Beruf

Die große BRIGITTE Frauen-Studie 2021

Die Zeitschrift Brigitte veröffentlichte Mitte März 2021 eine Studie zum Thema “Gleichberechtigung” (siehe Titelthema der Ausgabe 6/2021) und wollte damit in Erfahrung bringen, wie es um uns aktuell in der Gesellschaft steht. Die Lebensentwürfe von Mann und Frau unterscheiden sich heute kaum noch. Wir leben in einer Zeit, wo Gleichberechtigung eigentlich kein Thema mehr sein dürfte. Doch, wie Du Dir denken kannst, sieht die Realität manchmal anders aus – besonders beim Thema Kinder, Geld und Karriere. Schauen wir uns die Studie mal genauer an:

Rahmenbedingung – Bei der großen Brigitte-Studie handelt es sich um eine zweiwöchige Onlinebefragung Ende 2020 von etwa 2.000 Frauen, Männern und Diversen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren aus ganz Deutschland.

Ziel – Die Brigitte Redaktion möchte nicht nur wissen, wie es der Frau in Deutschland “wirklich geht”, sondern ihr auch das ganze Jahr 2021 widmen, d.h. mit Themen versorgen, die SIE ganz bewusst nach vorne bringen. Alle Aktionen kann man unter www.brigitte.de/wirwollenmehr nachzulesen.

Fokus – Das Augenmerk der Untersuchung liegt hierbei auf den Themen Beruf, Beziehung, Familie und Finanzen.

Ergebnisse – Die Ergebnisse sind in 10 Punkten zusammengefasst, um die es hier kurz gehen soll.

  1. Angst vor der Altersarmut: Es sind inzwischen 60% aller Frauen und sogar 53% aller Männer, die sich vor dem Altwerden und der damit wahrscheinlich eintreffenden Altersarmut fürchten. Das Geld reicht jetzt schon kaum aus, an Rücklagen ist nicht zu denken. Wie soll es im Rentenalter werden? Das fragen sich heute viel mehr Menschen in Deutschland, als noch vor ein paar Jahren. Alleinerziehende Frauen sind besonders hart betroffen. Nur jede dritte Frau legt im Schnitt 100 Euro pro Monat zur Seite.
  2. Lebensunterhalt aktuell: Tatsächlich kann sich nur jede zweite Frau ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren. Das sind erschreckende Zahlen, wenn Du uns fragst! Wie kann da etwas fürs Alter übrigbleiben, wenn 45% aller Frauen in Deutschland finanziell abhängig sind.
  3. Übrigens, die Umfrage hat ergeben, dass immerhin 20% der Frauen mehr als ihr Partner verdienen. Hut ab! But it should be more! Und zum Glück sind wir auf diesem Gebiet schon emanzipierter unterwegs. Denn laut Umfrage sind nur 26% der Männer und nur 16% aller Frauen der Meinung, Kindererziehung, Haushalt & Co. wären eine Aufgabe für sie. Ist sie tatsächlich die Hauptverdienerin, sind 63% ihrer Partner völlig d´accord damit. Super! Weiter so.
  4. Den vierten Punkt finde ich jetzt etwas sonderbar. Aber es heißt hier tatsächlich, dass sich Frauen, die Vollzeit arbeiten, besser mit ihren Schwiegereltern verstehen, als jene in Teilzeit. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie unabhängig(er) sind, mehr aus sich herausholen, dafür respektiert werden und niemandem auf der Tasche sitzen. Dass Jobs identitätsstiftend sein können, müssen wir an der Stelle ja nicht erwähnen. Vorausgesetzt eben, sie erfüllen uns und bereiten Freude. Mütter in Vollzeit sollten sowieso einen Orden kriegen, denn es bleibt uns ein Rätsel, wie sie das alles nur unter einen Hut bringen. Leider ist es noch immer oft so, dass sie gleich sehr viel weniger Verantwortung übernehmen können und weniger verdienen, wenn Frau familienbedingt in Teilzeit geht.
  5. Mittelalterliches Denken beim Thema Haushalt! Ach ja, unsere Männer können weder richtig bügeln noch vernünftig abwaschen. Man macht es am Ende doch lieber selbst?! Ist das so? Don´t do this! Interessant ist, dass sowohl Mann als auch Frau beim Thema Haushalt sehr wohl gleichberechtigt denken, ja sogar eine echt faire Arbeitsteilung denken. Doch de facto bleibt vieles an ihr hängen. Die Studie zeigt, Frauen verbringen ganze 5,5 Stunden (pro Tag!) mit sogenannter “Sorgearbeit” (Kind, Haushalt, Organisation). Männer hingegen nur 3 Stunden. Immerhin wird genau hier von Frauen verstärkt um mehr Unterstützung gebeten. Also Männer, Ärmel hoch und Anpacken!
  6. Väter sind die aktuellen Gewinner. Endlich können auch Väter fast problemlos ihren Berufsalltag für den Nachwuchs für ein paar Monate unterbrechen. Es war noch nie so leicht und so akzeptiert, sich dafür rauszunehmen. Großartig! Die Zufriedenheit der Männer mit Kindern ist sogar in den letzten Jahren auf ganze 41% gestiegen. Bei den Müttern ging die Zufriedenheitsskala allerdings in den Jahren runter. Vielleicht sollte man öfters einfach die Rollen tauschen.
  7. Den meisten ist Flexibilität im Job wichtiger als Geld (das können wir unterschreiben)! Es gibt nichts besseres, als Gleitzeit, gelegentliches Home office, Arbeitszeitkonten und Freiräume vonseiten der Arbeitgeber. jeder der da mitmacht, kriegt auch von uns einen Daumen hoch!
  8. Interessant: Frauen zwischen 18 und 29 sind viel karriereaffiner geworden als noch vor ein paar Jahren. Ja, auch wir würden heute vieles anders tun. Vielleicht nicht so lange Philosophie studieren und unwichtige Praktika machen. Das Gapyear hätte man auch sinnvoller gestalten können und das Gehalt… (hmm!) hätte man sowieso viel weiter oben ansetzen müssen – nicht nur gut für uns, sondern für ALLE Frauen dieser Welt. Denn solange es immer noch eine gibt, die den Job für weniger macht, wird der Wert auch niedrig bleiben. Also Frauen, traut euch. Verschiebt das Komma bei der nächsten Gehaltsverhandlung weiter nach hinten und hängt am Ende ruhig ´ne weitere Null dran! Die Umfrage zeigt: Frauen ist Karriere heute wichtiger als Kinderkriegen. 60% von ihnen wollen sogar eine leitende Position besetzen. Sehr gut. Doch zwischen dem 30. und 40. Lebensalter geht der Karrierehunger bei Mann und Frau anscheinend flöten. Viele stören sich mit zunehmendem Alter an den typischen starren Strukturen in den Betrieben, an denen man sich nicht mehr aufreiben möchte.
  9. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Tatsächlich wurde schon jede 5. Frau am Arbeitsplatz sexuell belästigt. Es reichen anzügliche Blicken, zweideutige Sprüche oder gar unangenehme Berührungen. Ganz wichtig an dieser Stelle: wehrt euch ab dem ersten Moment. Macht deutlich, dass hier soeben die Grenze überschritten wurde und holt euch Hilfe bei einer Vertrauensperson, beim Personalrat, Betriebsrat oder ähnlichem. Bei der Antidiskriminierungsstelle gibts mehr Infos dazu. Jede dritte Frau beschäftigt sich laut Umfrage stark mit der Thematik. #MeToo geht uns alle etwas an!
  10. Und schließlich: jede zweite Frau fühlt sich ab dem 50. Lebensalter beruflich ausgebremst. Die meisten klagen über mangelnde Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Man habe sie schon abgeschrieben, sei das Gefühl. Männer haben es da etwas leichter, gerade in höheren Positionen. Hier werden Lebenserfahrung und Lebensweisheit noch hoch geschätzt. Schade eigentlich. Alle älteren Menschen – egal ob Mann oder Frau – verfügen in der Regel über wertvolles Erfahrungswissen. Sie können viele Situationen besser einschätzen und lösen. Sie handeln oft mit mehr Ruhe und Bedacht und gehen weiser mit Problemen um. Wer dies nicht erkennt, nutzt nicht alle Ressourcen, die dem Unternehmen zugute käme.

