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How to… eine Wohnung finden

Wer in Heidelberg an eine Wohnung kommt, kann von Glück reden! Egal, wie klein sie am Ende ist, man ist mega glücklich, endlich in die eigenen vier Wände zu ziehen! Denn dies ist in Heidelberg gar nicht so einfach. Der Wohnungsmarkt ist und bleibt angespannt, trotz Ausweitung durch neue Stadtteile (Bahnstadt) hinter dem Bahnhof oder Neuerschließung alter US-amerikanischer Siedlungen (Mark-Twain-Village oder Patrick-Henry-Village) im Süden der Stadt.

Ein Blick in WG-gesucht.de (Wohnungsbörse für Studies) oder Immobilienscout.de verdeutlicht die angespannte Lage: unter 500 Euro wird man hier keine Mietwohnung finden und wenn, dann liegt sie irgendwo “idyllisch” und “in der Natur”… also irgendwo ab vom Schuss! Oft teilt man sich deshalb eine Mehrzimmerwohnung mit anderen Leuten oder nutzt die Möglichkeit zur Zwischenmiete, um sich in Ruhe umgucken zu können. Die wenigsten werden in Besitz einer eigenen Wohnung sein. Für viele lohnt sich das nicht, wenn die Stadt ehe als Zwischenstation (zum Beispiel für´s Studium oder berufliche Erfahrungen sammeln) gesehen wird und nicht gerade Oma und Opa hier wohnen und einem das Haus inklusive Grundstück vererben möchten. Generell ist es für Hinzugezogene in Heidelberg schwierig, eine eigene Immobilie zu erwerben. Kleiner Vorgeschmack: aktuell kostet eine 1-Zimmer-Wohnung (bei 35-50 qm) etwa 170.000 – 220.000 Euro. Dafür kann man in Sachsen-Anhalt ein Mehrfamilienhaus mit einer Grundstücksfläche von 2.000qm bekommen. Du siehst, da liegen Welten dazwischen!

Zusammenwohnen – für viele ist eine Wohngemeinschaft gar nicht so verkehrt. Man lernt die interessantesten Menschen kennen und man muss keinen Abend mehr allein verbringen, vorausgesetzt, man versteht sich auch. Wer ein Zimmer im Studentenwohnheim ergattern kann oder in einer Genossenschaft Mitglied wird, kann sich viel Geld sparen. Hier ist es wichtig, seinen Namen rechtzeitig auf Wartelisten zu setzen und es gehört immer eine Portion Glück dazu, “ausgewählt” zu werden. Manchmal muss man die richtigen Personen kennen – das sagt man zumindest über Wohnungen in der Altstadt … Kennst Du jemanden, der jemanden kennt, der in der Altstadt wohnt und bald ausziehen will? So oder so ähnlich läuft´s.

Selbstinitiative – Man kann natürlich auch selbst inserieren (viele Vermieter*innen haben nämlich gar keine Lust, hunderte von Menschen durch die Wohnung zu führen). Die besten Kriterien sind:

  • Single (oder kinderloses Paar)
  • Akademiker*in
  • Vollzeit berufstätig (bestenfalls länger als 3 Monate beschäftigt und mit vorzeigbaren Gehalt und angestellt in einer angesehenen Institution wie Uni, Klinik, Verlag, Stadtverwaltung, SAP, Kanzlei etc.)
  • keine Haustiere
  • Nichtraucher*in
  • bestenfalls kaum zuhause, beruflich oft unterwegs
  • und ruhige Person

Bei WGs sind die Kriterien natürlich etwas umgekehrt. Hier werden oft gesellige, lustige und ordentliche Menschen gesucht. Jemand, der zuhören und gleichzeitig anpacken kann. Eine Person, die es nicht stört, dass sich die Dusche in der Küche befindet oder, dass im eigenen Bett auch mal der Besuch übernachtet (die Bettwäsche wird natürlich neu bezogen). Bevorzugt werden Mitbewohner*innen, mit denen man Sonntagabend Spagetti kochen und anschließend gemeinsam Tatort gucken kann. Toll wäre auch ein internationaler Background (so kann man seine Englisch- oder Französischkenntnisse auffrischen oder gemeinsame Reisen unternehmen) und wenn man Gitarre spielen kann, kriegen die WG-Hauptmieter*innen große Augen, allein bei der Vorstellung von gemütlichen Weinabenden mit Spanish-Guitar-Hintergrund-Akustik. Du kannst Reifen flicken, undichte Röhre reparieren und Lampen auswechseln? Kennst Dich mit Steuererklärung und Paragraphen aus? Dann kannst Du den Mietvertrag eigentlich gleich unterschreiben. Es sei denn, Du bist ein Nerd. Mitbewohner*innen, die den ganzen Tag (oder am besten die ganze Nacht) vor dem PC sitzen und nervös werden bei direktem Blickkontakt werden vielleicht doch ihre Schwierigkeiten haben.

In der Realität muss der oder die neue Mieter*in bestehende Möbel zu oft überteuerten Preisen abkaufen und man kriegt meistens das kleinste und dunkelste Zimmer am Ende des Flurs. Meistens kann man das Kellerabteil oder Dachgeschoss gar nicht (mit)nutzen. Es ist untersagt, sein Fahrrad in den Flur oder Innenhof zu stellen (“auf der Straße gibt es doch genügend Bäume und Laternen, an denen man das Rad anschließen kann”, heißt es oft so schön) und am besten man besitzt erst gar kein PKW. Heidelberg und Parkplätze – das verträgt sich nicht. Manchmal kann man aber einen Stellplatz in der angrenzenden Tiefgarage für 50 bis 80 Euro im Monat dazumieten, auch wenn man gar kein Auto besitzt, ist dies meist unabdingbarer Bestandteil des Mietvertrags.

Reden wir gar nicht erst vom Keller- oder Dachgeschossabteil – diese werden vom Vermieter bereits sinnvoll untervermietet. Schließlich muss man in Heidelberg jedes Quadratmeter zu Geld machen. Warum braucht man überhaupt Stauraum?!?

Apropos Platz. Die eigene Waschmaschine hat in den Heidelberger Wohnung oft keinen. Sie passt weder in das schmale Badezimmer, noch wird sie ihren Platz in der Küche, neben Backofen und Kühlschrank finden. Man muss eben Prioritäten setzen! Manche stellen ihren Kühlschrank direkt ins Zimmer oder verzichten auf einen Backofen. Viele Wohnungsparteien teilen sich aber auch eine Waschmaschine im Keller (die selbstverständlich oft verschmutzt und immer wieder defekt ist) – das gehört unbedingt zum Heidelberger Allstadtleben dazu! Das muss man miterleben.

Zum Glück gibts Ausweichmöglichkeiten: Hier, hier oder hier gibt´s nette Waschsalons. Oder man kennt wieder jemanden, wo man ab und zu seinen Wäschesack hinbringen darf. Dafür gibts von Dir eine frischgebackene Pizza oder tiefgekühltes Bier. Man hilft sich eben, wo man kann.

Ob mit oder ohne Waschtrommel – das Suchen nach einer Bleibe lohnt sich, der Stress auch! in der Regel findet man innerhalb weniger Monate eine kleine, gemütliche Wohnung, in der man sich Zuhause fühlt und ganz individuell einrichten kann! Heidelberg ist zum Glück ein toller Ort, den man schnell ins Herz schließt oder eben eine Stadt, in der man eben gerne Mal gelebt haben will.

Man kann es auch so sehen: wir haben in Heidelberg das Glück, dass hier dank zahlreicher Studies ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Das kommt vielen Wohnungssuchenden zugute! Und wenn alle Stricke reißen, hat man immer noch die Möglichkeit, ins 30 Kilometer entfernte Mannheim auszuweichen und von hieraus den Wohnungsmarkt zu beobachten. Auch sind die umliegenden Dörfer wie Eppelheim, Dossenheim, Schriesheim, Leimen, Schwetzingen, Plankstadt, Edingen oder auch Neckargemünd eine tolle Alternative – die sich oft sogar als neues Zuhause entpuppen.

Viele Rentner*innen haben ihre Immobilien inzwischen so umgebaut, dass sie eine separate kleine Wohnung im Haus anbieten können. Und wenn man dann schon ein paar Bekanntschaften in Heidelberg gemacht hat und sich etwas umhört, kennt immer irgend jemand jemanden, der gerade aus einer Wohnung auszieht. Die Menschen sind hier unglaublich hilfsbereit – weil jeder, der einmal her kam, vor demselben Problem stand. Einfach umhören!

Eine ruhige, nicht all zu teure, dafür aber helle und trockene Wohnung, mit Blick ins Grüne (oder in den Himmel), bestenfalls mit einem Balkon, netten Nachbarn, guter Anbindung zum Öffentlichen Nahverkehr oder gleich in zentraler Lage (zum Beispiel Altstadt, Weststadt, Bergheim oder Neuenheim) klingt nach einem Sechser im Lotto, ist aber gar nicht so weit weg. Manchmal muss man seine Prioritäten anders setzen und einfach flexibel sein. Hier ein paar Beispiele, wie und wo man in Heidelberg wohnen kann:

Studentenpärchen, Anfang 20 und neu in Heidelberg:

“Wir sind zum Studieren aus dem Osten Deutschlands zunächst nach Mannheim (Sandhofen) gezogen und nahmen zu Beginn 1,5 Stunden Fahrtzeit pro Strecke in Kauf. Der Tag war natürlich extrem lang und die ein und andere Vorlesung haben wir bewusst gestrichen (und im zweiten Semester nachgeholt). Bei der Wohnungsbesichtigung hatten wir einfach nicht die Zeit, uns mehrere Exemplare anzuschauen. Wir nahmen das erstbeste Angebot und konnten dann vor Ort in Ruhe gucken. Umso mehr haben wir uns gefreut, als wir nur 5 Monate später ein Platz im Studentenwohnheim bekamen und direkt in der Plöck in eine 2-Zimmer-Wohnung einziehen konnten. Die Wohnung war der Hammer, wenn auch dunkel und hellhörig. Aber das gehört einfach zum Student*in-Sein dazu. Umso lustiger waren die Wochenenden. Auch haben wir “Dienste” in der Hausgemeinschaft übernommen, zum Beispiel Waschmaschinenraum sauber machen, Eingang fegen, als Ansprechpartner*in für ausländische Studierende zur Verfügung stehen usw.”

