Beruf,  Interviews

Interview mit der Sängerin Elly

"I've heard there was a secret chord
That David played and it pleased the Lord
But you don't really care for music, do ya?
"

Und ob wir uns für Musik interessieren! Spätestens nach diesem wunderbaren Gespräch mit der Sängerin Elly Syring aus der Nähe von Heidelberg, werden wir einmal mehr über Musik nachgedacht haben.

Musik kann Berge versetzen – schließlich hat auch der berühmte Komponist und damals in Heidelberg lebende Robert Schumann sein Jurastudium für Musik an den Nagel gehängt – zum Glück können wir heute sagen. Sonst hätten wir nicht seine “Kinderszenen”, die vier Sinfonien oder die Oper “Genovena”.

Und überhaupt, Musik geht uns alle etwas an! Fast täglich haben wir mit Klängen und Rhythmen zu tun. Sei es unser eigener Gesang unter der Dusche, das Küchenradio am Esstisch, die Songs aus unserem Smartphone während des Sports oder abends als Hintergrundkulisse im Fernsehprogramm. Doch, wie ist es, wenn Musik zum Hauptberuf und die eigene Stimme zum Werkzeug wird? Das erzählt uns heute die liebe Elly:

Liebe Elly, Deine Stimme gibt den Takt an, sorgt für Gänsehaut und dafür, dass der Tag für immer in Erinnerung bleibt. Denn, Du bist Event-Sängerin (z.B. Hochzeiten, Trauungen) für Baden-Württemberg, Hessen und die Pfalz. Wie bist Du zu diesem (Traum-)Beruf gekommen?

Elly: Vielen Dank für das tolle Kompliment! Ja, ich habe es wirklich mit viel Arbeit und schlaflosen Nächten geschafft, meine Leidenschaft zu meinem Hauptberuf zu machen.

Es fing alles damit an, dass ich 2008 bei einer Karaoke-Veranstaltung meine jetzt beste Freundin kennengelernt habe, die damals schon als Hochzeitssängerin unterwegs war. Sie hat mir alles gezeigt und beigebracht, was man als Hochzeitssängerin braucht. Schnell stand meine erste Homepage, die ersten Auftritte waren geplant und so nahm alles seinen Lauf. Ich erinnere mich noch gut: anfangs bin ich mit einem DVD-Player und Textblättern losgezogen! 🙂 Jetzt läuft alles mit einem Tablet und einer Akkubox. Wenn ich an die Anfänge zurück denke, muss ich jedes mal schmunzeln, aber es hat funktioniert und ich konnte damals schon Menschen mit meinem Gesang glücklich machen!

Natürlich muss man dranbleiben und sich immer weiter entwickeln, um jährlich den Umsatz zu steigern. Ich lebe meinen Beruf und da steckt man doch gerne mehr Zeit rein um zu wachsen 🙂

Das klingt ja nach sehr viel Eigeninitivative. Arbeitest Du denn mit einer Band zusammen oder wer sorgt bei Deinen Auftritten für Rhythmus und die richtigen Akkorde?

Elly: Oh, das ist je nach Event und Budget unterschiedlich. Bei Trauungen bin ich meist alleine mit meinem Tablet unterwegs. Hierüber laufen instrumentale Sequenzen, die ich entweder von anderen Musikern einspielen lasse oder im Internet kaufe. Im Laufe der Zeit habe ich mehrere wundervolle Pianisten kennengelernt, die mich auch bei Trauungen und beim Sektempfang begleiten. Auf größeren Veranstaltungen bin ich dann doch öfter mit einer kompletten Live-Band am Start. Zum Beispiel bei Weinfesten in der Pfalz oder mit der Band Siegmayer & The Teachers in der Musikschule in Germersheim.

Natürlich ist alles möglich! Das ist ja das Schöne: man kann so viel miteinander kombinieren und ich habe in den vergangenen Jahren so viele abnormal geile Künstler kennengelernt mit denen es Spaß macht zu musizieren.

Ich verstehe! Und hast Du auch ein festes Song-Repertoire, aus dem der oder die Auftraggeber*in auswählt oder studierst Du auch komplett neue Songs ein, wenn das gewünscht ist?

Elly: Mittlerweile habe ich ca. 900 Songs in meinem Repertoire und es werden immer mehr! Ich studiere pro Jahr ungefähr 20 bis 30 neue Lieder ein. Viele Vorschläge bekomme ich von Brautpaaren und ich möchte auch immer Up-to-date sein. Deshalb höre ich auch viel Radio und lerne so die aktuellen Titel. Aber ich bin immer dankbar, wenn ich neue Vorschläge bekomme. Von Balladen, über Pop/ Rock, Schlager, Raggae, Soul, bis Weihnachtslieder ist für jeden was dabei. Natürlich bin ich keine Whitney oder Mariah, ich bin auch nicht Freddy und kann deshalb nicht alle Lieder bedienen. Wenn ich nicht überzeugt bin von vorgeschlagenen Songs, weil sie für mich stimmlich nicht machbar sind, lehne ich diese ab und meist finden wir eine andere Lösung, so dass beide Seiten glücklich sind 😉

Gibt es etwas, was Du besonders gerne singst oder auch lieber sein lässt?

Elly: Hmmm… da kommt es immer auf die Stimmung an. Mal ist es „Hallelujah“, mal „Purple Rain“ und mal „Highway To Hell“. Klar gibt es Songs, die ich nur heimlich zu Hause unter der Dusche singe, aber ich nehme auch gerne Herausforderungen an und bin dann doch mal drei Tage damit beschäftigt, ein Lied einzustudieren. Am Wichtigsten ist mir, die Gefühle der Songs zu transportieren und das kann man nur, wenn man sich mit den Liedern auseinander setzt und herausfindet, wie man die Menschen mit der eigenen Stimme erreicht. Dazu muss nicht jeder Ton perfekt sitzen. Außerdem singt man nie genauso, wie die “Stars”. Man muss das Lied zu seinem eigenen machen.

