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Falle Homeoffice. Oder worauf Du achten musst

Es ist verlockend: von Zuhause arbeiten, Weg sparen, bequeme Sachen tragen, seine Ruhe haben. Immer wieder mal telefonieren, viele Emails schreiben oder sich in Videocalls einwählen. Hauptsache die Internetverbindung bricht nicht ab und die Milch reicht noch für den nächsten Kaffee.

Auch das Unternehmen profitiert davon: man lenkt sich (den Statistiken und Umfragen zufolge) weniger ab als im Büro, man schafft die Arbeit effektiver und wird seltener krank. Das Unternehmen kann sich außerdem Parkplatzgebühren, Reinigungspersonal, Raum- und damit zusammenhängend auch Strom- und Heizkosten sparen.

Corona zeigt seit nun fast zwei Jahren – dass die Verlagerung ins Digitale in der Arbeitswelt angekommen ist und gut funktionieren kann.

Wer kann in Homeoffice?

Homeoffice lässt sich vor allem von Berufsgruppen umsetzen, die ihre Arbeit sowieso vor dem PC verrichten: dazu zählen etwa Lohn- und Buchhalter*innen, Online Marketing Manager*innen, Texter*innen, Übersetzer*innen, Sales Manager*innen, Designer*innen, Mediengestalter*innen, Software-Entwickler*innen, Programmierer*innen usw.

Seit Corona gehören sicherlich auch die ganzen beratenden und pädagogischen Berufe dazu: Dozent*innen, Coaches, Fitness Trainer*innen oder Tanzlehrer*innen.

Das klingt ja alles ziemlich gut! Es gibt aber auch Nachteile, wie man weiß. Homeoffice kann zur Falle werden, wenn man nicht aufpasst. Darum soll es im Folgenden gehen.

Nachteil Homeoffice

Technik & Ausstattung

Nicht jeder hat zuhause ein super schnelles Internet. Auch sind die Arbeitsgeräte wie PC oder Laptop, Drucker oder Tischlampe nicht unbedingt für den Job vorgesehen. Viele haben nicht einmal einen richtigen Schreibtisch. Man sitzt vielleicht am Küchentisch auf dem Holzhocker oder im Schneidersitz auf dem Bett. Ebenfalls darf nicht angenommen werden, dass man zuhause einen gesonderten Raum für die Arbeit zur Verfügung hat. Es leben vielleicht noch andere mit im Haushalt (WG-Mitbewohner*innen, Kinder, Eltern, Ehemann etc.).

Die eigene Wohnung

Wohnungen können ganz schön hellhörig sein. Entweder man wird gestört vom Lärm seiner Nachbarn (Bohren, laute Musik, Türenschlagen) oder ist selbst die lästige Lärmquelle (stundenlange Telefonate, lautes Reden, weil die Internetverbindung schlecht ist). Das kann das Ende für eine gute Nachbarschaft heißen.

Versteckte und offene Kosten

Auf Dauer kann Homeoffice für den oder die Arbeitnehmer*in ganz schön teuer werden, wenn dies nicht explizit von der Steuer abgesetzt wird (bis zu 600 Euro im Jahr ist immerhin möglich). Es wird aber etwas kompliziert, wenn keine klare Vereinbarung mit dem Arbeitgeber getroffen wird und man eher sporadisch ins Büro geht oder eben zuhause bleibt. Zu einer guten Dokumentation, wo man wann arbeitet, ist dringend geraten.

Eigener Laptop als Arbeitsgerät?

Viele Arbeitgeber stellen nicht automatisch das notwendige Equipment zur Verfügung. Obwohl sie es müssten!

“Als Arbeitgeber musst du im Homeoffice für alle Kosten aufkommen, die für die Erbringung der Arbeitsleistung erforderlich sind.”

Deutsche Mittelstandsschutz 05/21

Leider gehen einige (stillschweigend) davon aus, es sei schon okay, seinen eigenen Laptop, sein Smartphone oder andere Utensilien dafür bereit zu stellen. Einige wissen es nicht besser und es ist nicht jedem klar, ob und welche Gerätschaften von wem zur Verfügung gestellt werden. Dies muss dringend angesprochen werden, auch wenn man gerade neu in einem Unternehmen anfängt und noch nicht genau weiß, wie der Laden läuft.

Denk dran: ein Laptop unter Dauerbeschuss (ein ganzer Tag in Aktion sind immerhin 9 Stunden) ist schneller hinüber, als einem lieb ist. Und wer will und kann sich schon alle paar Jahre einen Neuen leisten? Hier gilt, entweder der Arbeitnehmer stellt das Gerät oder gleicht es monetär aus.

