Interviews,  Über Heidelberg

Interview mit der Autorin Katja Edelmann

Du kennst doch sicherlich diesen neuen Reiseführer mit dem Titel „Glücksorte“, den es jetzt überall zu kaufen gibt. Schon mal bemerkt? Inzwischen sind 97 Glücksorte im Droste Verlag erschienen – ich habe gegoogelt J „Fahr hin und werde glücklich“ heißt der Untertitel, ein Versprechen, ja, fast schon eine Aufforderung!

Selbstverständlich gibt es auch die „Glücksorte in Heidelberg“. Wie sollte es auch anders sein?! Heidelberg ist der Glücksort schlechthin. Das bestätigt mir schließlich auch die Autorin dieses Reiseführers, Katja Edelmann. Denn, genauso wie ich und die meisten Heidelberger*innen, die ich kenne, ist Katja gar nicht von hier. So lässt sich natürlich noch einmal ein ganz anderer Blick auf die Stadt werfen. Und Katja, wie sich schnell herausstellen wird, hat einen ganz besonderen Blick auf die Stadt geworfen.

Glücksorte in Heidelberg • Fahr hin und werd glücklich • von Katja Edelmann • im DROSTE Verlag

Erfahre im folgenden Gespräch, wie es zum Reiseführer kam, wie die gebürtige Zwickauerin, Weltenbummlerin und heute in der Pfalz lebende Redakteurin für die Recherchen des Buches vorgegangen ist und was ihr ganz persönlicher Glücksort in Heidelberg ist. Lerne mit uns gemeinsam die Frau hinter den Glücksorten kennen:

Liebe Katja, schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast und uns die Heidelberger Glücksorte vorstellst. Es gibt ja inzwischen zahlreiche Reiseführer über Heidelberg. Wieso also noch eins und wie unterscheidet sich dieses Buch von anderen?

Katja: Die Idee für die Glücksorte ist eine ganz schöne! Denn die klassischen Reiseführer beginnen meist zunächst mit der Historie der Stadt. Dann arbeiten sie sich langsam in die Gegenwart vor, stellen die Highlights/ Sehenswürdigkeiten der Stadt heraus und geben noch einmal nette Tipps für günstige Unterkünfte, nette Cafés oder Events, die man besuchen kann. Für die Glückorte in Heidelberg bin ich ganz anders vorgegangen: ich bin „unvoreingenommen“ nach Heidelberg gekommen und habe die Menschen, die hier arbeiten, aber auch viele Leute auf der Straße gefragt, was ihnen in dieser Stadt persönlich am besten gefällt, wo sie am glücklichsten sind. Dann bin ich dorthin gefahren und habe mir ein Bild vor Ort gemacht. Natürlich sollte es mir auch immer gefallen und eine Empfehlung für Alt- und Neu-Heidelberger*innen sein.

Du bist also keine Heidelbergerin. Wo kommst Du denn ursprünglich her?

Katja: Ich kenne Heidelberg als Touristin. Ich war zum ersten Mal vor etwa 20 Jahren hier. Ich muss aber zugeben, dass sich das Bild stark gewandelt hat. Früher lag der Fokus definitiv auf der„Romantik“. Heute nehme ich ein sehr innovatives, junges, digitales und nachhaltiges Heidelberg wahr. Die Stadt ist klein und übersichtlich und dennoch wirkt sie sehr dynamisch, sowohl technologisch als auch wissenschaftlich weit fortgeschritten und gut vernetzt.

Gebürtig bin ich aus Zwickau. Aufgrund meiner Ausbildung (Fremdsprachenkorrespondentin) und meines Studiums (diplomierte Kommunikationswirtin) bin ich viel in der Welt rumgekommen. Ich habe in Skandinavien, in Spanien und Brasilien gelebt. Gearbeitet habe ich außerdem im Rheinland, Berlin, Niedersachsen und heute in der Pfalz. Ich wollte schon immer dort arbeiten, wo andere Urlaub machen und ich muss sagen, dass ich dies tatsächlich hier unten in der Rhein-Neckar-Region gefunden habe.

Heute arbeitest Du hauptsächlich als freie Journalistin und Redakteurin im Bereich Bildung und Soziales. Wie bist Du denn zur Reiseliteratur gekommen?

Katja: (lacht) Ja, das ist eigentlich ein lustiger Zufall. Als es sicher war, dass ich Niedersachsen verlassen und aus beruflichen Gründen in die Pfalz ziehen werde, habe ich mich natürlich privat viel mit der Region beschäftigt. Ich habe mir allerlei Reiseführer besorgt und nach dem Umzug die Umgebung erkundet. Das ist jetzt sieben Jahre her und ich bin immer noch total fasziniert von der „deutschen Toskana“: das schöne Wetter, die offenen Menschen, die Kulinarik, die Gemütlichkeit, die herzliche Gastfreundschaft. All das trägt dazu bei, dass ich mich hier zuhause fühle und eine Art „Glücksort“ für mich und meine Familie gefunden habe.

