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Facebook mal kritisch

Damals startete Facebook mit der simplen Idee, eine Plattform für Studierende zu schaffen, auf der man sich zusätzlich online austauschen kann. Zu diesem Zeitpunkt war der Gründer und Student Mark Zuckerberg selbst gerade einmal 19 Jahre alt. Dies war allerdings keine neue Idee! Vor der Gründung von Facebook im Jahr 2003 gab es schon diverse Austausch-Netzwerke. Wir erinnern uns: ICQ, MySpace, Friendster usw.

Facebook hat sich bis heute durchgesetzt und hat sogar noch einige Unternehmen geschluckt: zum Beispiel Instagram, Messenger, WhatsApp und sogar die Virtual-Reality-Hardware Oculus VR.

Täglich loggen sich 1,4 Mrd. Menschen auf Facebook ein und die Plattform wächst ununterbrochen:

Von Januar bis März kletterten die Erlöse um 48 Prozent auf fast 26,2 Milliarden Dollar, wie das weltgrößte Internetnetzwerk am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Gewinn sprang von 4,9 auf 9,5 Milliarden Dollar hoch. 

Handelsblatt (04/21)
Immer wieder in der Kritik

Allerdings gibt es auch eine andere Seite der Medaille. Immer wieder stolpern wir über Negativschlagzeilen. Facebook betreibe nicht nur Informationssammlung, sondern greife auf Daten zu, von Datenmissbrauch ist die Rede. Wahlen würden manipuliert oder zugunsten einer bestimmten Partei beeinflusst. Viele amerikanische Behörden werfen dem Konzern vor, es versuche Wettbewerb durch Monopolstellung zu ersticken (siehe die sogenannte Kartell-Klage 2020).

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Auch Verbraucherzentralen klagen häufig gegen Facebook, da der Datenschutz immer wieder verletzt werde. Allein schon die Social-Media-Buttons auf der eigenen Website sammeln personenbezogene Informationen über die Besucher*innen, ohne dass sie dort registriert oder eingeloggt sein müssen. Das ist ein gravierendes Datenschutz-Problem, wie wir wissen.

Aktuelles Buch “Inside Facebook – Die hässliche Wahrheit”
Frenkel & Kang Inside Facebook 2021

Und jetzt ist ein hochinteressantes Buch von den US-Amerikanerinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang mit dem Titel Inside Facebook – Die hässliche Wahrheit (Orig. “An Ugly Truth: Inside Facebook’s Battle for Domination”) erschienen. Im Deutschen wurde es im s.fischer Verlag veröffentlicht – jetzt schon ein Bestseller, von dem es heißt, dass Facebook nicht will, dass Sie es lesen.

“Ein Krimi über Manipulationen und Intrigen in einem der mächtigsten Konzerne der Welt”

Frenkel & Kang, Inside Facebook (2021)

Der Inhalt (insgesamt 14 Kapitel) ergibt sich aus vielen spannenden, exklusiven und so noch nie veröffentlichten Gesprächen – mit Ehemaligen, Familienmitgliedern, Investoren, ja sogar Abgeordneten, Wissenschaftler*innen und Aufsichtsbehörden. Es werden Emails und andere Dokumente ausgewertet. Zum anfänglichen Bestreben vonseiten Facebook, ihre Sicht der Dinge zu schildern, kommt es allerdings nie.

Im Interview mit t-online erklären die beiden Autorinnen, was sie zu dieser Investigation motiviert hat. Vor allem geht es darum, dass alle, die Facebook nutzen, auch die Maschinerie dahinter besser verstehen müssten. Nur so könne man nachvollziehen, welchen Einfluss die Plattform auf uns hat. Es geht um Manipulation, Eingriff in Privatrechte, Hacking und Phishing-Versuche.

Es ist in der Tat ein sehr kritisches Buch (350 Seiten), dass mehrere Jahre intensive Recherche erforderte und eine hässliche Wahrheit – wie der Untertitel lautet – ans Licht bringt. Facebook formiere sich allmählich zu einer “Maschine zur Geldvermehrung […] koste es was es wolle.” Die Folgen können wir sehen, wenn wir einmal kritischer hinschauen.

Facebook studiert uns, analysiert uns und nutzt diese gewonnenen Informationen für kommerzielle Zwecke. An unseren Daten verdient sich Zuckerberg & Co. eine goldene Nase und viele wissen es nicht einmal: allein mit der Zustimmung der AGB, erteilen wir Facebook, Instagram & Co. die Bildrechte an unseren Bildern. Heißt, wir erteilen den Plattformen das Recht, mit unseren Bildern machen zu können, was sie wollen. Auf Facebook vernetzt man sich also schon lange nicht mehr nur mir seinen Freunden und Bekannten, sondern ist Teil einer riesengroßen Werbekampagne.

Es gibt genügend Gründe, Social Media Plattformen wie Facebook oder Instagram zu hinterfragen. Es ist jedenfalls nicht verkehrt, sich auch kritisch damit auseinanderzusetzen und sein eigenes User-Verhalten zu reflektieren.