Zur Grundausstattung jedes Betriebs in Homeoffice gehören:

  • Arbeitsgerät (in dem Fall eben der Computer und all das, was als Gerät vor Ort (im Betrieb) regelmäßig genutzt wird, z.B. Tablet, wenn es Teil der Arbeitsgeräte ist
  • Software – also auch Programme für Datenverarbeitung. Denn Word, Excel und PowerPoint auf dem eigenen Laptop sind Privatsache! Die Software muss vom Arbeitgeber per Lizenz erworben und gestellt werden. Gilt auch für Bildbearbeitung, Datenbanken, Dokumention usw.
  • Drucker – wenn notwendig auch das. Und das Papier und die Tinte gehören selbstverständlich auch dazu

Arbeitet man etwa mit einem Laptop, müssen Bildschirme (und die notwendigen Kabel) vorhanden sein, bestenfalls eine externe Maus und eine externe Tastatur (wenn man nicht möchte, dass der oder die Arbeitnehmer*in wegen Sehnenscheidenentzündung oder orthopädischen Schmerzen bald auffällt).

Datenschutz & Sicherheit

Nicht nur die Abnutzung eigener Gerätschaften ist ein Thema, sondern auch die Privatsphäre und Sicherheit: Allein aus Datenschutz-technischen Gründen ist die Nutzung eigener Geräte ein No-go (auch wenn eine Firewall aktiviert ist und regelmäßige Updates stattfinden). Dies müsste dem Arbeitgeber bewusst sein. Da hilft auch kein extra dafür angefertigter Sondervertrag zum Datenschutz. Dieser kann nur optimal gewährleistet werden, wenn das Equipment vom Arbeitgeber kommt.

Privat ist privat. Auch wenn die Arbeit sich ins Private verlagert hat. Zuhause hat man auch mal Besuch oder andere nutzen den PC. Auf dem eigenen Laptop befinden sich womöglich auch ein paar Urlaubsfotos, die nun wirklich niemanden etwas angehen.

Externer Zugriff auf den Computer

Apropos Privatsphäre: es kommt immer wieder vor – etwa in Webkonferenzen oder bei Fernwartungen – dass man seinen Bildschirm mit anderen teilt, das sogenannte Screen Sharing. Dabei überträgt man seinen Bildschirminhalt an einen oder mehrere andere Computer, um etwa ein Dokument gemeinsam zu besprechen oder eine Präsentation mit anderen zu teilen.

Zu unterscheiden ist diese Funktion vom sogenannten Remote Desktop. Hierbei teilt man nicht nur den Bildschirm, sondern gibt den Zugriff auf den Computer für andere frei. Mit bestimmten Programmen können externe User eine Fernsteuerung auf den eigenen PC vornehmen. Diese kann sogar unabhängig von einer laufenden Sitzung stattfinden und sollte daher wirklich nur von der IT des Unternehmens möglich sein und auf seinem eigenen Computer sowieso niemals.

In Zusammenhang mit Homeoffice fällt immer wieder der Begriff Remote. Also nicht zu verwechseln mit Remote Desktop! Anders als dieser wird Remote Work nämlich gern als synonym zu Homeoffice verwendet. In Stellenanzeigen liest man immer häufiger von der Möglichkeit zu Remote Work. Was also ist der Unterschied?

Home oder Remote

Remote Work heißt im Prinzip mobiles Arbeiten. Wie, von wo aus und wann man die Arbeit verrichtet, ist hier nebensächlich. Der Fokus liegt auf dem Arbeitsauftrag, der zu erledigen ist. Ob nun im Café, am Strand von Zandvoort oder nachts um 2 Uhr.

Der Begriff Homeoffice ist da bisschen enger gestrickt und meint im Prinzip genau das, was es ist: die tatsächliche Arbeiten von Zuhause aus, orientiert an den üblich bekannten Arbeitszeiten. Gelegentlich auch als Telearbeit bezeichnet. Der Job zuhause unterscheidet sich nur räumlich von dem aus dem Firmenbüro (auch in der Ausstattung!).

Fazit

Im Großen und Ganzen ist Homeoffice sicherlich eine Chance für neues und besseres Arbeiten – vor allem bei Jobs, die sowieso am PC zu erledigen sind. Damit es von vornherein klappt, müssen einige Punkte gleich zu Beginn mit dem Arbeitgeber geklärt werden. Das sind Fragen zur Ausstattung (Arbeitsmittel wie Computer, Bildschirme, Drucker, Headset), zum Daten- und Arbeitsschutz (Arbeitstisch, Arbeitsstuhl, Arbeitstischlampe), Haftung bei Unfällen aber auch zur genauen Arbeitszeit und den Pausen (Stichwort: ständige Erreichbarkeit). Dann klappt´s auch mit der Arbeit zuhause.