. Der ehemalige Bäcker aus Deutschland ist dafür bekannt, sich ohne Ausrüstung und Vorkehrungen durch den Dschungel zu kämpfen oder den Pazifik auf einem selbstgebauten Floß zu durchqueren, aber auch für sein humanes Engagement für Urwald-Indianer, Regenwälder und gegen die Verstümmelung von Frauen.

In Abenteuer Urwald beginnt seine Geschichte damit, dass er sich irgendwo im Amazonas aussetzen lässt und seinen Weg zurück in die Zivilisation findet. Er schläft in seiner selbstgeknüpften Hängematte, überwindet Hunger, verletzt sich, legt sich mit den Kaimanen an und erzählt auch die Story von Tatunca – dem falschen Häuptling der Wälder.

Tatunca kommt seinen Recherchen nach eigentlich aus Nürnberg, hat eine üble Kindheit hinter sich geht mit falscher Identität in den Urwald. Hier bezeichnet er sich als Häuptling eines angeblich verborgenen Indianerstamms, der niemandem zugänglich ist, außer ihm selbst. Neugierige Journalisten oder gar Zweifler, die sich mit ihm in Verbindung setzen, verschwinden nach und nach. Von ihnen fehlt jede Spur, die Nehberg nun verfolgt und hierbei interessante Entdeckungen macht.

Abenteuer Urwald. Ausgesetzt ohne Ausrüstung. Die Morde um Tatunca Nara von Rüdiger Rehberg, Piper (2005)

Amerika – Küste Kaliforniens und Death Valley

Wie haben unsere Vorfahren – die Jäger und Sammler  – wohl damals gelebt? Wie haben sie beispielsweise ihren Alltag gestaltet, ihre Jagdwaffen hergestellt, geschlafen, Schutz gesucht, Wärme erzeugt und kalte Wintermonate überlebt? Das wird der Autor und Survival-Experte Matt Graham am besten wissen.

Schon als Kind und Teenager interessierte sich der junge Amerikaner für eine möglichst naturverbundene und autarke Lebensform. Er begann damit, immer öfters draußen zu schlafen, nur noch kalt zu duschen, sich überwiegend natürlich zu ernähren, alles zu Fuß zu laufen, seine Kleidung selbst herzustellen und nebenbei in einem Reservat auszuhelfen, um der Natur noch näher zu sein. Schnell entwickelte er sogenannte primitive skills, die er heute als Survival-Experte in Touren und TV-Sendungen weitergibt. Er durchquerte Amerika (darunter den bekannten Pacific Crest Trail) mehrmals und erzählt hier im Detail, dass es nicht nur auf die körperlichen, sondern vor allem auf die mentalen Kräfte ankommt. Beeindruckend sind seine Erlebnisse in der Wildnis allemal. Immer wieder zieht es ihn jedoch zurück in die Zivilisation, entweder aus Einsamkeit, dem Wunsch nach einer Partnerin oder aufgrund bürokratischer Verpflichtungen. Doch seine Sehnsucht bleibt und lässt ihn immer wieder in die Wildnis zurückkehren. Es macht Spaß, dem Jäger und Sammler auf Schritt und Tritt zu folgen.

Das Herz der Wildnis. Mein Abenteuer als Jäger und Sammler von Matt Graham, Ullstein (2017)

Alaska

Auch dieses Buch ist eine Geschichte über Sehnsucht nach dem echten, authentischen Leben und damit auch eine Flucht aus dem modernen Alltag des jungen Chris McCandless, welches leider mit der Einsamkeit in Alaska und schließlich dem schnellen Tod hier draußen endet. Erst mit Hilfe seiner zahlreichen Aufzeichnungen, konnte seine kurze, aber eindrucksvolle Biografie rekonstruiert werden. Chris McCandless Geschichte wurde verfilmt und erzählt die Story eines jungen Überfliegers und Hochschulabsolventen aus einer mehr oder weniger wohlhabenden Familie aus Washington, der einen völlig anderen Weg einschlägt, als ihm vorgesehen ist. Man erfährt von der Spannung zwischen Vater und Sohn. Ein  Leistungsdruck, dem er nicht mehr standhalten kann und endlich entfliehen möchte. Heimlich verschwindet er schließlich aus diesem Musterleben, spendet sein ganzes Hab und Gut, verbrennt sein Auto und reist zunächst durch das Land. Er wandert durch Wälder, arbeitet auf Plantagen, besorgt sich ein Kanu und schafft es schließlich bis nach Alaska, wo er in einem alten verlassenen Schulbus Zuflucht findet – bis schließlich der Winter kommt und das Abenteuer vorzeitig beendet.

In die Wildnis. Allein nach Alaska von Jon Krakauer, Piper (2007)

Südamerika – Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru, Chile

Es fängt schon gut an. Der Reisereporter, den man schon aus unzählig vielen anderen Büchern kennt (zum Beispiel Triffst Du Buddha, töte ihn oder Gebrauchsanweisung für die Welt), der kein Blatt vor den Mund nimmt, auf die Kirche pfeift, die Frauen liebt, das Leben schätzt und unglaublich gut beobachten kann, warnt schon in den ersten drei Zeilen: Hier geht es nicht um Hotelempfehlungen, Sehenswürdigkeiten oder bunte Folklore, sondern um Begegnungen auf der Straße, mit dem wahren Leben – ungeschminkt, brutal, stinkend und vor allem aber einsam. Nichtsdestotrotz sind seine Begegnungen mit den Menschen sehr berührend. Mit dem Bus durchquert er das Land. Er ist genervt von der Fernseh-Beschallung und erinnert sich noch an Zeiten, in denen die Passagiere noch miteinander redeten und lachten, anstatt sich stundenlang Gewaltszenen im TV anzuschauen. Er besucht Orte von verkanten Dichtern, schaut sich ein Fußballmatch mit blinden Spielern an, besucht eine junge Deutsche im Gefängnis und klettert in Minen, wo er auf Menschen stößt, die nur noch von Alkohol und billigen Frau “gewärmt” werden.

Man kann das Buch nicht weglegen. Mit jedem Satz reist man immer tiefer in einen Kontinent, der einen erschreckt und gleichzeitig fasziniert.

Reise durch einen einsamen Kontinent. Unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile von Andreas Altmann, Dumont (2017)