Junges Pärchen, in der Gatronomie tätig:

“Ich arbeitete anfangs in einem Café am Marktplatz als Bedienung und mein Freund als Koch in einem gehobenen Restaurant. Wir fanden zunächst nur eine 1-Zimmer-Wohnung. Die lag aber direkt in der Altstadt am Marktplatz, so dicht an unseren beiden Arbeitsplätzen, dass wir nur 5 Minuten zu Fuß zur Arbeit brauchten. Deshalb hat uns die Größe der Wohnung auch nichts ausgemacht. Unsere Wäsche trockneten wir in der Badewanne und das Bett konnten wir tagsüber zu einer Couch zusammenklappen. Wir mussten etwas kreativer mit dem Raum umgehen. So fanden Bücher und Handtücher ihren Platz im Küchenregal und im Sommer verlegten wir unsere “Terrasse” einfach auf die Straße: auf den Stufen unseres Hauseingangs tranken wir unseren Weißwein, trafen Freunde und lasen Bücher. Nachbarn stellten sogar ihre komplette Esszimmer-Garnitur fürs Abendessen vor die Tür. Der ein und andere sogar sein Sofa. Nie werden wir den WM-Sommer 2006 vergessen – dieser wurde selbstverständlich auf den Strassen miteinander zelebriert. Unsere Nachbarn stellten ihr TV-Gerät ins Fenster und jeder kam mit Hocker und Bratwurst vorbei.”

Beruflich hinzugezogene junge Frau, Anfang 30:

“Als ich berufsbedingt nach Heidelberg zog, war ich wirklich froh darüber, dass es bereits die Bahnstadt mit ihren vollmöbilierten 1-Zimmer-Wohnungen im Langen Anger gab. So konnte ich sofort einziehen und direkt mit der Arbeit loslegen – ohne den ganzen Umzugs- und Renovierungsstress. Die Wohnung war nur 20qm groß und kostete mich etwa 550€ warm. Es gab einen Waschraum, einen Fitnessraum und sogar eine Bäckerei direkt im Haus. Hier konnte ich in Ruhe meinen Kaffee trinken und an meinen Texten arbeiten, wenn mir die Decke auf den Kopf fiel. Die Wohnung lag nur 3 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und ich konnte die gute Infrastruktur super nutzen. Als Frau genoss ich vor allem die Sicherheit, die der Stadtteil ausstrahlt. Ich ging auch manchmal noch um 21:00 Uhr joggen. Das würde ich in anderen Städten um diese Zeit nie tun. Was ich auch genial fand, waren die Leihräder der Firma Swapfiets. Für 20 Euro im Monat war ich voll ausgestattet und rundum versorgt. Mein Auto konnte ich zusammen mit den Möbeln beruhigt in meiner Heimat stehen lassen.”

Akademiker-Pärchen, Mitte 30, Stadtteilwechsel:

“Von der Weststadt nach Kirchheim. Zunächst klang das für mich und meine Frau nach einem Rückschritt. Die Weststadt ist einfach super gelegen. Hier gibt es Supermärkte, der Bahnhof liegt nur 10 Minuten zu Fuß entfernt und der Stadtwald ist auch gleich um die Ecke. Außerdem ist die Weststadt eines der hochwertigsten Viertel Heidelbergs. Auch der Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz ist mehr als Einkaufen. Das ist ein Treffen mit Menschen besonderer Art. Die Weststadt hat überall interessante Ecken. Hier reihen sich Restaurants an Start-Up-Agenturen, Waschsalons an Kirchen, Weinstuben, Cafés an Gallerien, an Bücherläden und Secondhandshops. Aber die Weststadt ist übertrieben teuer. Die Wohnungen, die man hier kriegt sind oft dunkel. Manchmal marode und feucht. Es ist hier laut und die Luft steht. Manchmal geht einem der Verkehr auf den Keks. Wenn die Bahn am Haus vorbeifährt, spürt man es bis in die Knochen. Dagegen ist Kirchheim ein weites Feld, mit echtem “Dorfcharakter”. Hier ist kein Haus höher als zur 2. Etage und man kann hier förmlich durchatmen. Kirchheim ist ein Naturparadies. Der Stadtteil ist aufgrund seiner Lage sehr landwirtschaftlich geprägt und deshalb ziemlich grün. Drumherum befinden sich nur Felder. Die Wohnung kostet uns halb so viel, ist aber doppelt so groß und das Beste – sie ist sonnendurchflutet. Wir haben sogar einen Balkon, auf dem wir zwei Zelte aufschlagen könnten.”

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