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Interview mit der Profi-Sportlerin Laura Philipp

Sie ist hübsch, lustig und wahrscheinlich die schnellste Frau von Heidelberg. Die Rede ist von Laura Philipp, der 33-jährigen Profisportlerin, die ihr Talent zum Beruf gemacht hat! Ihre Disziplin: Triathlon, das heißt Schwimmen-Radfahren-Laufen. Allein letztes Jahr gewann sie 14 sogenannte 70.3 Rennen – darunter versteht man die Triathlon-Rennserie und den Markennamen der kommerziellen World Triathlon Corp und Rennstrecke aus 1,9 km Schwimmen, 90 km Radeln und 21,1 km Laufen. Im Oktober 2019 nahm sie sogar am legendären Ironman Hawaii teil, obwohl sie aufgrund einer Verletzung kurz zuvor länger aussetzen musste. Dennoch belegte Laura den vierten Platz! Ganze drei Mal stand das junge Ausnahmetalent bereits auf dem WM Podium – das ist schwer zu toppen.

“Es fing alles in der Schule an. 30 Kilometer mit dem Rad zur Schule, das müsste doch klappen!”

(Laura Philipp)

Dabei ist Laura so etwas wie eine Quereinsteigerin. Sie ist hier eher zufällig gelandet und fing verhältnismäßig spät mit dem Sport an. Aber beginnen wir ganz von vorne. Für DIE HEIDELBERGERIN hat sich die Sportlerin – die sonst einen straffen Trainingsplan verfolgt – ein paar Stunden Zeit genommen. Und von vornherein war mir klar: ich werde nicht nur Einblick in ihr spannendes Leben erhalten, sondern wahrscheinlich selbst gleich so motiviert sein, dass ich vorsichtshalber schon mal in meine Laufschuhe schlüpfe.

Bei Laura fing alles in der Oberstufe an. Die schon seit Kindesbeinen überzeugte Vegetarierin beschäftigte sich zunehmend mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz und hatte eigentlich auch gar keine Lust mehr auf die 30 km, die sie zweimal am Tag mit dem Schulbus zurücklegte. „Das müsste doch auch anders gehen, klimaneutraler? Vielleicht sogar mit dem eigenen Rad?“ dachte sie sich. Wie Du Dir denken kannst, war dies der Startschuss für ihre erste Disziplin. Folglich radelte die Schülerin an allen(!) Werktagen und bei jedem Wetter zur Schule und zurück. Am Ende der Woche kam sie gut auf 300 km und mehr. Klar, gehörte da eine gewisse Zeit an Umstellung und Gewöhnung dazu. Aber „ich bemerkte schnell den positiven Effekt, vor allem im Unterricht.“ Sie konnte sich besser konzentrieren und wurde von Zeit zu Zeit immer fitter.

“Am Ende wollte der Hund nicht mehr.”

(Laura Philipp)

„Wir hatten außerdem einen Hund und meine Aufgabe war es, regelmäßig mit ihm vor die Tür zu gehen. Manchmal war es nervig. Und weil die Zeit nicht schnell genug rumging, beschloss ich, die Strecke einfach zu joggen.“ Anfangs kostete es noch etwas Überwindung, erinnert sich Laura. Der Spaß am Laufen stellte sich erst ein halbes Jahr später ein. „Die Strecke wurde immer länger, das Tempo höher. Am Ende war es der Hund, der nicht mehr wollte.“ Die Leidenschaft für´s Laufen war geweckt (2. Disziplin).

“Wozu wir wirklich in der Lage sind, das bestimmt allein unser Kopf. Wir limitieren uns oft selbst, ohne es zu wissen.”

