Beruf,  Über Heidelberg

Die Suche nach dem perfekten Job

Vorab sei gesagt: Arbeit ist nicht unser Leben. Aber ohne sie können wir natürlich nicht in Heidelberg leben. Deshalb suchen wir uns von vornherein eine Arbeit, die uns erfüllt und inhaltlich anspricht. Uns prägt natürlich ein gewisser Idealismus. Wir wollen mit dem, was wir tun, ein Stück zu einer besseren Welt beitragen. Sei es als Pädagogin, Andragogin, Kulturvermittlerin oder Wissenschaftlerin.

Wir stehen der Arbeit – soweit wir es uns erlauben können – insgesamt entspannt gegenüber. Wir sind definitiv nicht ausschließlich monetär motiviert, sonst würden wir wahrscheinlich BWL in Mannheim oder Finance in Frankfurt studieren.

Die Wahl unseres Studienfachs zeigt ja oft die grobe Richtung: Wir studieren selten auf einen bestimmten Beruf hin, sondern sind von Anfang an von unseren persönlichen Interessen geleitet. Wir glauben fest daran, dass wir mit unserer Fächerwahl und intrinsischen Motivation, unseren über die Zeit erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen, einen passenden Job finden.

Deshalb lassen wir uns mit der Jobsuche auch etwas mehr Zeit. Wir nehmen nicht die nächstbeste Stelle an, sondern klopfen alle Möglichkeiten ab. Lieber absolvieren wir noch ein weiteres Praktikum oder halten uns mit einem Nebenjob paar Monate länger über Wasser, als uns in eine Vollzeitstelle zu stürzen, in der wir uns überhaupt nicht wohl fühlen. Wir arbeiten auch mit Netzwerken. Wir kennen vielleicht jemanden, der wiederum jemanden kennt, der gerade jemanden für eine interessante Aufgabe sucht.

Zur Not schreiben wir uns erneut an der Uni ein, studieren auf Lehramt oder werden akademische Mitarbeiterinnen. Wir überbrücken die Zeit mit einer Doktorarbeit, gehen ins Ausland als Entwicklungshelferinnen oder übernehmen das Café von unserem Bekannten. Alles ist möglich!

Uns macht vor allem aus, dass wir professionelle Quereinsteigerinnen sind und das mit großem Erfolg! Wir sind die besten Chefsekretärinnen, Filialleiterinnen und Personalerinnen. Wir arbeiten in Verlagen, in der öffentlichen Verwaltung, im Tourismus und in der Gesundheitsbranche. Wir sind Kulturvermittlerinnen, Referentinnen, Pressesprecherinnen und Content Managerinnen. Wir schreiben suchmaschinenoptimierte Texte, arbeiten mit Schwererziehbaren und werden selbst zur eigenen Chefin.

Wir lieben Jobs, die abwechslungsreich sind und uns erfüllen und werden sehr unruhig, wenn wir den ganzen Tag monotone Tätigkeiten ausführen müssen.

Wenn möglich, bleiben wir nach Studienabschluss in Heidelberg. Wir haben hier Wurzeln geschlagen, haben einen festen Freundes- und Bekanntenkreis, eine zentral gelegene Wohnung und eine erfüllte Partnerschaft – deshalb wollen wir hier nicht weg! Dann kommt es schon mal vor, dass wir nach Studienabschluss erst einmal heiraten, vielleicht ein Kind bekommen und dann irgendwie weitersehen: Was wir aber nicht sind, ist, Mutter von Beruf. Wir sind wenigstens als Dozentin, Lektorin, Übersetzerin oder Texterin tätig. Und das ist keine so schlechte Idee. Diese freiberuflichen Tätigkeiten bringen uns mit Menschen zusammen, die uns beruflich später vielleicht wichtig werden, wenn wir wieder verstärkt nach festen Stellen Ausschau halten.

Und nicht zu vergessen, bezüglich Arbeit und Arbeitsteilung: Was uns ebenfalls ausmacht, ist die Gleichberechtigung in der Partnerschaft. Wir teilen uns den Haushalt selbstverständlich auf (oder er hilft einfach mit, wo er kann). Es kommt immer häufiger vor, dass auch unser Partner in Elternzeit geht und aktiv an der Erziehung des Kindes beteiligt ist. An Wochenenden sieht man ihn also häufig mit einem Kinderwagen am Spielplatz mit anderen Daddys sitzen. Die meisten Heidelberger sind hier wirklich vorbildlich.

Wenn wir Heidelberg allerdings verlassen, wird es nicht ganz so einfach mit dem Quereinstieg. In Großstädten wie Berlin, Frankfurt oder München wartet in der Regel keiner auf uns. Es gibt in großen Städten mehr Nachfrage als Angebot, sodass man fast schon frustriert resignieren muss. Die Jobsuche kann wirklich schwierig werden. Man ist irgendwann bereit, alles Mögliche anzunehmen, um endlich im Berufsleben anzukommen. Der Anspruch wird dabei allerdings immer weiter heruntergeschraubt. Und wenn man in einem Job feststeckt, der nicht „glücklich“ macht oder schlecht bezahlt wird, dann juckt das niemanden. Da draußen warten schließlich genug Leute, die scharf auf genau diesen Job sind.

In Heidelberg ist es anders! Hier werden wir als Quereinsteigerinnen gebraucht und wertgeschätzt. Seit vielen Jahren funktioniert diese besondere Synergie. Unsere Arbeitgeber*innen schätzen unsere überfachliche Kompetenz und das breite Interessenrepertoire (die meisten haben selbst einen solchen Background). Das freut uns und färbt selbstverständlich auf unsere Arbeitsleistung ab. Deshalb ist unser Job immer etwas Besonderes – er ist nicht unser Leben, aber oft mit Sinn erfüllt.