Philosophisches,  Studium,  Wissen

Einführung ins Klugschwätzern

Es ist bekannt, dass weniger als 10% der Philosophie-Studierenden einen Abschluss in ihrem Fach machen. Die restlichen 90% hören irgendwo zwischen Logik-Seminar und der ewigen Diskussion über das “gute Leben” auf. Man scheitert ja schon daran, überhaupt eine Definition von “gut” zu finden. Es geht manchmal über mehrere Stunden, in der die Studierenden über die Auslegung eines einzigen Wortes grübeln. Wie will man da also vorankommen?

Wenn man so etwas nicht gewohnt ist, glaubt man zunächst, man sei im falschen Film. Da gibt es diese eigenartigen Kommiliton*innen, die einem kaum in die Augen schauen können, aber in der ersten Reihe sitzen und den Originaltext mit höchster Präzision vortragen. Sie blühen förmlich auf in der Diskussion und Interpretation mancher Passagen und wählen ein Vokabular, dass verdeutlichen soll, wie belesen sie sind. Ein Proseminar ist für viele Anfänger*innen eines Philosophiestudiums eine riesige Herausforderung! Innerlich kündigt man. Immer und immer wieder.

Es geht um alles und nichts

Es ist wirklich schwer zu erklären, was man genau im Studienfach Philosophie macht. Es geht irgendwie um alles und um nichts. Man beschäftigt sich mit den großen Lebensfragen oder erlernt ein “Handwerkszeug”, diese miteinander zu besprechen. Natürlich geht es nicht darum, eine Antwort oder Lösung zu finden. Es geht um Deskription, rationales Argumentieren und Rhetorik… und manchmal auch einfach nur um´s “Klug daher reden”!

Klugschwätzen & Besserwissern

Wenn man nämlich genau hinhört, hat das Gesagte oft kaum Gehalt. Es sind manchmal einfach nur lange, aneinandergereihte Sätze ohne Punkt und Komma. Sätze mit beabsichtigt eingebauten Fremdwörtern, Schnörkeleien und Füllwörtern, so dass man am Ende des Satzes schon gar nicht mehr weiß, wie die ursprüngliche Frage lautet. Das Interessante ist, man erkennt in den Phrasen immer wieder dasselbe Muster. Lust auf eine kleine Lektion in “Besserwissen”?

Hier die Regeln:
  • Vergiss kurze knackige Sätze, sondern baue immer noch ein Komma ans Ende des Satzes, damit dieser unendlich lang wird, um davon abzulenken, dass man die Frage nicht verstanden hat oder einfach nur schlau daher reden möchte – was im Prinzip sehr intelligent wirkt, aber überhaupt keinen Sinn ergibt, verstehst Du? Was war doch gleich die Frage?
  • Verwende Worthülsen, also Füllwörter wie also, halt, quasi, prinzipiell, generell, mitunter usw. Sie sind richtig schön unnötig, haben wenig Aussagewert und blähen die Sätze wunderbar auf, um das Gesagte wirkungsvoller rüberzubringen.
  • Wie wäre es mit ein paar Xenismen und Syntagmen, also fremdsprachigen Einschlägen, damit das gesagte informativ, pardon ausdrucksstark und gehoben klingt. Andere affektierte Wörter wären auch eklatant, reliabel, integer oder latent. Kennst Du noch mehr?
  • Wie wäre es außerdem mit Zitaten von (pseudo-)wichtigen Personen… wie sagte doch Nitzsche so schön, “klug sein hat noch nie einen Menschen an Dummheiten gehindert” und Kierkegaard bedauerte, dass “die Menschen die Sprache nicht empfangen haben, um die Gedanken zu verbergen, sondern zu verbergen, dass sie keine Gedanken haben.”

Das sagt einem natürlich keiner, aber mit diesem kleinen Handwerkzeug ist man für die ersten Semester in Philosophie (oder einem anderen geisteswissenschaftlichen Fach) erst einmal gut gewappnet. Im nächsten Schritt gehts um Logik, das wird spannend!