(Laura Philipp)

Im Sommer schließlich vor 11 Jahren (2010), besuchte Laura die jährliche Veranstaltung „HeidelbergMan“ – einer der härtesten deutschen Triathlon – um eine Freundin anzufeuern. Irgendwie sah das hier alles nach richtig viel Spaß aus, dachte sie und überlegte sich, nächstes Jahr vielleicht mitzumachen. Laufen und Radeln kriegt sie sicherlich hin. Und im Neckar flussabwärts schwimmen, dürfte auch funktionieren. Bis zum nächsten Mal, hat sie ja auch noch etwas Zeit zum Üben!

„Ich besuchte das örtliche Schwimmbad und lernte zunächst die Technik. Doch jedes Mal, nach 25 Metern legte ich eine Pause ein und fragte mich irgendwann, warum eigentlich? Warum schwimme ich nicht einfach durch und schaue, wie weit ich komme.“ Aus 25 wurden schließlich 500 Meter: „Es war eine tolle Erfahrung. Ich entdeckte neue Seiten an mir und bereitete mich so indirekt auf die dritte Disziplin vor!“ Es war wie ein Weckruf, erinnert sich Laura, die inzwischen als Physiotherapeutin arbeitete. „Wozu wir tatsächlich in der Lage sind, das bestimmt unser Kopf. Meistens limitieren wir uns selbst. Umso erstaunlicher ist es, wie weit wir über unsere Grenzen hinausgehen kommen, wenn wir unsere Komfortzone verlassen. Ich bin mir sicher, es ist nie zu spät, mit etwas Neuem zu beginnen. Wir sind oft zu mehr fähig, als wir denken.“

“Ich nehme nie an einem Rennen teil, wenn ich nicht auch vorhabe, zu gewinnen!”

(Laura Philipp)

Gesagt, getan: genau ein Jahr später im Juli 2011 startet Laura beim HeidelbergMan mit der Startnummer 2014 und belegt am Ende Platz 2 – sensationell. Sie hat ihren Sport gefunden, „ich hatte richtig Spaß am Wettkampf, das war absolut neu für mich“.

Vieles läuft nun parallel. Sie wird Mitglied in einem Verein, knüpft Kontakte, trainiert ein Jahr darauf in einem Profiteam und nimmt an weiteren Wettkämpfen teil – natürlich immer mit großem Erfolg. „Ich mache nie ein Rennen, wenn ich nicht auch vorhabe, zu gewinnen.“ Eine interessante Einstellung. Laura weiß genau, wofür sie startet, sie macht keine halben Sachen.

„Ich kann meine Leistung inzwischen gut einschätzen. Auch mental bin ich sehr stabil.“ Das ist ein wichtiger Punkt: man darf nicht vergessen, dass Triathlon eine sehr individuelle Sportart ist, bei der man stundenlang mit sich selbst und seinen Gedanken alleine ist. Das muss man aushalten können – während des Trainings aber auch bei den Wettkämpfen, die teilweise 10 Stunden lang dauern. „Jeder hat mal ein Tief. Dann ist es wichtig, die Gedanken positiv zu formulieren. Anstatt ans Aufgeben zu denken, lenke ich den Fokus auf das, was gut läuft. Ich mache mir immer meine Ziele bewusst. Warum tue ich das. Warum bin ich hier. Die Antwort darauf, löst alle Zweifel in Luft auf.“

“Keine Diäten, keine strikten Pläne. Ich ernähre mich rein intuitiv und vegetarisch!”

(Laura Philipp)

Laura schätzt es sehr, sich auf diese Weise so intensiv mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Schließlich hat sie einen gesundheitsberuflichen Background, kennt spezielle Übungen und weiß wie Fitness funktioniert. Das hört man auch raus, wenn sie über ihre Ernährung spricht. Sie verfolgt keine strikten Diäten, die ihr genau sagen, was sie wann, wovon und in welcher Menge zu sich nehmen soll! Im Gegenteil. Sie ernährt sich intuitiv und erlaubt sich auch mal ein Stück Schokolade, weil sie weiß, dass sie das auch wieder ausgleichen kann. Sie achtet dennoch auf Bio-Qualität, kauft möglichst verpackungsfrei und verzichtet auf tierische Produkte. Den Eiweißbedarf deckt Laura prima über Hülsenfrüchte, Sojaprodukte und Lupine ab – ihr aktueller Favorit. Immer wieder postet die Heidelbergerin Rezeptideen über ihre Social-Media-Kanäle, auch weil die Nachfrage hier besonders groß ist. Kein Wunder: schaut man sich ihren Body an, wird man den Sixpack kaum übersehen.

