Urlaub,  Wissen

Geschichte des Reisens

Seit jeher ist der Mensch unterwegs. Er ist sozusagen ständig auf Reisen, auch wenn sich seine Motivation im Laufe der Jahre stark verändert hat.

Zu Beginn wollte sich der Mensch vor allem neuen Lebensraum erschließen. Er war also nicht als „Tourist“ unterwegs, sondern aus ganz anderen Beweggründen: Die Suche nach Nahrung und Wasser, einem sicheren Schlafplatz oder die Flucht vor einer Naturkatastrophe motivierte den Menschen, aufzubrechen und neues Land zu erkunden.

Im Vordergrund stand also das Überleben und vielleicht auch ein bisschen Neugierde, auf das, was hinter dem Horizont liegt. Der Homo sapiens (der „vernünftige“ Mensch) verließ den aktuellen geschichtlichen Quellen zufolge Afrika vor ca. 300.000 Jahren, das belegen zum Beispiel Funde von Überresten in Marokko. Doch erst vor 10.000 Jahren wurde der Mensch sesshaft. Das heißt, er begann mit Viehzucht und Ackterbau, er legte Vorräte an und errichtete Dörfer und Städte. Parallel begann damit das geplante, das wirtschaftliche aber auch religiös motivierte Reisen: etwa Wallfahrten zu Tempeln der Gottheiten. Sklavenhandel und die ersten Kurierdienste brachten die Menschen dazu, ihre Wohnstätte zu verlassen und auf Reisen zu gehen.

Mittelalter

Eine Reise im Mittelalter (6.-15. Jahrhundert) war also vor allem religiös oder handelswirtschaftlich motiviert. Pilger (Mönche) oder Kaufleute machten sich meist zu Fuß oder auf einem Pferd auf den Weg. Dieser war allerdings beschwerlich, denn es gab weder ausgebaute Straßen noch Brücken. Nicht einmal auf Landkarten konnte man sich verlassen.

Der italienische Händler Marco Polo (13. Jahrhundert) soll China zunächst auf Landwegen, über die berühmte Seidenstraße, bereist haben. Eine solche Reise war natürlich sehr mühsam und nicht selten lebensgefährlich. Die Reisenden wurden von wilden Tieren aber auch von Räubern überfallen und sie dauerte manchmal ein halbes Leben.

Die Eroberung der Meere

Im späten Mittelalter (15. Jahrhundert) wurden schließlich auch das Meer und damit auch neue Kontinente wie Asien, Afrika und Amerika per Schiff erschlossen. Man geht aber davon aus, dass die Seefahrt noch viel älter ist. Bereits während der Steinzeit wurden erste Boote gebaut, die den Fischfang ermöglichten. Mit Hilfe der Boote sollen 40.000 v. Chr. die Küsten Ostasiens erschlossen worden sein. Das würde zumindest erklären, wie die Menschen über Alaska und das Festland nach Südamerika gelangt sind. Detaillierte Schiffsdarstellungen findet man heute auf Papyrusrollen der Alten Ägypter (5.000 v. Chr.) und auf Tonscherben in Südkorea.

Völkerwanderung und Kreuzzüge

Es gab immer wieder Wanderbewegungen, also zusammengeschlossene Gruppen von Menschen, die loszogen, um neues Land zu besiedelten (nicht selten durch Kampf, Krieg und Eroberung). Eine größere zu verzeichnende Völkerwanderung fand zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert statt. Hierbei sollen verschiedene germanische Stämme (hauptsächlich im Norden angesiedelt) in den Süden, Westen und Osten vorgedrungen sein. In derselben Zeit haben sich die Slawen immer stärker im Westen ausgebreitet, was zum allmählichen Zerfall des damals herrschenden Römischen Reiches führte.

Die christlich motivierten Kreuzzüge fanden vor allem im 11. und 13. Jahrhundert statt. Kreuzritter machten sich im Namen des Christentums auf Richtung Osten, um ihren Glauben zu verbreiten, zu verteidigen und gegen die zunehmende Islamisierung vorzugehen. Die Kreuzzüge sind blutig in die Geschichtsbücher eingegangen. Sie kosteten viele Menschenleben.