Stimmt, genau das macht es zu etwas ganz besonderem! Erzähl mal, was hinter dem Projekt „singende Überraschung“ steckt?

Elly: Ein Duo aus Fulda hat im ersten Lockdown „die singende Überraschung“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Menschen in der schweren Zeit musikalisch zu verbinden. Große Feiern sind verboten, außerdem sitzen viele Menschen alleine zu Hause und da ist es doch eine schöne Geste, diese Menschen mit einem seiner Lieblingslieder (live gesungen!) zu überraschen. All das läuft natürlich Corona-konform ab. Die erste Kontaktaufnahme läuft über E-Mail oder WhatsApp. Gesungen wird dann vor der Haustür mit Akkubox und Mikrofon. Das Projekt kommt super an und mittlerweile sind Sänger und Sängerinnen aus ganz Deutschland dabei.

Wow, was für eine schöne Idee! Hast Du eigentlich schon selbst eigene Songs geschrieben? Wenn ja, wo kann man mal reinschnuppern?

Elly: Ich selbst schreibe keine Songs, da ich mit Covermusik groß geworden bin. Allerdings habe ich ein Lied eingesungen, bei dem der Text von einer Dichterin aus Frankfurt und die Musik von einem Musikcoach aus München geschrieben wurde. „Süchtig nach Dir“ ist ein deutscher Pop-Schlager und das Lied gibt es auch auf AmazonMusic und im iTunes Store zu kaufen. Streamen kann man es über YouTube, Spotify oder Deezer.

Das Lied ist im Dezember 2019 erschienen und es hat wirklich viel Spaß gemacht das Projekt mit dem Musikcoach in München aufzunehmen und zu perfektionieren. Sonst bleibe ich lieber bei Coversongs und den Wünschen meiner Brautapaare 😉

Super, ich glaub ich habe jetzt erst einmal einen Ohrwurm für den Rest des Tages! Aber sag mal, Singen scheint in der Natur des Menschen zu liegen. Und jeder weiß inzwischen, dass Singen glücklich, gesund und sogar „schlau“ macht. Musik fördert die Gehörbildung, die Motorik, ja sogar die Sprache/ Kommunikationsfähigkeit und das logische Denken. Sie trägt sozusagen zur Persönlichkeitsentwicklung und Kreativität bei. Auch Du gibst Gesangsunterricht. Wie sieht so etwas genau aus?

Elly: Gesangsunterricht ist so eine Sache. Ich selbst habe nie Gesangsunterricht genommen. Dennoch sang ich schon immer gerne und habe jahrelang in einem Popchor gesunden. Schließlich habe ich bei einem Professional Vocal Summercamp mein Mindset positiv weiterentwickelt und diese gesamte Erfahrung gebe ich an Menschen weiter, die auch auf der Bühne stehen und singen wollen. Während meiner Teilnahme am Summercamp von Robin D. in Salzburg (Österreich), wurde mich nicht nur gezeigt, wie ich richtig singe, sondern auch, wie ich mich richtig vermarkte, um an die Auftritte zu kommen, die mir Spaß bereiten!

Ich versuche für meine Schüler*innen nicht nur die Gesangslehrerin, sondern auch eine Mentorin zu sein. Mit ihnen bespreche ich erst mal ein konkretes Ziel, welches wir erreichen wollen. Ich mache mir einen Plan, wie wir am besten voran kommen und dann geht es los 🙂

An Songs, die sich die Schüler aussuchen, bringe ich ihnen die richtige Technik und Umsetzung bei. Wir singen immer mit einem Mikrofon, dass an eine professionelle Anlage angeschlossen ist. Natürlich arbeiten wir auch an Performance, am Selbstbewusstsein und an der Internet-/ Social Media Präsenz. Es ist einfach so toll zu sehen, wie sich die Schüler*innen im Laufe der nächsten sechs Monate verbessern können und gleichzeitig richtig viel Spaß am Singen und Performen haben. Die Angst vor “falschen Tönen” verfliegt – sie lernen, frei zu sein um seine eigenen Interpretationen preiszugeben. Singen ist Leidenschaft und Leidenschaften soll man lieben und leben!

Das ist vielleicht auch der wesentliche Aspekt, der sich so stark auf das Selbstbewusstsein, das Glücksempfinden und schließlich die Gesundheit auswirken kann. Toll, dass Du so einen großen Teil dazu beiträgst! Steht denn demnächst irgendein Event an, auf dem man Dich hören & sehen kann? 

Elly: Leider wurden mir aufgrund der Corona-Pandemie alle öffentlichen Auftritte abgesagt. Es ist auch wirklich schwierig zu sagen, wann wieder gefeiert werden darf.

Kleinere Konzerte sind für dieses Jahr gebucht und natürlich kann man mich weiterhin auf den verschiedenen Social Media Kanälen hören und auch für private Feiern buchen.

Wir drücken Dir die Daumen, dass auch Du bald wieder auftreten und Menschen mit Deiner Stimme happy machen kannst. Bis dahin genießen wir Deine Songs im Netz! Vielen Dank, liebe Elly für dieses tolle Interview und die interessanten Einblick in Deinen musikalischen Alltag!

Hier gibt´s mehr von Elly Syring – auf Facebook, Youtube, Instagram und natürlich auf ihrer Homepage.