Beruf

Frau und Beruf

Wer hat sich nicht schon einmal den Kopf zum eigenen Beruf und Werdegang zerbrochen, frühestens in der Pubertät und spätestens in der letzten Schulklasse bzw. im Studium.

Viele ziehen ein Studium nicht nur in Betracht, weil die Berufschancen damit vermeintlich besser werden – ein abgeschlossenes Studium ist heute immer noch anerkannter als eine Ausbildung, manchmal zum Nachteil derer, die ihre Stärken weniger im akademischen Arbeiten sehen – sondern auch, weil sie um die Volljährigkeit herum noch immer nicht wissen, was sie eigentlich beruflich tun wollen. Ein Hochschulabschluss kann ja nicht verkehrt sein.

Aber es soll hier nicht um die Sinnhaftigkeit des Studiums gehen, sondern um die erwerbstätige Frau, die leider noch immer und unserer Meinung nach – und das zieht sich wie ein roter Faden in vielen weiblichen Biografien – nicht wirklich gerecht bezahlt oder ihren Qualifikationen entsprechend weniger anerkannt wird. Wir wollen an dieser Stelle betonen, dass nicht nur ausschließlich das weibliche Geschlecht betroffen ist. Es gibt genügend Männer und meinetwegen auch Unterstriche, die in der Arbeitswelt ungerecht behandelt werden.

Und allgemein gesprochen, wollen wir uns nicht beschweren. Wir sind einfach verunsichert. Theorie und Praxis passen einfach nicht zusammen!

Wir Frauen haben heute schon sehr viel erreicht. Wir machen Abitur. Wir gehen studieren (nicht nur Pädagogik, Sprachen oder Literatur), arbeiten in Vollzeit, gründen eine Familie, kümmern uns um Haus, Hof und pflegebedürftige Familienmitglieder, halten soziale Kontakte aufrecht, frischen nebenbei unsere Sprachkenntnisse auf und bilden uns in IT und Marketing weiter. So oder so ähnlich liest sich der ein oder andere Lebenslauf. Wow, wir haben es wirklich drauf!

Und das ist es auch, was uns so stört. Wir büffeln und rackern, schwitzen und beißen die Zähne zusammen und dennoch sind wir in Wirklichkeit kaum in den Chefetagen zu sehen, höchstens als Stellvertreterin, meistens als Assistentin. Klar, gibt man uns heute schon Titel, die leitende Funktionen vorgaukeln. Wir sind Managerin in Kommunikation, in Marketing, von Projekten und Büros. Selten aber die Chefin selbst, die Head of, die Anführerin und Wegweiserin.

Aber mal ehrlich, wie sollen wir denn auch all das oben genannte (Karriere & Familie) unter einen Hut bringen, wenn unser Tag eben auch aus nur 24 Stunden besteht?!

Unser täglicher Job impliziert eben auch weniger oder gar keine bezahlte Arbeit. Wir erledigen vieles nebenher, ohne groß darüber nachzudenken, ohne dafür überhaupt Stundenlohn einzufordern.

Allerdings muss man auch sagen, dass wir uns selbst manchmal im Weg stehen. Wir grübeln zu oft, zweifeln zu stark und nehmen leider auch oft den weniger gut bezahlten Auftrag an. Die meisten Jobs, die wir tun, haben wir freiwillig gewählt, zumindest haben wir uns damals aus freien Stücken bei Firma X beworben, wir wollten das Kind und nahmen die Zusatzaufgaben mit dem Erwerb einer Immobilie in Kauf.

Manche Entscheidungen im Leben treffen wir vom Herzen oder wir sind einfach so sozialisiert. Einige Jobs nehmen wir nur aus Prestigegründen an oder in der Hoffnung, dass sich diese Entscheidung auf eine spätere Position positiv auswirke. Selten entscheiden wir uns für Stellen aus purer Verzweiflung oder Geldnot. Aber auch das gibt es immer wieder und in Zeiten von Corona und Massen-Stellenstreichung leider immer häufiger.

Natürlich gibt es keinen gradlinigen Karriere- und schon recht nicht Lebensweg – auch nicht dort, wo es danach aussieht.

Entweder man verschweigt sie, biegt einige Fehlentscheidungen ins rechte Licht oder interpretiert diese a posteriori als wichtige Lebenserfahrung. So oder so zählt am Ende nur, dass man nicht hängen oder liegen bleibt, dass man weiter macht und nicht aufgibt.

Bitte nicht falsch verstehen. Nicht jeder muss eine steile Karriere machen oder auf Kinder verzichten. Es sind doch vor allem diejenigen glücklich, die überhaupt entscheiden und damit eigenen Wünschen nachgehen können und letztendlich auch die, die zu ihren Entscheidungen stehen. Viele Karrieremenschen konnten lebenslang keine eigenen Entscheidungen treffen. Sie sind von Beginn an fremdgesteuert und können kein selbstbestimmtes Leben führen. Aber, warum macht man das alles, wenn nicht aus freien Stücken oder aus eigener Überzeugung?

Kommen wir zur Ausgangsthese zurück: Frauen im 21. Jahrhundert. Ungerecht bezahlt? Überqualifiziert? Überfordert? … Die genderspezifischen Ungleichheiten lassen sich nicht leugnen und wir arbeiten alle hart daran, dass sich dies endlich ändert. Es passiert schon viel. Aber zu langsam und nicht übergreifend. Jemand muss diese Jobs schließlich tun. Und wenn wir sie schon tun, dann sollten wir sie vom Herzen tun.

Vielleicht hilft uns diese kleine Weisheit einer älteren Dame auf unserem Weg, den wir alle noch vor uns haben, weiter: “Egal, was Du tust, vergleiche dich nie mit denen, die über dir stehen. Sondern immer mit denen unter dir. Es wird immer Menschen geben, die schlechter dran sind als du und du wirst dein Glück sofort erkennen.”

Frau im Beruf – ein wichtiges, eigentlich ein total erfreuliches Thema! Viele Jahrtausende haben unsere Vorfahren dafür gekämpft, dass auch wir im Berufsleben Fuß fassen, gleichberechtigt behandelt, ja einfach auch schon nur gehört werden. Und gleichzeitig ist das Thema auch so schwierig. Wir sind weit gekommen. Und werden, wenn wir das Ziel stets vor Augen behalten, auch weiter kommen. Am Ziel sind wir noch lange nicht.

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Wie siehst Du die Situation? Was würdest Du anders machen? Hast Du Tipps, die uns Frauen besser voranbringen? Schreib uns. Wir sind gespannt auf Deine Story.

Interessiert Dich das Thema? Hier ein paar Links zum nach- und weiterlesen:

Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert der Frau werden (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Gesellschaftsverhältnisse im 21. Jahrhundert (Bundeszentrale für politische Bildung)

Zurück ins alte Rollenbild (Süddeutsche Zeitung)

Familie und Beruf: Der lange Marsch der Frauen (WirtschaftsWoche)