Lifestyle,  Philosophisches

Hassliebe Social Media

Gestern habe ich einen Film mit dem Titel “Jexi” gesehen. Kennst Du den auch? Ok. ich gebe zu, ich habe nur die ersten 20 Minuten geschaut. Die ganze Geschichte mit der Smartphone-KI ist natürlich auf die Spitze geführt.

Klar, nerven einen diese jungen Leute, die ständig mit der Nase am Handy kleben. Und gleichzeitig erwischt man sich selbst dabei, wie man immer wieder seine WhatsApp, Instagram und Email-App öffnet und schaut, ob es etwas Neues gibt… und das sogar mehrmals in der Stunde.

Ich gebe zu, ich wollte nie eine von der Sorte sein, die ihre Kommunikation hauptsächlich über Social Media steuert. Lieber greife ich zum Hörer oder noch besser: ich treffe die Leute persönlich! Außerdem finde ich es eigentlich ganz schön dämlich, seine Bilder auf den sozialen Kanälen hochzuladen und auf eine Reaktion zu warten! Warum bitte fotografiert man sein Essen, Sonnenuntergänge oder sein aktuelles Outfit im Spiegel? Warum stöbert man überhaupt in den Accounts anderer, scrollt stundenlang ziellos umher und gibt irgendwelchen Zitaten seine Zustimmung in Form eines Daumens oder Herzchens? Ich bin entsetzt. Auch ich tue es die ganze Zeit. Warum bloß?

Insta & Co. machen todunglücklich. Sie machen uns zu Menschen, die wir nicht sein wollen. Wir verstellen uns, zeigen so viel und doch so wenig von dem, wer oder was wir wirklich sind. Was sagt mein Social Media Kanal eigentlich über mich aus? Hast Du dich das auch schon einmal gefragt?

Man steckt in einer Sackgasse! Einerseits erkennt man die Absurdität, die Abhängigkeit, denn Irrsinn hinter diesen neuen Medien, die unser soziales Miteinander verstören. Andererseits geben genau sie uns die Infos, die wir suchen, ermöglichen den schnellen und globalen Austausch, der früher kaum möglich war und schaffen Kommunikation auf neuen Wegen.

Wir haben alle etwas zu erzählen, wollen gehört und gesehen werden, manche leben davon, andere finden hier ihre Nische, Gleichgesinnte, Andersartige. Das Internet ist eine unerschöpfliche Quelle für neue Ideen und es birgt gleichzeitig die Gefahr, sich zu verrennen, ggf. falsche Informationen zu erhalten oder aus seinem selbstgesponnenen Netz an Suchbegriffen (und darauf aufbauenden Algorithmen) nicht mehr herauszukommen. Die (digitale) Welt dreht sich um sich selbst und wir scheinen nur noch darin Bestätigung zu finden, was wir sowieso den ganzen Tag googlen.

Ein Beispiel ist das Thema “Gesundheit”. Es nervt. Es verfolgt mich schon die ganze Zeit. Dabei suche ich (so denke ich) nicht explizit danach. Vielleicht wollte ich mal ein neues Rezept ausprobieren, bin auf die Low Carb Diät aufmerksam geworden, hab bestimmt den ein oder anderen Artikel dazu gelesen. Oder ich suchte mal nach einem Workout fürs Wohnzimmer, wo doch die Fitness Studios wieder geschlossen haben. Ja, ich erinnere mich! Ein paar gesundheitsspezifische Keywords waren dabei. Und jetzt erhalte ich ständig Bilder von perfekt aussehenden jungen Frauen, die mir das Gefühl geben, “da geht noch was”, “ich müsste eigentlich abnehmen” oder “Du bist noch lange nicht am Ziel”. Ständig erinnern mich Listen, Grafiken und Clips daran, dass ich doch mehr Nüsse, Äpfel und Superfood essen sollte, einen Eiweiß Shake konsumieren oder mal wieder Joggen gehen sollte. Auf der Couch sitzen ist Tabu und ein Sportoutfit der Marke X würde mir besonders gut stehen. Na toll. Wenn es so weiter geht, werde ich wohlmöglich noch essgestört.

Am liebsten würde ich mich wieder – und das habe ich tatsächlich schon mehrmals getan – aus all diesen sozialen Diensten abmelden und gerne meine Ruhe haben! Ich würde mich zurück auf meine gemütliche Couch setzen und meine Freund*innen abtelefonieren.

Dann aber müsste ich mir irgendwann anhören, dass doch die Infos über WhatsApp kommuniziert werden, die Bilder auf Insta zu sehen sind und ich so schlecht erreichbar wäre. Keiner würde DieHeidelbergerin.com finden, geschweige denn suchen. Und ich würde mir irgendwann aus Frust ein neues Facebook-Profil einrichten, ein paar Bilder von schönen Sonnenuntergängen, meinem letzten Mittagessen und meiner Katze bei Insta hochladen und ein “Winke Winke” bei WhatApp da lassen 🙂 Also spare ich mir diesen Weg, lege das Handy lieber paar Mal mehr beiseite und bleibe dankbar für das, was mir das World Wide Web eigentlich alles zur Verfügung stellt.

Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit. Ich weiß das sehr zu schätzen!

Warum dieser Blog sich aus allen sozialen Medien nach nur einem Jahr verabschiedet hat, erfährst Du in diesem Beitrag: