Über Heidelberg

Faktencheck Heidelberg

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Die Stadt Heidelberg existiert bereits seit mehr als 820 Jahren, zumindest wurde sie als solche im Jahr 1196 erstmals urkundlich erwähnt. Man geht aber stark davon aus, dass Menschen diese Region bereits in der Steinzeit besiedelt haben. Davon zeugt auch der imposante Fund von menschlichen Überresten im Ort Mauer bei Heidelberg: 600.000 Jahre alt soll das Skelett sein, welches als Gattung Homo heidelbergensis in die Geschichtsbücher eingegangen ist und ihn damit zum berühmtesten Heidelberger macht.

Zweihundert Jahre nach Stadtgründung, errichtete man die Universität. Damit ist sie die älteste Uni Deutschlands. Während man in den Anfängen die magere Auswahl zwischen den Fächern Medizin, Jura oder Theologie treffen konnte, lässt sich heute der Schwerpunkt aus mehr als 180 Studienfächern an 12 verschiedenen Fakultäten wählen – und das Ganze auch noch interdisziplinär studieren. Was für ein Luxus! Wie wäre es also mit Assyriologie, Cultural Heritage, Gräzistik, Semitistik oder Matter of Life?

Seit ihrer Gründung wächst die Stadt Heidelberg ununterbrochen. Heute leben hier 160.000 Menschen. Ein Viertel davon sind Studenten, jeder Fünfte kommt aus dem Ausland und fast 40% aller Einwohner*innen sind jünger als 30 Jahre. Von den etwa 120.000 Jobs in Heidelberg befinden sich die meisten (fast 90%) im Dienstleistungssektor, daher haben es Studierende relativ leicht, sich etwas Geld dazuzuverdienen, etwa in der Gastronomie, Touristik oder im Verkauf – dazu später aber mehr.

Heidelberg lebt vom Tourismus: 12 Millionen Gäste kommen jährlich in die Neckarstadt. Besonders oft sieht man asiatische Gruppen oder arabische Großfamilien. Letztere sind für den Medizintourismus bekannt. Es handelt sich hierbei um wohlhabende arabische Familien, die sich in Medizinhochburgen wie Heidelberg behandeln lassen. Und sie kommen nie alleine. Lässt sich ein Familienmitglied operieren, hat es natürlich die ganze Sippe im Schlepptau.

Noch vor wenigen Jahren waren hier auch viele Amis anzutreffen. Sie besetzten und besiedelten die Region seit dem Zweiten Weltkrieg (1945) und prägten das Stadtbild auf besondere Weise. Es gab ein eigenes US-Hospital, eigene Kirchen und eine waschechte amerikanische High-School. Sie brachten Jazz, Kaugummis, Cheeseburger und einen neuen, lässigen Lifestyle in die Stadt. Doch man sprach auch – aufgrund der mit Drahtzäunen abgeriegelten und gut bewachten Siedlungen – von Little America, dass den Heidelberger*innen unzugänglich war. Sie wussten sich abzuschotten. Aber an den Wochenenden mischten sie sich unters Volk. Die Amis wussten, wie man richtig feiert. Es gab dank ihnen zahlreiche Clubs und so kam es auch zu der ein oder anderen Lovestory zwischen US-Soldaten und den jungen Heidelbergerinnen. Nach 70 Jahren allerdings hieß es endgültig, Good-bye Heidelberg!

Das Leben in Heidelberg kostet schätzungsweise 730 Euro im Monat. Das sollte zumindest jeder Student und jede Studentin monatlich auf seinem Bankkonto liegen haben, um sich das Nötigste leisten zu können. Das Leben hier ist dennoch ziemlich teuer. Vor allem die Mieten gehören in Heidelberg zu den höchsten Deutschlands.

Wer keines der wenigen und sehr begehrten Zimmer im Studentenwohnheim bekommt, lebt oft in einer WG, wohnt im Haus älterer Menschen zur Untermiete oder bleibt gleich bei seinen Eltern wohnen (letztere zwei Optionen sind nicht unbedingt die entspanntesten Formen, sich hier als junger Mensch vollumfänglich zu entfalten. Wer will sich schon bei seinen Vermietern für die lange Nacht rechtfertigen oder sich seine Unterwäsche noch von Mutti waschen lassen?!?). Wer kann, zieht unbedingt aus und mischt sich unter das junge Volk.

Kurz noch zum Stadtbild: Wenn man sich umschaut, entdeckt man vor allem jede Menge Baustellen. Aktuell entstehen viele neue Projekte in Heidelberg. Allein die Bahnstadt (hinter dem Hauptbahnhof) ist erst in den letzten paar Jahren entstanden. Aber nicht nur Neubauten prägen das Bild, sondern jede Menge Grün: 70% der Gesamtfläche ist Natur. Und das schätzen wir Heidelberg*innen sehr. Jede Jahreszeit ist für uns etwas Besonderes. Wir lieben die Hitze, die Regentage und Temperaturen unter Null. Wir glauben, Heidelberg ist die einzige Stadt, zu der einfach jedes Wetter passt. Selbst bei Regen ist ein Spaziergang entlang dem Neckar einfach großartig! Dabei ist noch zu erwähnen, dass der trockenste Monat März und der feuchteste Juli ist.

Schnee gab es hier schon lange nicht mehr: im Winter bleibt es relativ mild (ca. 5 Grad plus) und im Sommer klettern die Temperaturen rauf auf durchschnittlich 22 Grad – wobei wir aktuell die heißesten Sommermonate seit 4 Jahren erleben! Es kommt schon mal vor, dass wir bei 35 Grad im Büro schwitzen und unsere Vorgesetzten einfach verpasst haben, rechtzeitig für Klimaanlagen zu sorgen.

Doch wir haben gelernt, uns auf alles einzustellen und das Beste daraus zu machen. Alles andere wäre Zeitverschwendung und zu kurz gedacht.