Buchtipp,  Urlaub

Lesend durch Osteuropa IV

DDR für Angeber – Thomas Wieke

Wer sich für Ostdeutschland und im Speziellen für die ehemalige DDR interessiert, sollte zu diesem Buch greifen. DDR steht für Deutsche Demokratische Republik. Dieser Staat existierte von 1949 bis 1990 und wurde mit dem berühmten Mauerfall im November 1989 aufgelöst (man spricht von einer friedlichen Revolution). Seither wurden die fünf östlichen (neuen) Bundesländer Sachen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg in die Bundesrepublik Deutschland integriert.

Heute sind DDR-Kulturgüter eher zu Kult-Objekten formiert und sie erleben ein Revival: dazu zählen etwa der Trabi, der Rotkäppchen-Sekt, das Ampelmännchen oder die Spreewald-Gurken. Aber auch das Sandmännchen, der „Kalte Hund“, der „Pfeffi“, die Halloren Kugeln und nicht zuletzt der Supermarkt „Konsum“, der vor allem in Sachsen neu vermarktet wird. Menschen mit derartiger Sehnsucht nach der guten alten Zeit, schwelgen buchstäblich in „Ostalgie“. Und davon handelt auch das Buch DDR für Angeber von Thomas Wieke. Er hat recht, wenn er behauptet,

„Nun werden die Erinnerungen an die DDR bei jedem Einzelnen anders ausfallen. Es muss aber einen Grund dafür geben, dass sich so viele gern an die DDR erinnern […] „Wer heute 50 ist und gern an die Siebzigerjahre in der DDR zurückdenkt, tut das nicht, weil diese Jahre besonders schön gewesen wären, er tut das, weil er in dieser Zeit jung war. “

aus Wieke „DDR für Angeber“ (2007)

Und wer erinnert sich nicht gerne an seine Jugendzeit zurück, in der man noch viel Zeit hatte, sich auszuprobieren, Neues zu entdecken und mit seinen Freunden um die Häuser zu ziehen. Wer die DDR nicht (mehr) miterlebt hat, wird hier ein interessantes Sammelsurium an Erinnerungsstücken finden, die sich vor allem mit dem Grotesken, Komischen und Verdrehten des Alltags in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik beschäftigen.

Die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist auch wichtig, um die Gegenwart besser zu verstehen. Frauen aus dem Osten Deutschlands werden in der Regel taff(er) wahrgenommen, als im Westen. Die Kinderbetreuung war damals einfach besser geregelt, so dass beide Elternteile arbeiten und Karriere machen konnten. Auch ist die Privatisierung von Eigentum ist noch nicht so weit fortgeschritten, als im Westen. Hier gibt es in den großen Städten wie Dresden, Leipzig, Chemnitz oder Magdeburg zahlreiche Genossenschaften, die eine ganz andere Art zu Wohnen (und damit auch den Besitz im Allgemeinen in Frage stellen) erlauben. Kleingärten, zahlreiche Sportvereine, Urlaube an der Ostsee, Partys im Waschkeller. Das brachte die Menschen eng zusammen.

DDR für Anfänger ist kein Ratgeber und auch keine zusammenhängende Erzählung, sondern eher ein Nachschlagewerk, alphabetisch geordnet. Was verbirgt sich zum Beispiel unter den Begriffen „Goldene Hausnummer“ oder „Picasso-Euter“? Wieke beschreibt auch, wie „Familie“ gedacht wurde, was man auf dem „Schwarzen Kanal“ sehen konnte oder was die „Singebewegung“ für die Jugend von damals bedeutete.

Wer also schon von der Ost-Sehnsucht ergriffen ist – zum Beispiel aufgrund einer Reise durch eines der neuen Bundesländer – kann sein Wissen hiermit auffrischen und mehr über die Hintergründe der einzelnen typischen ostdeutschen Kulturgüter erfahren.

Das Buch „DDR für Anfänger“ wurde 2007 im Bassermann Verlag veröffentlicht und DER HEIDELBERGERIN als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Es steht nicht mehr als gedruckte Version zur Verfügung, kann aber als eBook erworben werden.

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