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Lebensmelodien

Eine Stunde und 15 Minuten. Eine Stunde, in der man kurz die Zeit vergisst und eintauchen kann in eine außergewöhnliche Liebesgeschichte voller Höhen und Tiefen. Das Hörbuch mit dem Titel “Lebensmelodien” handelt über Robert und Clara Schumann und ist eine Mischung aus Erzählung und Melodie, verfasst und zusammengestellt von Elke Heidenreich. Das Werk wurde 2019 bei Random House Audio publiziert und hier zur Rezension zur Verfügung gestellt.

Wer waren Robert und Clara Schumann? Wie haben sie sich kennengelernt, was war so besonders an ihrer Freundschaft und Ehe und wie verlief ihr gemeinsames Leben?

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Wir erfahren, dass der Pianist Robert Schumann ein äußerst schwieriger Mensch war. Ein Perfektionist. Ein Besessener. Aber es war auch nicht leicht für ihn, seinen Weg zu finden, sich zu behaupten und überhaupt, eine Ehe mit Clara geb. Wieck einzugehen. So erfahren wir von Heidenreich, dass Claras Vater – einst sein persönlicher Klavierlehrer – dieser Ehe skeptisch gegenüber stand und sie zu verhindern versuchte. Schließlich setzte sich das Liebespaar durch (sie gingen sogar bis vor Gericht), sie heirateten und bekamen vier Kinder.

Clara

Clara Schumann war eine ebenfalls hochbegabte Pianistin und Komponistin (wenn nicht sogar die Begabtere von beiden). Und sie war eine Kämpferin, betont Heidenreich. Nicht nur für ihre eigene Pianistinnenkarriere – trotz Familienplanung, zahlreichen Umzügen (Leipzig, Dresden, Heidelberg, Düsseldorf) und “gänzlicher Fürsorge” für ihren berühmten und später schwer erkrankten Mann – sondern auch für die Anerkennung als Frau im Beruf (im 19. Jahrhundert sicherlich keine Selbstverständlichkeit).

Robert

Der Zwickauer wiederum kämpfte mit Dämonen. Er gehörte der herausfordernden musikgeschichtlichen Zeit der Romantik an und litt immer stärker unter Depression. Er verletzte sich (selbstverschuldet) an einem seiner Finger, indem er sich an einer Vorrichtung probierte, die seinen Ringfinger “besser trainieren” sollte. Er zog sich auf diese Weise wahrscheinlich eine chronische Sehnenverletzung zu und beendete damit frühzeitig seine musikalische Karriere. Irgendwann sah er nur noch im Tod einen Ausweg und landete nach einem Selbstmordversuch in einer psychiatrischen Heilanstalt in Bonn. Er wurde nur 46 Jahre alt – zu diesem Zeitpunkt ist seine Frau Clara erneut schwanger.

Sie selbst überlebte ihn ganze vier Jahrzehnte und wurde erst viel später, in den 1960ern als Genie (wieder)entdeckt.

Brahms

Und es gab diese eine besondere Freundschaft zwischen dem Ehepaar und dem jungen Hamburger Johann Brahms, der vor allem Clara ab der ersten Begegnung an bewunderte. Leider werden wir seine Briefe, die er an Clara Schumann geschrieben hatte, nie zu Gesicht bekommen. Er versenkte sie “im Rhein“.

Heidenreich

Heidenreich erzählt die Lebens- und Liebesgeschichte auf eine besondere, gut recherchierte und einfühlsame Art. Die Idee, der Erzählung passende musikalische Stücke beizumischen, macht das Werk zu einem besonderen Erlebnis. Immer wieder hält man inne, verdaut das Erzählte, taucht ein in das besondere Eheleben des Musikerpaares im 1900. Die Autorin, Literaturexpertin und Musikkennerin Elke Heidenreich ist für diese besondere Story eine gute Wahl. Sie schafft es wieder einmal, die manchmal in Vergessenheit geratene “Kultur” in Wort und Ton zurück in unsere Wohnzimmer zu bringen.

Mehr zu Elke Heidenreich in diesem Interview mit Der Heidelbergerin:

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