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Interview mit der Tourismusmanagerin Marlen Schneider

Wer etwas Touristisches über Heidelberg und Umgebung erfahren will, kommt eigentlich nicht an ihr vorbei: Marlen Schneider. Sie ist wortgewandt, informiert, neugierig und originell. Und sie ist aus der Branche! Aber bevor wir allzu viel verraten, lassen wir sie doch gleich selbst zu Wort kommen.

Liebe Marlen, toll, dass Du etwas Zeit für dieses Interview gefunden hast! Gleich mal vorab: Wie wir erfahren haben, bist Du aus der Pfalz. Was hat Dich nach Heidelberg gezogen und wie lange bist Du schon hier?

Marlen: Im Jahr 2009 habe ich mein Tourismusmanagement-Studium in Heidelberg begonnen. Meinen ersten “richtigen” Job habe ich dann aber in Koblenz gefunden, wo ich anschließend vier Jahre gelebt habe. Als Selbständige bietet mir Heidelberg aber bessere Rahmenbedingungen (vor allem mehr Cafés mit W-LAN) und auch ein Großteil meiner Freunde lebt nach wie vor hier. Deshalb bin ich 2017 mit wehenden Fahnen zurückgekommen.

Koblenz gegen Heidelberg. Das war sicherlich ein schwerer Schlagabtausch 🙂 Weshalb hast Du Dich denn damals für ein Tourismus-Studium entschieden? Und bist Du in dieser Branche noch tätig? 

Marlen: Nach dem Abi habe ich zuerst eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert. Dass ich danach Tourismusmanagement studiere, war für mich von vornherein klar. Ich habe dann ziemlich schnell den Fokus auf den Bereich Marketing gelegt. Als ich 2017 meinen Job bei einem Reiseveranstalter gekündigt habe, um mich selbständig zu machen, musste ich mir überlegen, was ich gut kann bzw. womit ich überhaupt Geld verdienen kann.

Begonnen habe ich mit Textdienstleistungen und ein wenig Pressearbeit für die Tourismusbranche. Nebenbei bin ich Kellnern gegangen. Das ist übrigens ein unschätzbarer Vorteil der Hotelfachausbildung: man findet sich in fast jedem Restaurant sofort zurecht! Da die Nachfrage nach Content da war, habe ich schnell auch Aufträge von Kunden aus anderen Branchen angenommen. 

Heute arbeite ich als Texterin und Kommunikationsberaterin auch – aber nicht ausschließlich – für touristische Unternehmen (Stadtmarketingagenturen, Hotels, GästeführerInnen). Unter der Marke GoLife veranstalte ich selbst Workations und Workshops. Und ich schreibe Reiseführer, das gehört ja auch irgendwie zum Tourismusmarketing dazu. 

Ein Blick ins Buch lohnt sich: Marlen kennt sich ziemlich gut aus und das zeigt sie in den beiden Reiseführern Heidelberg und Heilbronn (Marco Polo). Mit tollen Insidertipps lassen sich beiden Städte einfach und unkompliziert entdecken.

Liebe Marlen, Du bist auch journalistisch sehr aktiv. Wann hast Du mit dem Schreiben begonnen? 

Marlen: Die erste Zeitung habe ich mit acht Jahren mit meiner Babysitterin herausgebracht. Sie hieß Neues am Mittwoch (die Babysitterin kam immer mittwochs) und ich habe sie für fünf Mark an meine Eltern und Großeltern vertickt. Schreiben ist einfach mein Ding – schon immer gewesen. Was ich persönlich daran mag, ist, dass ich meine Gedanken sortieren und so lange umstellen kann, bis die schriftliche Aussage tatsächlich mit der in meinem Kopf übereinstimmt. Das finde ich im Mündlichen manchmal schwierig. Außerdem mag ich es, wenn aus ersten Stichworten und Satzfragmenten ein in sich runder Text entsteht. Erst wenn jedes Wort Sinn ergibt und etwas für den Text tut, bin ich zufrieden.

Auf Deiner tollen Seite heidelmag.de schreibst Du über interessante Themen rund um Heidelberg und Region und Du bietest einen Newsletter an. Was darf man hier als Leser*in erwarten? Wie kommst Du zu Deinen Themen? 

Marlen: Der Blog ist die Kür zu dem, was ich sonst so mache. Hier veröffentliche ich ohne Druck, worauf ich Lust habe. Themen finde ich in meinem Alltag, oder wenn Menschen und/oder Unternehmen auf mich zukommen. Ich schreibe zum Beispiel über Restaurants, die ich besuche (z. B. das uuuhmami), über Events, an denen ich teilnehme (z. B. das Gin Tasting im Cocktailcafé Régie oder das eiskalte Anbaden im Neckar) und über Orte, die ich entdecke (z. B. das Carl-Bosch-Museum).

In der Regel schreibe ich aus einer sehr persönlichen Perspektive heraus und häufig entsteht eher eine Erzählung als ein Bericht. Das ist gewollt: Meine Texte sollen informieren und gleichzeitig unterhalten. Seit Beginn der Coronakrise habe ich leider nichts gepostet, weil ich sehr wenig in Heidelberg unterwegs war und mein persönlicher Fokus auf anderen Dingen lag. Das soll sich aber bald wieder ändern.  

www.heidelmag.de
Wer sich für Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis interessiert, stößt automatisch irgendwann auf diesen sympathischen Blog. Hier findest Du Insidertipps, Ausflugsziele und Spannendes aus der Region.

Und was ist eigentlich eine “Kruschkiste”? 

Marlen: Kruschen ist pfälzisch für stöbern oder kramen. In die Kruschkiste kommt alles, von dem man nicht weiß, wo man es einsortieren soll. Die gleichnamige Rubrik in meinem Blog nutze ich für Artikel, die nichts mit Heidelberg zu tun haben, z. B. meine Abhandlung zur Pfälzer Weinschorle. Witzig finde ich, dass ausgerechnet dieser Artikel die meisten Besucher auf den Blog bringt – für den Suchbegriff “Pfälzer Weinschorle” rankt er bei Google nämlich auf Platz 1.

Liebe Marlen, vielen lieben Dank für das schöne Interview und dafür, dass wir Dich näher kennenlernen durften. Es war spannend zu erfahren, welche Stationen Dich letztendlich zu dem gebracht haben, was Du heute tust: Abitur – Hotelfachfrau – Tourismusmanagement/ Gastronomie – Freelancerin. Und wir sind sehr gespannt auf alle weiteren Projekte, die noch kommen.

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