Wie sieht es in Heidelberg aus?

Wir wären nicht Heidelberger*innen, wenn uns wir uns bei diesem Thema nicht ein wenig von anderen Städten Deutschlands unterscheiden würden. Zunächst liegt uns und unserer Stadt das Thema Gleichberechtigung sehr am Herzen! Das merkt man schnell, wenn wir hier leben, studieren und arbeiten.

Außerdem hat die Stadt Heidelberg bereits 2007 die Europäische Charta für die Gleichstellung von Mann und Frau unterzeichnet und ist mit zahlreichen Projekten ein echtes Vorbild auf diesem Gebiet.

Wenn wir uns aber die drei wichtigen Bereiche rauspicken – Haushalt, Kindererziehung und Berufsleben – dann fällt uns auf, dass nur 38,7% der Frauen in Heidelberg laut Bertelsmann Stiftung berufstätig sind. Das ist in Deutschland der niedrigste Wert! Wenn man der Statistik der NGG Gewerkschaft Glauben schenken darf, verdient die Frau in Heidelberg bei einer Vollzeitstelle durchschnittlich 700 Euro weniger (=17%) als ihr männlicher Kollege – das sind de facto aktuell 3.455 Euro am Ende des Monats. Unser Kollege hat dafür durchschnittlich 4.158 Euro auf seinem Konto. Der SPIEGEL wertet sogar aus, dass in DAX-Konzernen, aber auch in Kliniken, den Stadtwerken oder bei kommunalen Unternehmen nur wenige Frauen eine Führungsposition innehaben. Zwar sind Frauen im gehobenen Dienst, vor allem bei der Stadt Heidelberg stark vertreten, doch verdienen sie immer noch 6% weniger als ihre Kollegen.

Thema Kinder: Frauen bekommen in Heidelberg im Schnitt nur 1,17 Kinder, was ebenfalls der niedrigste Wert in ganz Baden-Württemberg ist. Jede dritte Mutter ist hier vor Ort bei der Geburt ihres Kindes 35 Jahre und älter. Beachtlich ist, dass im Vergleich zu ganz Deutschland, in Heidelberg die meisten Väter eine Auszeit für die Kindererziehung nehmen. Und jedes fünfte Kind in Heidelberg wächst bei nur einem Elternteil auf.

So, jetzt haben wir aber genug Statistiken gehört! De facto geht´s uns Heidelberger*innen nämlich richtig gut. Wir feiern das Leben, haben tolle Jobs und interessante Perspektiven. Unser Reichtum ist nicht unbedingt monetär auszudrücken – und erst recht nicht daran orientiert! Egal, ob mit oder ohne Kids, Mann oder Hund – wir richten uns so ein, wie es uns gefällt. Wir haben großartige Freunde (sie sind unsere Familie), tolle Nachbar*innen und Kolleg*innen, auf die wir zählen können und wir lernen jedes Mal neue Menschen kennen, die uns begeistern und inspirieren! Das ist Heidelberg. Das sind wir.

#BrigitteStudie #MeToo #Gleichberechtigung #WirWollenMehr #DieHeidelbergerin

Hat Dich das Thema interessiert? Dann könnte Dich auch das interessieren: