Buchempfehlung,  Philosophisches

Rezension zu Die Säufer*in der Philosophie

Wenn man das so betrachtet…, könnte man meinen, dass jede außergewöhnliche Idee – ja, jeder in der Weltgeschichte eingegangene großartige Gedanke, auf eine bestimmte Promillezahl zurückzuführen ist. Klar! So abwegig ist der Gedanke nicht. Alkohol war schon immer ein Creativity-Booster, wenn es um die eigene Erleuchtung ging. Sei es bei Sokrates, Johann Sebastian Bach, ja sogar Hildegard von Bingen oder Johann Wolfgang von Goethe gönnten sich ein paar Gläschen. Und schließlich trinkt der Deutsche laut BZgA knapp 23g reinen Alkohol am Tag (das sind zwei Glas Bier oder ein gefülltes mit Wein). Neun von zehn Menschen in Deutschland trinken regelmäßig. Europa und der Rest der Welt ist da nicht anders unterwegs.

Und wer hat nicht schon mal als Student*in den ein oder anderen Schluck Alkohol konsumiert, um abends entspannter an seiner wissenschaftlichen Hausarbeit zu schreiben? Bei einem kühlen Glas Bier lässt sich die übers Wochenende mitgenommene Arbeit aus dem Büro doch auch viel leichter ertragen! Ich kenne sogar Kommiliton*innen, die stolz erzählen, ihre 20 Seiten in nur wenigen Tagen unter Alkoholeinfluss geschrieben zu haben – mit überraschend gutem Ergebnis!

Dies soll natürlich keine La Ola-Welle aufn Alkohol werden. Luftrüssel also wieder einpacken! Allerdings kann man nicht bestreiten, dass Alkohol in gewisser Weise für eine bestimmte Zeit kreativer und produktiver macht*. Die Substanz regt die Produktion von Botenstoffen, sprich Glückshormone wie Dopamin und Serotonin an, und führt beispielsweise dazu, Denkblockaden zu lösen und der Angst oder Aufregung einfach in den Hintern zu treten.

Das ist vielleicht auch der Grund, warum es so viele Säuferinnen und Säufer der Philosophie gibt, von denen jetzt einige in einem Buch mit dem gleichnamigen Titel im Katapult Verlag vorgestellt werden.

*Zum Glück sind wir schlau genug zu wissen, dass Kreativität, Energie und super Einfälle ganz anders produziert werden: schnarchend aufm Kopfkissen, schwitzend in Turnschuhen und mit nem bunten Teller voller Gemüse, Nüsse und Obst. Wer länger über einem Gedanken grübelt oder in seiner Arbeit stockt, versucht es mit Yogamatte ausrollen, ein paar Stunden Ablenkungsmanöver und einer anderen Uhrzeit. Der Einfall kommt oft in ganz untypischen Momenten: unter der heißen Dusche, beim Träumen, bei einem Talk oder beim Flanieren – eben dann, wenn wir meist gut drauf sind!

Wie ein perfekt gemixter Cocktail

Das 240-seitige Buch ist so etwas wie eine unterhaltsame Einführung in die Philosophie, am Beispiel von populären, aber vor allem auch weniger bekannten Denker*innen wie Salomon Maimon, Helene von Druskowitz oder Ayn Rand. Sogar Trump soll den Roman der letzt Genannten gelesen haben (als eines der wenigen Bücher, die er je in die Hand genommen hat). Ich kannte weder Rand noch Druskowitz, zwei völlig unterschiedliche Frauen, welche beide auf ihre Weise kräftig an der patriarchalen Leiter rüttelten.

Das Buch selbst gestaltet sich wie ein gut gemixter Cocktail: bunt, unterhaltsam und man kriegt nicht genug! Der Text geht runter wie süßer Likör und überzeugt in seiner berauschenden Wirkung. Immerhin, die Zeit vergeht beim Lesen wie auf einer guten Party: ehe man sich versieht, ist´s draußen schon wieder hell… und am Ende ist man plötzlich stolze Abonnentin des verlagseigenen Magazins… (das passiert doch sonst nur, wenn man etwas zu viel getrunken hat :-).

Philosophie – eine Theorie der alten grauen Männer? Von wegen!

Und natürlich geht es darin nicht NUR um Alkohol. Die Autor*innen haben prima recherchiert und unterhaltsame Storys an der Tag gelegt. Schließlich sind Marx, Nitzsche und de Beauvoir auch nur Menschen. Es geht aber nicht ums Kapital, den Übermenschen oder das Andere Geschlecht (la-a-a-g-w-e-i-l-i-i-i-g! Und tausend Mal gehört!), sondern um Karl Marx´ persönliche Sorge um die Weinbauer seiner Region, die ihn überhaupt dazu motiviert haben, sich ausgiebig mit Ökonomie zu beschäftigen. Oder nehmen wir Nietzsche, der seinen Rausch – ähnlich wie Rechtsmediziner Professor Boerne aus dem Münster Tatort – in den Tristan-Akkorden Wagners findet. Wer bis heute keinen Zugang zur Philosophie fand, sie als langweilig oder gar als “Theorie der alten grauen Männer” gesehen hat, wir nach dieser Lektüre vermutlich ganz anders darüber denken!

Und zum Glück muss man sich zum Lesen der Säuferinnen und Säufer in der Philosophie nicht selbst betrinken, wie es etwa Hegel damals von seinen Leser*innen erwartet hat, damit man seine Schriften überhaupt versteht, sondern kann sich ganz entspannt zurücklehnen und im Band 1 herumflausen! Apropos Band 1 – ist da etwa eine Fortsetzung geplant? Genügend Stoff gibt´s ja (ist da überhaupt jemand, der NICHT trank bzw. trinkt?)! Wir bleiben also gespannt…

Erfahre mehr über das Buch Die Säuferinnen und Säufer in der Philosophie auf dieser Seite.

Und hier gehts zu KATAPULT – ein neues, im Jahr 2015 gegründetes Unternehmen in Greifswald, dass für seinen sozialwissenschaftlichen Background bekannt geworden ist und sich mit seinen Kartografien vor allem in den Sozialen Medien von der Masse abhebt 🙂 An dieser Stelle, ein ganz herzlicher Dank an die unkomplizierte Presseabteilung!

Hier gibt´s noch einen kleinen Einblick in die redaktionelle Schleudermaschine:

Gefunden: ein aktueller TV-Beitrag im rbb zum Thema: “Wann wird Alkohol zum Problem?”: