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Lektionen für ein richtig gutes Leben

Neun Monate mit dem Rad von Berlin nach Peking ODER zwei Freunde, die nicht gerne Fahrrad fahren und dennoch um die halbe Welt radeln ODER Fahrradfahren für Schulen in Guatemala.

So oder so könnte man das Buch über die Reise der beiden Studenten Nono und Max betiteln, die sie kurz der Corona-Pandemie machen konnten, um vor allem Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Aus dem Reisebericht – bestehend aus einer Filmdoku bei Netflix und diesem Buch (veröffentlicht im kailash Verlag*) – wurden Lektionen für ein richtig gutes Leben – und das macht natürlich neugierig.

“Wie ich auf einem Bike-Trip von über 15.000 Kilometern den Mut fand, meine Träume zu leben”

Das Ungewöhnliche ist zuerst einmal die Wahl eines Transportmittels, dass nicht unbedingt zum Lieblings-Fortbewegungsmittel der beiden Freunde zählt. Eigentlich hassen sie Radfahren. Darüber hinaus sind beide total naiv und unvorbereitet zu dieser Reise aufgebrochen. Sie sind weder trainiert, noch haben sie die besten Bikes im Schuppen stehen. Was müssen sie an Kleidung und was an Essen mitnehmen? Sponsoren, die sie für dieses Projekt gewinnen wollen, können sie zunächst nicht überzeugen. Was können sie vorzeigen? Sie haben weder Videomaterial noch Follower auf den sozialen Medien, die sie ab jetzt täglich mit Updates von ihrer Abenteuerreise füttern wollen. Aber das Ganze nimmt dann ziemlich schnell Fahrt an – nicht nur unter den Füßen.

Nono spricht von 12 Lektionen fürs Leben, die er auf dieser Fahrt gelernt hat. Und so unterteilt er auch die Kapitel dieses Buches. Er beginnt damit, dass er aus einer Unzufriedenheit heraus, etwas ändern möchte.

Die 12 Lektionen

1) Alles ist nur eine Entscheidung entfernt (selbst Peking). Manchmal reichen da schon eine Pizza und ein Podcast und schon wird aus dem Warum, ein Wie und schließlich ein Was. 2) Nicht zuhören ist oft auch gut spielt darauf hin, wieder stärker auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören und eigene Entscheidungen zu treffen, anstatt sich von anderen Meinungen leiten oder gar abbringen zu lassen. 3) Es ist nur so lange schwer, bis es einfach ist heißt, seine Komfort-Zone zu verlassen und beobachten, was passiert. Meistens passiert so etwas, wie ein Wunder! Nono ist sogar davon überzeugt, vor allem das zu tun, was einem Angst macht. Dinge, die man sich sonst nocht traut zu tun. Und wie lange? Innerhalb von zwei Monaten geht es darum, das umzusetzen, was man sich vornimmt und zwischendurch geht es immer wieder ums Loslassen (auch das will geübt sein). 4) Richtung ist wichtiger als Geschwindigkeit – könnte auch so eine typische Dalai Lama und Anselm Grün Weisheit sein. Und er geht sogar so weit, dass Fahrradfahren mit einer Meditation gleichzusetzen, ein in-sich-sein und sich selbst finden. Und das sagt ein ehemaliger Radfahr-Hasser 🙂 5) Die gleiche Welt mit anderen Augen sehen. Eine solche Reise verändert den Menschen natürlich! Man hört und liest es immer wieder: die Ärmsten, sind oft die Gastfreundlichsten. Sie geben am meisten und sind innerlich die Reichsten! Nono kann dies nur bestätigen und sieht die Welt fortan aus einem ganz neuen Blickwinkel. Er schwärmt vor allem von der persischen Kultur, die ihm die Augen zu einem “guten Leben” öffnete.

6) Hürden nehmen und aus Fehlern lernen. Das hätte von Großvater kommen können, “aus Fehlern wird man klüger” und vor allem, muss man sie gefälligst selbst machen. Hindernisse sind Lektionen des Lebens. Erst an ihnen wachsen und reifen wir. 7) Was es außer Motivation noch braucht… ist Disziplin und die Fokussierung auf das eigentliche Ziel! Erinnert mich an das Mindset von Profi-Sportler*innen wie Jan Frodeno oder Laura Philipp (hier kannst Du das komplette Interview mit ihr lesen). 8) Umso mehr heißt nicht umso besser. Glück kann man nicht messen. Das wirklich gute Leben ist unbezahlbar. Darum geht es in dieser Lektion. 9) Das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen entdecken. Wer mit leichtem Gepäck durchs Leben geht, kann sich nicht mehr so schnell ablenken von den wirklich schönen Dingen. Und die befinden sich nicht irgendwo weit entfernt, sondern im Prinzip direkt vor unserer Nase! 10) Ziele lassen einen losgehen, aber nicht ankommen. Am besten man hat weit entfernte Ziele, die man lange nicht erreichen kann. Denn, was tun man an der Zielgeraden? Was ist, wenn man das Ziel erreicht hat? Es folgen oft Sinnkrisen und Leere. Über den Sinn und Unsinn geht es schließlich in dieser Lektion. 11) Gute Dinge kommen oft unerwartet und das sind eben diese plötzlichen Begegnungen, Erfahrungen und Einsichten, die das ganze Leben auf den Kopf stellen. Wie sonst kommt man darauf, mit den Rad loszuziehen für eine Schule in Lateinamerika? 12) Magic of Discomfort ist ein besonders interessanter Beitrag, der erklärt, wie die Grenzen “im Kopf” verschwinden, sobald man seine Komfortzone verlässt – dann “kannst auch Du große Ziele erreichen”.

Resümee

Es wird gestrampelt, geweint, gezittert und gejubelt. Aber die Reise ist für die beiden Freunde Nono und Max der Schlüssel zu… ALLEM! Eine Lebensweisheit auf zwei Rädern um die halbe Welt. Klar, steckt das an und man will am liebsten direkt selbst losradeln. Aber vor allem bringt es zum Nachdenken über das was man tut und bisher getan hat. Wo will man hin? Was will man noch mit seinem Leben anstellen? Das Buch stellt die entscheidenden Fragen!

Lektionen für ein richtig gutes Leben ist auf der einen Seite ein Reiseabenteuer, in das man literarisch eintaucht und währenddessen seinen eigenen Alltag für ein paar Stunden vergisst, auf der anderen Seite ist es eine moderne philosophische Abhandlung über das Leben. Was sind unsere Ziele? Wo wollen wir hin? Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Wer sich diese essentiellen Lebensfragen noch nicht/ nie gestellt hat, findet hier definitiv gute Anregungen.

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