Inzwischen kann Laura vom Sport leben. Sie hat starke Partner und großartige Sponsoren an ihrer Seite, sodass sie sich vollkommen auf ihre Sportkarriere konzentrieren kann. Hier ein kleiner Einblick:

Das optimale Training ist bei der Profisportlerin nicht nur bestimmt von gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf, Krafttraining und genügend Regenerationspausen – sondern auch vom weiblichen Zyklus, der sich auf die sportliche Leistung auswirken kann. Sie achtet genau darauf und stimmt das Training und die Ernährung entsprechend ab.

“Es gibt keinen Tag, an dem ich nichts für meine Fitness und Beweglichkeit tue”

(Laura Philipp)

Lauras Tag startet meist früh um 7:00 Uhr. Insgesamt verteilt sie drei bis vier Trainingseinheiten über den Tag – also Laufen, Radfahren, Schwimmen, manchmal Krafttraining, Yoga und immer wieder Pausen, um sich ausreichend zu regenerieren. Mit „Körperpflege“ oder „Nachsorge“ meint sie physiotherapeutische Maßnahmen, wie Massagen oder Dehnübungen, die sie immer wieder einbaut. Sich am Nachmittag aufs Ohr legen, das kann sie aber nicht. „Es gelingt mir einfach nicht. Ich wäre gerädert oder müsste komplett durchschlafen, würde ich mich nachmittags hinlegen“. Dennoch legt sie sehr viel Wert auf ausreichend Regeneration. Um spätestens 18:00 beendet sie das Training. „Der Schlaf vor Mitternacht ist enorm wichtig“, betont die Triathletin. Und es gibt keinen Tag – außer sie ist verletzt oder krank – an dem sie nicht etwas für die Fitness oder Beweglichkeit tut.

„Und Heidelberg ist die perfekte Ausgangslage für das Training“, verrät Laura: „Man kann beispielsweise hoch zum Königsstuhl (570m Höhe) laufen oder tief in den Odenwald radeln. Das Neckartal bietet einfach die perfekte Landschaft, um sich sportlich zu verausgaben. Die Strecken sind abwechslungsreich und wunderschön.“ Und spielt das Wetter mal nicht mit, weicht die Sportlerin einfach aufs Laufband oder Spinning aus, die bei ihr im Keller stehen.

“KICKASS SPORTS ist unser neues hochprofessionelles Trainingskonzept, dass Sportler*innen auf ihrem Weg praktisch und wissenschaftlich fundiert begleitet.”

(Laura Philipp)

Zusammen mit ihrem Mann Philipp Seipp, einer der bekanntesten Triathlon Coaches (unter anderem trainiert er den Weltmeister Sebastian Kienle), gründeten sie KickAss Sports – eine neue, hochprofessionelle Trainingsplattform, die Sportler*innen auf ihrem Weg praktisch und wissenschaftlich fundiert begleitet. Bei Interesse einfach anmelden und sich von Laura und Team coachen lassen.

Nun haben wir viel, aber bestimmt noch nicht genug von Laura Philipp erfahren. Gerne kannst Du auf den folgenden Seiten mehr über die Profisportlerin lesen oder ihr einfach bei Instagram folgen. Ihre Sporttasche ist jedenfalls schon fertig gepackt für das nächste Training. Und ich habe noch nie so eine große Lauflust verspürt, wie jetzt. Vielen Dank, liebe Laura für dieses inspirierende Gespräch!

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