Buchtipp,  Urlaub

Lesend durch Ostasien I

Unterwegs in Nordkoreavon Rüdiger Frank

Eigentlich hört man nichts Gutes aus Nordkorea: Waffenwettrüsten, Raketentests, “den Finger auf der Atombombe”. Das diktatorische Land gehört zu den verschlossensten, geheimnisvollsten und deshalb nicht ungefährlichsten Ländern der Welt. Wer darf bzw. will überhaupt nach Nordkorea reisen? Wie sicher ist Nordkorea für Tourist*innen und wie läuft eine Reise ab?

Das Buch, ein authentischer Einblick in das Land der sieben Siegel.

Es ist, um ehrlich zu sein, eine Gratwanderung – so lautet auch der Untertitel des neuen Buches von Rüdiger Frank zu Nordkorea (2021 veröffentlicht im Pantheon Verlag).

Unterwegs in Nordkorea war Frank bereits als Student, in einem Land, dass nur wenigen Ausländer*innen zugänglich ist. Er lernte ihre Sprache, lebte vor Ort (in der Hauptstadt Pjöngjang) und zählt heute zu den wenigen echten Kennern des Landes. Bis heute reist der Wissenschaftler der Universität Wien regelmäßig nach Nordkorea und liefert mit diesem Buch – dass als Rezensionsexemplar hierfür zur Verfügung gestellt wurde – einen authentischen Einblick in das Land der sieben Siegel.

Eine Gratwanderung ist es auch immer für ihn: er möchte das Land nicht zu stark kritisieren aber auch nicht übermäßig loben.

“Selbst im dreckigsten Teich existiert noch eine schöne Blume.”

Warum aber überhaupt in ein Land reisen, welches ein so offensichtlich restriktives politisches System pflegt, dass Kritiker mundtot macht und die Bevölkerung hungern lässt. “Selbst im dreckigsten Teich existiert noch eine schöne Blume” zitiert Frank einen buddhistischen Mönch, um sein Anliegen zu erklären: klar ist es eine Gewissensfrage und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Nordkorea besuchen sollte. Deutlich wird, dass das Land den Tourismus braucht. Mehr als je zuvor. Tourismus bringt Einnahmen, die dem Land aufgrund von Sanktionen durch die USA und den Westen wegfallen. Der Tourismus in Nordkorea wird daher immer weiter ausgebaut. Vielleicht verändert sich das Land und damit das System. Tourismus kann Globalisierung bedeuten. Zu beobachten ist, dass die Menschen in den größeren Städten immer reicher werden und sich ihre Interessen allmählich verlagern.

E-Bikes zum Beispiel – die immer noch ein paar Monatsgehälter kosten – gehören inzwischen zum guten Ton. Die Menschen beginnen, sich mehr zu leisten. Ihre Ausrichtung wird konsumorientierter, um es vorsichtig auszudrücken.

Gute Vorbereitung oder einfach nur eine gute Lektüre

Rüdiger Frank widmet das Buch all jenen, die eine Reise nach Nordkorea planen und sich (bitte!) gut darauf vorbereiten. Aber auch denjenigen, die NIE nach Nordkorea wollen, aber sich für das Land interessieren. Das macht das Buch so spannend.

Es gibt so viele Dinge DIE MAN NICHT DARF. Man muss sie kennen, ansonsten drohen hohe Strafen und man kriegt wirklich Probleme. Natürlich dürfen Militär und Anlagen nicht fotografieren werden. Es ist verboten, mit der Bevölkerung sprechen, die Bibel einführen und überhaupt irgend ein Buch über Nordkorea.

Die Touristen reisen sowieso nur in einer überwachten und kontrollierten Gruppe, die über bestimmte Reisebüros gebucht werden kann. Es gibt kein Individualtourismus. Jede Gruppe wird von mindestens einem oder zwei Guides begleitet.

Kritik & Witze verboten

Es ist nicht auszuschließen, dass man im Hotelzimmer abgehört oder sogar gefilmt wird. Generell gilt: sich nie kritisch über das System oder den Führer äußern. Auch nicht über sein Aussehen. Witze machen ist verboten. Frank weist daraufhin, dass Anfänger*innen nur eine Woche bleiben sollten. Aus dem einfachen Grund, dass man so viele Eindrücke verarbeiten muss, da ist man schnell überfordert. Die meiste Zeit verbringt die Gruppe im Bus. In der Hauptstadt klappert die Tourist*innen die Sehenswürdigkeiten ab, sie besichtigen Museen und die Statuen von Kim Il-sung (김일성) und Kim Jong-il (김정일). Nordkorea versorgt sich selbst. Sie bauen ihre eigenen Autos. Dank China, rüsten sie auch in Sachen Technik auf.

Don´t speak to me

Der Kontakt zu den Einheimischen und andersherum ist und bleibt strengstens verboten. Man kommt nie mit ihnen ins Gespräch, es sei denn, sie arbeiten für die Regierung und im Tourismus. Sie sind gut ausgebildet, haben auf alles eine passende Antwort, nur darf man sie nicht in Verlegenheit (etwa durch kritisches nachfragen) bringen. Fakt ist, unterwegs in Nordkorea heißt, anderes unterwegs zu sein.

Themen des Buches

Rüdiger Frank klärt zunächst die “Gewissensfrage” (Kap. 1) und geht auf die einzelnen Aspekte ein, die vor Ort zu beachten sind. Hierbei geht es um die Einreise (Kap. 2), um Kommunikation & Medien (Kap. 3) bis hin zur Unterbringung (Kap. 4). Was isst man typischerweise in Nordkorea? Warum wird der Fisch “lebendig” serviert? Isst man tatsächlich Hundefleisch? All das erfährt man in Kapitel 5. Frank erklärt, wie man von A nach B kommt (Kap. 6) und von wegen Kommunismus und schnittgleiche Trachten (Kap. 7). es geht in die Shoppingmalls. Die nächsten Kapitel widmen sich den einzelnen Regionen: Hauptstadt, Westen, Osten und Norden (Kap. 8-13) und schließlich geht es um die gelungene Abreise (Kap. 14) mit der letzten Frage nach dem “was nun?”

Und was nun – Fazit

Unterwegs in Nordkorea ist ein Buch, dass es so noch nicht gibt: es ist für Menschen geschrieben, die sich für Nordkorea interessieren, aber nicht unbedingt dort hinfahren können oder wollen. Das Buch stellt aber auch eine hervorragende Vorbereitung dar. Es räumt zudem mit manchen Klischees über das Land auf und schenkt ein ganz neuen Blick zu Nordkorea.

Wenn man etwas über das wahre Leben vor Ort erfahren will, sollte man dieses Buch lesen. Es wird auch so manche Entscheidung beeinflussen, ob sich die Reise nach Nordkorea lohnt. So oder so, am Ende lernt man unglaublich viel über das Land.