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Interview mit der Modedesignerin Hannah

“Textile Gestaltung mit Weitblick” ist das Motto der jungen Mode-Designerin Hannah Krummlauf aus Heidelberg, die ihr Studio – nach Berufsstationen in Wien und Würzburg – in der Heidelberger Weststadt hat. Sie arbeitet mit viel Hingabe, mit Liebe zum Detail und jede Menge toller Ideen, was man beispielsweise bei Instagram sehen kann. Wie so ein Weg zur Designerin aussieht, wie sie ihren Alltag beschreitet und an welchen Projekten sie arbeitet, das erfährst Du im folgenden schönen Interview:

Liebe Hannah. „Modedesign“ – ich glaube, der Traumberuf jeder jungen Person, die sich etwas aus Kleidung macht. Der Job ist kreativ, abwechslungsreich und immer gefragt. Und gleichzeitig heiß begehrt und stark umkämpft. Wie hast Du Deinen Weg bis hierher empfunden? Erzähl mal kurz, wie Du zum Modedesign gekommen bist (Schule, Studium/ Ausbildung)?

Hannah: Mein Ausbildungsweg war ehrlich gesagt ganz klassisch und ohne große Umwege. Nach dem Abitur habe ich in einer Theaterschneiderei ein 6-monatiges Vorpraktikum absolviert, eine der Voraussetzungen an der Hochschule in Pforzheim. Das war meine erste Uni-Wahl. Dort habe ich mich mit einer Mappe beworben, wurde zur Aufnahmeprüfung eingeladen und habe einen Studienplatz bekommen. Einen Plan B hatte ich damals nicht konkret im Kopf. 

Während und nach dem Studium ging mein Weg nicht ganz so geradeaus weiter. Mein Pflichtpraktikum während des Studiums habe ich in Wien bei einer Menswear-Designerin verbracht, ein kleines Unternehmen, bei dem ich Einblicke in alle Bereiche hatte. Diese Praxiserfahrung hat mich so geprägt, dass ich unbedingt während des Studiums noch ein Praktikum machen wollte. Also habe ich vor meinem Abschluss in einem großen Unternehmen 6 Monate als Praktikantin gearbeitet. Mein damaliger Mitbewohner in Würzburg, den ich in Wien im Praktikum kennen gelernt habe, hat während meiner Zeit in Würzburg ein Modelabel gegründet und ich bin direkt als Design-Assistentin eingestiegen.

Mein Abschluss war mir trotz allem wichtig, also habe ich parallel zur Arbeit in Würzburg meinen Bachelor in Pforzheim gemacht und nahtlos an mein Ausbildungsende in Vollzeit als Design-Assistentin gearbeitet.

Nach drei Jahren war es Zeit für eine Veränderung. Ich wollte eine Pause machen und in Ruhe überlegen, wo und wie ich arbeiten möchte. Dann führte eines zum anderen. Ich zog für die Liebe nach Heidelberg, erhielt immer wieder Anfragen für Design-Aufträge und bin nach und nach in die Selbstständigkeit als Freelancer „hineingerutscht“. 

“Den Bereich der Nachhaltigkeit habe ich immer als einen wichtigen Teil der Mode verstanden, aber erst seit ich Mutter geworden bin, ist es eine Selbstverständlichkeit.”

(Hannah Krummlauf)

Ganz klar und eindeutig: Dein Design ist individuell und zeitlos, Deine Kollektion, designorientiert und nachhaltig – was würdest Du sagen, was prägt Deine Arbeit? Worauf achtest Du besonders und was ist Dein USP (Alleinstellungsmerkmal)?

Hannah: Ich arbeite ja größtenteils für Kund*innen als Dienstleisterin. Was mich von vielen anderen Freelance Designer*innen unterscheidet ist definitiv mein Faible für den ganzen Bereich Schnitt und Produktion. Im Herzen bin und bleibe ich Designerin und Gestalterin, aber dennoch fließt in jeden meiner Entwürfe die Überlegung ein, wie es umgesetzt werden kann. Ich mag es schlicht und lege meinen Fokus eher auf ausgeklügelte Details. Weder im Design noch in der Entwicklung möchte ich es unnötig kompliziert machen. Das hilft mir auch im Kontakt mit Kund*innen, da ich alle meine Entwürfe immer auch gut kommunizieren und verkaufen muss. Vereinfachung und Reduktion sind ein großes Thema. 

Den Bereich der Nachhaltigkeit habe ich immer als einen wichtigen Teil der Mode verstanden, aber erst seit ich Mutter geworden bin, ist es eine Selbstverständlichkeit. Die Dringlichkeit mit der die Branche sich neu erfinden muss war mir vorher nicht bewusst. Mittlerweile nehme ich nur noch Aufträge an, die Nachhaltigkeit in mindestens einem Bereich des Labels oder Projektes einschließen und umsetzen. Luft nach oben gibt es immer, aber jeder Schritt zählt. Ignoriert ein Kunde/eine Kundin diesen Aspekt komplett, lehne ich Aufträge ohne Reue ab.

“Egal wann und wie ich einsteige – das Design ist und bleibt mein Steckenpferd und hat für mich oberste Priorität.”

(Hannah Krummlauf)

Und für wen genau machst Du die Mode? Wie kann man sich Deine Kundschaft vorstellen? Wann (aus welchem Grund) und wie nimmt man Kontakt zu Dir auf?

Hannah: In erster Linie arbeite ich für Firmenkund*innen. Das können Start-Ups sein, ebenso aber etablierte Labels und Unternehmen, die mit externen Designer*innen arbeiten. Der Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit ist unterschiedlich. In der Regel kommen Kund*innen mit einer Idee zu mir, die ich dann in konkrete Textilien „übersetze“. Ich entwerfe und entwickle in engem Austausch mit den Kund*innen. Danach geht es an die Umsetzung, also die Auswahl und Beschaffung der Materialien und aller Zutaten, die Schnittgestaltung, später dann die Suche nach einer geeigneten Produktionsstätte. Man kann mich an einzelnen Stellen beauftragen oder ich begleite den ganzen Weg. Egal wann und wie ich einsteige – das Design ist und bleibt mein Steckenpferd und hat für mich oberste Priorität. Anfragen erhalte ich in der Regel per Mail, darauf folgt ein erster kurzes Telefonat um sich kennen zu lernen und wenn alles passt und auch das Zwischenmenschliche stimmt geht es an die Arbeit.

Liebe Hannah, ehrlich – das macht Spaß, Deinen Instagram-Account zu durchstöbern und die schönen, dezenten, aber außergewöhnlichen Stücke zu betrachten. Du zeigst darin auch, wie Dein typischer Alltag aussieht, beispielsweise Foto-Shootings mit Models, Näharbeiten, Skizzen oder Events, an denen Du teilnimmst. Ist das so, kann man sich Deinen Alltag als Modedesignerin so in etwa vorstellen? Oder, was gehört noch so alles dazu? 

Hannah: Einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht – eher typische Phasen. Da ich immer verschiedene Aufträge parallel bearbeite überschneiden sich diese Phasen auch oft und gerne. Mal arbeite ich wochenlang nur am PC und entwickle Designs digital, dann gibt es Phasen in denen ich an der Nähmaschine viel ausprobiere, Schnitte und Details teste. Immer wieder habe ich Meetings und Fittings mit Kunden, bin beim Shooting dabei.

Außerdem unterrichte ich als freie Dozentin an einer Modeschule und an der vhs und gebe Workshops. Das benötigt auch immer eine entsprechende Vorbereitung. Events und Messen habe ich immer sehr genossen, vor allem wegen dem Austausch mit Kollegen. Im Moment ist das nur schwer möglich und ich freue mich schon sehr auf die Zeit, wenn man sich wieder live begeben kann. 

Zu guter Letzt gehört aber auch viel Bürokratie und Organisation zu meinem Job. Buchhaltung, Steuererklärung, Versicherungen, Werbung, Kundenaquise, Homepage aktualisieren, Angebote und Rechnungen schreiben und vieles mehr… – es gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, ist aber essenziell und nimmt jede Woche mehrere Stunden meiner Zeit in Anspruch. Wenn dann noch Zeit bleibt, genieße ich es auch mal wieder eigene Projekte zu verfolgen und kleine Einzelstücke und Kollektionen zu entwickeln.

Im Frühjahr und Sommer dieses Jahres bist Du wieder als Dozentin an der VHS dabei und (toi, toi, toi – dass es klappt und nicht Corona-bedingt abgeblasen wird) Du zeigst den Teilnehmer*innen, wie man Modezeichnungen und Schnitte für Röcke anfertigt. Außerdem gibst Du einen Mini-Nähkurs. Wer kann an diesem Kurs teilnehmen (was sind die Voraussetzungen)? 

Hannah: Seit ein paar Jahren gebe ich regelmäßig meine Kurse an der vhs. Im letzten Jahr sind leider fast alle Termine aufgrund von Corona ausgefallen. Ich hoffe sehr, dass es dieses Jahr wieder möglich sein wird. Meine Zeichen- und Nähkurse sind für jeden geeignet, ob Anfänger*innen oder Fortgeschrittene. Die Schnittkurse richten sich eher an geübte Näher*innen, die nun einen Schritt weiter gehen möchten und eigene Ideen in Schnitte umsetzen wollen.

Selbstnähen liegt ja generell wieder voll im Trend – es ist umweltfreundlicher und damit besser, als ständig neukaufen. Aber was tun, wenn man so wie ich, zwei linke Hände hat? Habe ich da noch eine Chance, etwas besseres, als einen Kartoffelsack hinzubekommen?

Hannah: Jeder kann Nähen lernen! Eine gewisse Fertigkeit ist sicher von Vorteil, entscheidet am Ende aber nur darüber, wie schnell man besser wird. Das gilt im Übrigen auch fürs Zeichnen. Durch Übung und Erfahrung wird jeder besser. Es gibt super viele und schöne Nähprojekte für Anfänger*innen. Erstmal muss man die Angst und Unsicherheit vor der Maschine abbauen. Und sich von dem Gedanken verabschieden, dass selbstnähen schneller und günstiger ist. Aber wie du selbst schreibst, es ist definitiv umweltfreundlicher als ständig neu zu kaufen. Und es schafft ein ganz neues Bewusstsein und eine Wertschätzung gegenüber Textilien, auch den gekauften. Für JEDES Kleidungsstück saß ein Mensch hinter der Maschine. Die wenigsten Nähte können mit Vollautomaten genäht werden. Alleine für dieses Verständnis lohnt es sich, es selbst auszuprobieren.

Wo kriegt man hier in Heidelberg denn überhaupt gute Materialien(Stoffe) zum Nähen? Und wie viel sollte eine Nähmaschine mindestens kosten, damit sie was taugt? Hast Du hier ein paar Tipps? 

Hannah: Stoffe und Materialien zu bekommen ist oft gar nicht so leicht. Wenn es etwas ausgefalleneres sein darf, gehe ich sehr gerne zu Stoffe Lott in der Weststadt. Dort gibt es sowohl die Basics, als auch außergewöhnliche Stoffe von Designern. Und seine Zutaten regional zu beziehen, kommt natürlich auch der Öko-Bilanz zugute. Wenn man Stoffe online bestellt, sollte man unbedingt auf Bio-Qualität und nachhaltige Materialien achten. Sonst ist der ganze Aspekt der Umweltfreundlichkeit schnell wieder dahin.

Bei Maschinen gibt es große Unterschiede und die Qualität ist nicht immer am Preis festzumachen. Grundsätzlich würde ich Nähmaschinen eher von „Spezialist*innen“ kaufen – also Firmen, die darauf spezialisiert sind. Außerdem gibt es viele gebrauchte Nähmaschinen auf dem Markt. Sowohl von privaten Anbietern, z.B. über Ebay-Kleinanzeigen, aber auch beim Händler. Dort werden die Maschinen geprüft, bei Bedarf generalüberholt und mit Garantie weiter verkauft. Hier kann man gute Schnäppchen machen und spart ein weiteres Mal Ressourcen.

Ja, das sind coole Tipps! Vielen Dank für das tolle Gespräch und die Einblicke in Deinen interessanten Alltag als Mode-Designern. Ich bin mir sicher, 2021 ist Selbstnähen angesagt! Und da bist Du uns eine große Inspiration.

Willst Du mehr über Hannah Krummlauf erfahren? Hier geht´s zu Ihrer Homepage und hier zum Instagram-Account.