Die Grand Tour der Adligen

Im 18. und 19. Jahrhundert waren es vor allem Adlige, die auf Reisen gingen. Grand Tour nannte man diese Form von Bildungs- und Kavaliersreisen. Die adlige Elite lernte dabei fremde Sprachen und Künste kennen, knüpfte Kontakte ins Ausland und genoss gleichzeitig das Wellness- und Unterhaltungsprogramm florierender Städte. Wichtige Zentren waren damals Italien, England und Frankreich. Aber auch die Alpen, die Ost- und Nordsee gehörten zu den beliebtesten Reisezielen. Die Romantik im 19. Jahrhundert trug dazu bei, dass die Wünsche nach „Unberührtheit“, „Authentizität“ und „Freiheit“ immer stärker auf ferne Ziele projiziert wurden.

Schriftliche Fixierung von Reisen

Insbesondere der Buchdruck (um 1440 n.u.Z.) war es, der die Reiseliteratur und damit auch den Zugang zu fremden Welten über die Schrift für eine breite Masse ermöglichte. Matthäus Merian gilt als Pionier der Reiseliteratur (17. Jahrhundert). Karl Baedeker wiederum gründete den ersten deutschen Verlag für Reisehandbücher. Hierin können Reisende nun erstmals Tipps und Infos finden und sich auf die anstehende Reise vorbereiten. Ein solches Reisehandbuch wurde schnell zum massentauglichen Wegweiser. Hotels wurden kategorisiert, Plätze für wichtig erachtet, Sehenswürdigkeiten bestimmt, Touristenströme konsequent gelenkt – bis heute.

Industrialisierung und die Entstehung von Pauschalurlaub

Kurz darauf werden die ersten Reisebüros in England mit dem Namen Thomas Cook gegründet. Organisierte Reisegruppen aus dem gehobenen Bürgertum erkunden erstmals die Welt (19. Jahrhundert) und unternehmen ebenfalls den Versuch, dem auch damals gegenwärtigen Leistungsdruck zu entfliehen. Insbesondere Ägypten stand als Urlaubsort hoch im Kurs.

Mit der Industrialisierung wird Reisen schließlich massentauglich. Nach dem ersten Weltkrieg wird der Urlaub erstmals gesetzlich auch für die Arbeiterschicht ermöglicht. Schiffsfahrten werden immer beliebter, aber auch die technische Entwicklung und damit der Ausbau des Bahn- und Straßenverkehrs, später auch des Flugverkehrs seit den 1970er Jahren, machen eine Urlaubsreise in ferne Länder möglich.

Nach dem zweiten Weltkrieg können sich immer mehr Menschen einen Urlaub leisten. Plötzlich mischten sich auch Versandhäuser wie Neckermann und Quelle, aber auch der ADAC in die Tourismusbranche und unterbreiteten Urlaubsreisen zu erschwinglichen Preisen. Seit den 1960er boomt die Tourismusindustrie in den modernen Industriestaaten und der Pauschalurlaub gehört fest in den Kalender. Beliebte Ziele werden vor allem Mallorca, Südtirol, Südfrankreich und das spanische Festland.

Alternatives Reisen

Doch nicht alle sind mit der „Vermassung des Reisens“, der Komplett-Organisation und Standardisierung von Urlaubsreisen zufrieden. Es entsteht eine Gegenbewegung mit Ausrichtung auf andere, alternative Reiseformen: Interrail, per Anhalter oder Caravaning.

Der sogenannte Hippie trail ist geboren und führt von Europa nach Südasien – oft über Landwege und einem Rucksack auf der Schulter. Beliebte Reiseziele sind Ibiza, Formentera, Marokko, Afghanistan, Nepal und Indien. Musiker wie Jimi Hendrix, die Rolling Stones und die Beatles haben ebenfalls zur Popularität dieser Orte beigetragen.

An einem klapprigen Küchentisch in einem Hostel irgendwo in Singapur, entsteht schließlich der erste Lonely Planet mit dem Titel „Across Asia on the Cheap“ von Tony und Maureen Wheeler, zwei jungen Rucksacktouristen aus England. Der Lonely Planet unterscheidet sich zu anderer Reiseliteratur, indem er individuelle und unabhängige Reisetipps, „abseits von Tourismusströmen“ und typischen „Sightseeings“ verspricht.

Doch inzwischen hat sich auch diese Reiseform verändert. Das Smartphone wird vermutlich bald schon den letzten gedruckten Reiseführer unterm Arm ablösen.

Wie reist Du am liebsten? Bereitest Du Dich Wochen vorher darauf vor? Buchst Du noch im Reisebüro? Welche App nutzt Du und wie sieht für Dich ein perfekter Urlaubstag aus? Erzähl uns davon. Wir sind gespannt.