Beruf,  Buchtipp

Die Journalistin

Maria Reig ist eine Newcomerin. Die studierte Journalistin und Unternehmenskommunikatorin wurde 1992 in Barcelona geboren und lebte in Madrid. Inzwischen hat sie zwei Romane verfasst. Die Journalistin (im Original “Papel y tinta”) ist ihr erstes Werk und wurde zunächst von einer Crowdfunding-Community finanziert, bevor sie von großen Publikumsverlage entdeckt wurde. Die Übersetzung von Die Journalistin ist im Juli 2021 im Goldmann Verlag erschienen und ist eine tolle Lektüre – nicht nur für junge aufstrebende Autor*innen oder Journalist*innen. Der Verlag stellte dieses Buchexemplar zur Rezension zur Verfügung.

Darum gehts

Die Geschichte handelt von einem jungen Mädchen namens Elisa. Sie spielt in Madrid, um 1900 und beginnt damit, dass die Sechsjährige nicht mehr von ihrem alleinerziehenden Vater versorgt werden kann. Die beiden Brüder dürfen bleiben, aber so ein kleines Mädchen, wie sie, kann nicht anpacken und stellt zunehmend eine Last für die gesamte Familie dar. So wird sie an ihre reiche, verwitwete, ebenso strenge und geheimnisvolle Tante Manuela Montero übergeben, die im großbürgerlichen Milieu unterwegs ist.

Die wichtigsten Chraktere

Das Buch ist in 10 Teile gegliedert. Die wichtigsten Personen werden gleich zu Beginn des fast 600-seitigen Romans vorgestellt. Da gibt es neben der Tante auch die Bedienstete mit dem Namen Pilar, der im Keller untergebrachte elfjährige Pedro, die beiden Freundinnen Benedetta und Catalina – mit denen sie so allerlei Liebesgeschichten teilt und Francisco de la Heray y Rosales, ein wohlhabender Junggeselle aus Madrid. Eine weitere wichtige Rolle spielen schließlich Herr Rodriguez de Aranda, ein Zeitungsdirektor und der Korrepsondent und Autor Olivier Pascal.

Worte, Worte – als Fenster nach draußen

Letztere beiden Personen sind deshalb so wichtig, weil sie mit der Hauptgeschichte zu tun haben: Elisa fühlt sich in diesem großen Haus bei ihrer Tante nicht nur gefangen, sondern einsam. Ihr einziges Fenster nach draußen war die Tageszeitung. Sobald sie in der Lage war, Buchstaben zu lesen, fing sie an, sich mit den Worten aus den Presseblättern auseinanderzusetzen.

“Ich entwickelte die Angewohnheit, während des Essens jede noch so kleine Geste meiner Tante aufmerksam zu beobachten. […] Ich betrachtete wortlos, wie sie eine der fünf Zeitungen auswählte, eine bunte Mischung […] Meine Tante hat mir inzwischen das Lesen beigebracht […] ich fragte mich, was an diesem bedruckten Papierbogen so interessant war.”

Reig, Die Journalistin (2021)
Starke Frauen als Vorbild

Man erfährt zunächst ein wenig aus dem Alltag des jungen Mädchens: ihre Hobbys, Freundinnen und die heißen Sommer in der Stadt. Doch dann gibt es einen gravierenden zeitlichen Sprung. Sie wird 17. Jahre alt, wird offiziell in die gesellschaftlichen Kreise aufgenommen – darunter zum Beispiel in den wöchentlichen Treff bekannter Persönlichkeiten der Stadt – und macht ihre Bekanntschaft mit Carmen, einer starken Frau, die sie dafür bewundert, dass sie ihren Mann verließ und unter Pseudonym als Autorin für eine Zeitung tätig ist.

“Durch meine tägliche Zeitungslektüre hatte ich bereits eine gewisse Faszination für die Männer entwickelt, die über alle möglichen Facetten der Wirklichkeit schrieben. […] In all den Jahren […] hatte ich nicht gewusst, dass in dem Metier auch Frauen arbeiten.”

Reig, Die Journalistin (2021)
Berufung und Rebellion

Dies ist ein Weckruf! Jetzt weiß sie endlich, was ihre Bestimmung ist: auch sie möchte schreiben, als Frau zu Wort kommen und sich auf diese Weise aus den gesellschaftlichen Strukturen mit ihren Vorgaben und Nachteilen für Frauen befreien. Zunächst arbeitet sie als Assistentin in einem Verlag und findet ihre Begeisterung für die Tasten der Schreibmaschine und die Möglichkeiten, die sich damit auftun: Wie “Elfenbein schimmerten sie” und das weiße Papier “wartete auf seine Verwandlung”. Sie ergreift die nächstbeste Chance, als dringend nach einem Texter Ausschau gehalten wird, der über eine High Society Hochzeit berichten sollte, auf der sie zufällig anwesend war. Der Artikel erfährt großartige Kritik und fortan führt sie ihr geheimes Doppelleben.

Mit der Erzählung wird gleichzeitig ein historischer Schauplatz geboten, ein politisches Spanien um 1900 beschrieben, welches zwischen den Kriegen steckt. Man ist erstaunt, wie sehr sich die junge Autorin in eine fast 100 Jahre zurückliegende Epoche versetzen und sehr detailliert beschreiben kann. Es ist zugleich eine Freundschafts- und Liebesgeschichte, weshalb ein zweiter Teil nicht auszuschließen war (und inzwischen unter dem Titel “Der Preis der Wahrheit” publiziert ist).

Fazit

Es ist vor allem aber eine Geschichte über eine Frau in einem Beruf, in dem sie zu damaligen Zeiten nichts zu suchen hatte. Für uns vielleicht unvorstellbar, aber nicht selbstverständlich. Noch immer führen wir Debatten über Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Storys wie diese erinnern einen daran, dass der Kampf nicht umsonst, aber auch noch nicht zu Ende geführt ist. Die junge Autorin Maria Reig trägt auf diese Weise ihren Beitrag dazu bei und inspiriert andere junge Menschen dazu, dass zu tun, was sie wirklich wollen und am besten können – unabhängig von sozialer Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht.

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