Das eine führte schließlich zum anderen. Ich entdeckte die neue Reiseführer-Reihe „Glücksorte“ und stellte fest, dass die Pfalz noch fehlte. Ich habe beim Verlag angerufen, war aber leider etwas zu spät dran. Die Verlagsredaktion hatte bereits eine andere Autorin dafür vorgesehen und bot mir stattdessen „Heidelberg“ als Destination an. Schließlich liegt Speyer – da, wo ich wohne – nur einen Katzensprung entfernt und aus der Perspektive der „Nachbarin“ ließen sich Heidelbergs Glücksorte sicherlich gut betrachten und beschreiben. Natürlich hab ich zugesagt! Die „Glücksorte in der Pfalz“ folgten kurioserweise direkt nach der Heidelberg-Recherche. Es gab eine verlagsinterne Planänderung und so hatte ich gleich zwei Reiseführer nacheinander im Auftrag.

Reiseführer schreiben als Beruf  – das hört sich ja fast nach „Urlaub mit´nem Laptop unterm Arm” an. Oder doch nicht?

Katja: Das war schon harte Arbeit und nahm viel Zeit für die Recherche vor Ort in Anspruch. Mir war es wichtig, die Ergebnisse meiner Recherchen nicht aus dem Internet oder anderer Literatur zu beziehen. Die insgesamt 80 Tipps im Buch sollten authentisch und bildhaft beschrieben sein.

Bei der Auswahl bin ich, wie als Journalistin üblich, „investigativ“ vorgegangen. Ich habe die Stadt über mehrere Monate fast täglich besucht, mich mit Leuten unterhalten, von ihnen inspirieren lassen und ihre Glücksorte immer persönlich besucht. Manchmal musste ich früh aufbrechen, um etwa den Kulturmarkt „Willi“ in der Weststadt nicht zu verpassen, oder hoch hinaus, um die Himmelsleiter auf dem Königsstuhl zu erklimmen. Ich habe mich in der „Unteren“ in der Keramikwerkstatt oder in der Kneipe verquatscht, habe eine Weinwanderung in Rohrbach unternommen und Kiwis in den Handschuhsheimer Höfen bestaunt. Das klingt nach dem purem Vergnügen. War es in dem Moment auch, ein toller Job! Dennoch folgt die anschließende Textarbeit bis tief in die Nacht. Schließlich gab es eine Deadline (Abgabetermin) und ich hatte einen strikten Plan vor mir. Im Großen und Ganzen habe ich die intensive Zeit sehr genossen.

Und was ist Dein persönlicher Glücksort?

Katja: Besonders fasziniert hat mich, ganz klar, der Heidelberger Zuckerladen. Das ist immer wieder ein Eintauchen in eine fremde, zauberhafte Welt. In diesem von außen total unscheinbaren oder sogar bizarr wirkenden Laden in der Plöck – im Schaufenster sitzt eine uralte Schaufensterpuppe auf einem Zahnarzt-Stuhl(!) – gelten die Regeln der Langsamkeit. Im Ladeninneren steht die Zeit still. Man kann sich in Ruhe umzuschauen und all die schönen, bunten und leckeren Dinge entdecken. Es sind aber nicht nur die Süßigkeiten. Es ist das Gesamtpaket: die Besitzer Marion und Jürgen, das internationale Publikum (welches extra anreist, um einmal hier gewesen zu sein), die ulkige Dekoration und die Plakate, der Duft, einfach alles hier ist faszinierend! Ich bestelle jetzt öfters online, denn es gibt auch Zuckerladen-Exporte.

Ein anderer wunderschöner Ort, in den ich mich sofort verliebt habe, sind die sogenannten NeckarOrte, eine Aufwertung des gesamten Neckarufers unter dem offiziellen Motto „Stadt an den Fluss“. Und in der Tat, wenn das Wetter mitspielt, man die nackten Füße im Wasser baumeln lässt und dazu ein kühles Bier genießt, dann fühlt man sich wie am Mittelmeer.

Mir gefällt auch der Markt in der Weststadt, aber auch der Stadtwald … ach, es sind so viele Glücksorte hier in Heidelberg!

Vielen Dank für Deine persönlichen Empfehlungen! Das Buch beinhaltet 80 Orte und Plätze, die Du, liebe Katja, in Heidelberg ausfindig gemacht hast. Ich bin mir sicher, den ein oder anderen Tipp kennen wir noch nicht.

Das ist auch das Tolle, was mir sofort an der Reihe „Glücksorte“ gefallen hat! Es handelt sich nicht um einen klassischen Reiseführer (für Auswärtige!) mit typischen touristischen Zielen, sondern eigentlich um Impulse, für eine (Neu-)Entdeckung seines eigenen Wohnortes. Und man liest es heraus: Du bist sehr aufmerksam und aufgeschlossen durch die Straßen Heidelbergs gelaufen, mit neugierigen Augen und offenen Ohren. Es ist für jeden etwas dabei und hält definitiv mehrere Glücksmomente bereit.

Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf die Alpaka-Farm in Ziegelhausen und auf die Tapas im Kleinen Spanier. Vielen Dank für vielen tollen Glücksorte!

Willst Du mehr über das Buch erfahren? Dann schau Mal hier vorbei. Und wer Lust hat, kann sein Wissen über Heidelberg mit diesem neuen Spiel (im Grupello Verlag) aufpeppeln.