Lifestyle

Die Eltern – ein Verhältnis besonderer Art

Auch wenn man sie gern und prinzipiell ein gutes Verhältnis zu ihnen hat: Kommen sie einmal zu Besuch, sollten Eltern eine Nacht, maximal zwei Übernachtungen bleiben. Wir haben insgesamt eine gute, sehr freundschaftliche Beziehung zu ihnen. Wir telefonieren regelmäßig und lassen kein Festtag aus. Für sie fahren wir quer durch Deutschland. Sie finden sogar regelmäßig Erwähnung in Gesprächen mit unseren Freundinnen. Wir schwärmen von unseren tollen Vätern während des Mittagessens in der Mensa und unsere hübschen, gebildeten Mütter sind quasi untere besten Freundinnen, die uns in wichtigen Lebensfragen beraten (auch manchmal in Fragen Liebesleben).

Unsere Eltern machen Weltreisen, schicken uns kleine hübsche Geschenke, lernen neue Sprachen, überlassen uns ihr Auto, praktizieren Yoga, halten Vorträge und engagieren sich ehrenamtlich. Und natürlich sind sie ganz stolz auf uns und unterstützen uns auf unserem Erwachsenwerden in Heidelberg (besonders im Studium).

Deshalb kommen sie uns auch ziemlich oft besuchen. Nicht immer ist das förderlich bei unserer Entfaltung. Im Gegenteil. Mit unseren Eltern an der Seite wirken wir oft wieder ins Teenageralter versetzt. Sie wissen plötzlich besser, was wir mögen oder uns gut tut. Sie wollen sich genau vorstellen können, wie wir so in der Unibibliothek sitzen und Bücher lesen oder uns in der Mensa mit unseren Freunden treffen. Gerne möchten sie erfahren, was für Kurse wir belegen, wie unsere Freunde heißen und was genau wir am Wochenende tun. Manchmal aber geht ihre Neugierde zu weit. Das müssen wir erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Elternfürsorge hin oder her.

Zum Erwachsenwerden gehört auch, seinen eigenen Weg gehen, ohne jeden Schritt mit seinen Eltern zu besprechen. Das sogenannte “Abnabeln” vom Elternhaus ist wichtig, um sein eigenes soziales Verbundssystem vor Ort zu zu entwickeln, das heißt, neue Menschen kennenlernen und ihnen vertrauen schenken können. Eigenständigkeit baut auf eigen gemachten Erfahrungen und auf Loslassen, auch von gut gemeinten Ratschlägen und natürlich auch irgendwann von der gut gemeinten, finanziellen Unterstützung, die uns daran hindern kann, uns voll und ganz zu entfalten.

Erst wenn wir richtig unabhängig sind und wirklich auf eigenen Beinen stehen, können wir eine besondere Beziehung zu unseren Eltern pflegen, die auf Augenhöhe stattfindet und eine völlig neue Qualität einnimmt.