Feiern,  Freunde

Die etwas andere Party

Eine ganz besondere Art von Party sind die Nächte in den Villen der Burschenschaften. Heidelberg hat mindestens 34 sogenannte Korporationen. Burschenschaften – wer diese noch nicht kennt – sind besondere (meist männliche) Studentenverbindungen mit unterschiedlichen Ausrichtung und Förderern. Es gibt sie vor allem in älteren Universitätsstädten.

Zunächst locken Verbindungen ihre potentiellen Neumitglieder mit attraktiven Mieten in attraktiver Lage. Das zweite Lockmittel ist der immerwährende Schnaps. Drittens setzen sie auf Netzwerke – die später im Berufsleben wichtig werden könnten! Man wird quasi von ehemaligen Mitgliedern gesponsert und selbst später einmal die neue Generation unterstützen. Das Ganze hat einen militanten „Kameradschaft“-Charakter. Ihnen wird manchmal eine rechte Gesinnung nachgesagt, weil sie Werte vertreten und Vokabular benutzen, die politisch unkorrekt sind.

Wer also trinkfest ist, seinen Verstand vorne abgibt und gern den ganzen Tag Anweisungen befolgt, wird sicherlich eine steile Karriere hinlegen.

Schon mal was von der schlagenden Verbindung gehört? Das sind junge Burschen, die miteinander fechten – mit verbundenen Augen versteht sich! Ab und zu sieht man dann einen Jura- oder Medizinstudenten, der eine Narbe im Gesicht trägt. Das ist ihr Erkennungszeichen. Darauf sind sie sogar stolz.

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Nichtsdestotrotz haben die sehr oft zentral gelegenen und in hübschen Villen untergebrachten Verbindungen einen Vorteil: sie feiern die besten Partys! Wer so einen exklusiven Flyer ergattert, hält automatisch die Eintrittskarte für eine unvergessliche Nacht. Manchmal muss man auch jemand Bestimmtes kennen. Sein Name fungiert dann als Codewort am Eingangstor.

Verbindungsfeiern sind oft auch Mottopartys. Man muss sich entsprechend an die Kleiderordnung halten. Ein Blazer und schicke Schuhe sind aber immer eine gute Wahl, gerade wenn man das Motto nicht kennt. Im Inner Circle wird – sagen wir – „gut gefeiert“. Was hier passiert, verlässt die vier Wände nicht. Es kursieren dennoch spannende Storys, die man sich gegenseitig in den nächsten Wochen beim Mittagessen in der Mensa erzählt: außergewöhnliche Gäste, Bühnen und Champagner bis zum Abwinken. Doch das größte Highlight ist und bleibt immer noch der fest installierte Kotzbecken, der nur für genau diesen Zweck errichtet wurde: In den Becken kosten.

Es gibt aber nicht nur Burschenschaften. Einige Verbindungen beherbergen zum Beispiel Künstler, Tänzer, Musiker, Poeten etc. jedes Geschlechts. Dann erwartet uns eine Bühne mit wunderbarer Live-Performance (die man so in keinem Konzert oder Theater sehen wird). Diese Partys sind legendär, vorausgesetzt man kennt jemanden, der jemanden kennt, dessen Name man vorne im Eingangstor nennen kann…