Buchempfehlung,  Über Heidelberg

Berühmte Heidelberger*innen, die man kennen muss

Heidelberg ist global gesehen nur ein winzig kleiner Punkt auf der Karte, aber dennoch ist sie eine wichtige Stadt mit noch wichtigeren Persönlichkeiten – die die Weltgeschichte geprägt haben. Jeder kennt Friedrich Hölderlin und sein berühmtes Gedicht über Heidelberg („Lange lieb ich dich schon…“). Auch ist Friedrich Ebert (deutscher Sozialdemokrat, der erste Reichpräsident) aller Welt bekannt. Berühmt wurde auch der Mediziner Harald zur Hausen für seine Entdeckung des HI-Virus, für die er 2008 den Nobelpreis erhielt. Berühmte Menschen, die hier außerdem gewirkt haben, waren Georg Wilhelm Friedrich Hegel (Philosoph), Karl Jaspers (Psychiater und Philosoph), Johann von Goethe (Dichter und Naturforscher), Martin Heidegger, Hannah Arendt (politische Theoretikerin und Publizistin), Max Weber (Soziologe und Nationalökonom), Jan Assmann (Archäologe, Religions- und Kulturwissenschaftler) und viele mehr.

Berühmte Nachbarn sind Boris Becker (ehem. Tennis-Star aus Leimen) oder Helmut Kohl (ehem. Bundeskanzler und Politiker der CDU aus Ludwigshafen). Kennst Du schon diese Persönlichkeiten?

Schauen wir uns aber weitere, vielleicht nicht ganz so geläufige Persönlichkeiten an, die ein Teil Heidelbergs auf ihre Weise mitgeprägt haben:

Walther von der Vogelweide ist kein Schimpfwort. Ihn hat es um 1170 wirklich gegeben. Er gilt als einer der bedeutendsten, produktivsten und weit in Europa herumgekommenen Lyriker des Mittelalters. Er prägte den Minnegesang und zählt zu den ersten politischen Liedermachern. Somit könnte man ihn auch als eine Art Pionier und Vorläufer des gegenwärtigen politischen Raps betrachten?!? In der Universitätsbibliothek Heidelberg ist die wertvolle Große Heidelberger Liederhandschrift Codex Manesse (im Original) untergebracht.

Olympia Fulvia Morata ist eine italienische Dichterin und humanistische Gelehrte des 16. Jahrhundert, die ihre letzte Wirkungsstätte in Heidelberg hatte, bevor sie sie mit gerade Mal 29 Jahren starb. Sie ist deshalb allein erwähnenswert, da es so gut wie keine Überlieferungen wirkungsstarker, gebildeter Frauen aus dieser Zeit gibt. Man geht davon aus, dass damals weniger als 30% aller Frauen überhaupt Lesen und Schreiben konnten. Sie war inspiriert von Plato und Plutarch und galt als außerordentliches Wunderkind. Olympia hatte eine kurze aber verhältnismäßig einflussreiche Schaffenszeit. 

Liselotte von der Pfalz wird 1652 in Heidelberg als Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig geboren. Die wohl berühmteste Bewohnerin des Heidelberger Schlosses wird mit Philipp I., dem Bruder von Ludwig XIV (König von Frankreich) verheiratet, der jedoch ein Auge für andere Männer hat, anstatt für seine junge Frau. Sie führt eine unglückliche Ehe und bringt alles zu Papier. Heute sind über 5.000 Briefe überliefert. Sie sind heute deshalb von großer kultureller Bedeutung, weil sie darin nicht nur akribisch das königliche Hofleben beschreibt, sondern ihre tiefsten Gedanken preisgibt. Schließlich wird sie aufgrund des Todes des letzten Kurfürsten zum Spielball der Politik. Frankreich erhebt Ansprüche auf die Pfalz und führt den in die Geschichte eingegangenen grausamen Orleanischen Krieg. Heidelberg wird 1689 zerstört und das Schloss niedergebrannt. Seither ist es bei der Schlossruine geblieben.

Dorothea Delph ist in diesem Zusammenhang auch noch zu erwähnen. Man sieht sie immerhin fast jeden Freitag- und Samstagabend durch die Heidelberger Altstadt laufen, oder zumindest das, was man von ihr zu wissen meint und in theatralischer Figur als solche verkörpern zu können. Dorothea Delph ist 1730 in Heidelberg geboren (und auch hier gestorben). Sie war nicht nur beruflich erfolgreich (selbstständige Handelskauffrau), sondern auch eine recht gute Freundin Goethes. Goethe erwähnt sie mehrmals in seinen Schriften und er übernachtet sogar bei ihr. Es war aber wahrscheinlich keine Liebesbeziehung, wie man jetzt mutmaßen könnte. Sie war eher sowas wie eine Tante. Viel weiß man über Dorothea Delph nicht, außer dass sie ein eigenes Geschäft hatte. Manche munkeln, dass sie in geheimen diplomatischen Aktivitäten zwischen der Kurpfalz und Preußen verwickelt war.

Katharina (Charlotte Friederike Auguste) Windscheid, kurz Käthe, war eine deutsche Frauenrechtlerin – eine Feministin. Sie gilt als Wegbereiterin für das Frauenstudium in Deutschland und war sogar die erste habilitierte Frau. Ihr Dissertationsthema ist weniger imposant, als ihre tatsächliche Wirkungsgeschichte. Während sie über die englische Hirtendichtung promovierte, engagierte sie sich vor allem für die Zulassung weiblicher Studierenden an deutschen Hochschulen. Sie gründete den ADF – den Allgemeine Deutschen Frauenverein und bewirkte, dass es immer mehr Gymnasien für Mädchen gab, an denen sie das Abitur ablegen konnten. Sie selbst wurde später Lehrerin.

Rahel Straus ist die erste Frau (1900) an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Ja, man glaubt es kaum! Aber tatsächlich wurden Frauen erst um die Jahrhundertwende zum Studium zugelassen. Wählen dürfen Frauen in Deutschland erst 19 Jahre später und Arbeiten übrigens erst seit der Einführung des Gleichberechtigungsgesetzes im Jahr 1958. Im Vergleich: heute sind 46,3% aller Studierenden weiblich. Zwei Drittel der Erstsemester in Fachbereich Medizin sind Frauen. Der Arztberuf wird also weiblich – und dennoch: weniger Frauen sind in leitender Position, das ist aber ein wieder anderes Thema. Zurück zu Rahel: Sie brachte Bestnoten hervor, promovierte über das Chorinonkarzinom und wurde Gynäkologin. Jetzt konnte man sich endlich auch von einer Frau untersuchen lassen.

Hans-Georg Gadamer ist ein uralter Philosoph des 20. Jahrhundert (immerhin wurde er 103 Jahre alt!) – und ein sogar international gefeierter, auch wenn er ein bisschen aus der Reihe tanzt. Er ist Begründer der universalen Hermeneutik (= was soviel heißt wie „Interpretation von Texten und des Verstehens“) und sein berühmtestes Werk ist Wahrheit und Methode. Er geht davon aus, dass die Hermeneutik weder als Theorie noch als Methode verstanden werden kann. Vielmehr sei sie ein Phänomen, dessen Wahrheit sich auch durch Kunst oder Geschichte offenbaren kann. Wahrheit – so Gadamer – lasse sich zum Beispiel genauso in Form eines Dialogs, eines Gemäldes oder eines Gegenstandes ausdrücken. Der Philosoph stand im aktiven Austausch mit Husserls, Heidegger und später auch Habermas. Immer wieder zog er sich auf seine Blockhütte zurück und lebte zuletzt im Stadtteil Ziegelhausen, wo man in heute noch auf dem kleinen Friedhof besuchen kann.

Silvia von Schweden wurde 1943 als Silvia Renate Sommerlath in Heidelberg geboren. Ihre Mutter kommt aus Brasilien und so interessierte sie sich recht früh für romanische Sprachen. Sie absolvierte eine Dolmetscher-Ausbildung und arbeitete nebenbei als Hostess auf den Olympischen Sommerspielen in München. Dort traf sie schließlich auf Carl Gustaf, dem König von Schweden, mit dem sie sich nur wenige Jahre später verlobte. Zu Ehren des Brautpaares performte ABBA den Titel Dancing Queen, was ein richtiger Hit wurde. Silvia von Schweden gilt als die Königin des Lächelns – dafür wurde ihr sogar ein Orden verliehen.

Jacky Wong – auch bekannt als Jacky oder Mr. Hongkong – ist ein Heidelberger Legende und jeder kennt sein Fitness Studio in der Bergheimer Straße, dass nach mehr als 35 Jahren geschlossen hat. Jacky ist Diplomsportlehrer (Kampfkunst), Bodybuilder und Schauspieler. Er drehte für Akte XY… ungelöst, Der Bulle von Tölz und Alarm für Cobra 11, meist bekam er die Rolle des Bösewichts. Aber eigentlich ist er ein ganz netter. In Fitness Studio motivierte er jeden noch so Untrainierten zu mehr Krafttraining im Alltag für ein fitteres und gesundes Leben. Inzwischen ist er in Rente gegangen und genießt die freie Zeit etwa für Reisen in seine chinesische Heimat.

Larissa Rieß ist endlich mal eine Zeitgenossin, die es in ihren jungen Jahren wirklich weit gebracht hat. Larissa ist Jahr 1988 in Quito, Ecuador geboren und ist heute als Moderatorin, Schauspielerin und DJane tätig. Als sie noch ein Kind war, zogen ihre Eltern nach Heidelberg. Sie studierte Medien- und Kommunikationswissenschaften in Mannheim und ging berufsbedingt nach München, Berlin und Köln. Zuletzt arbeitete sie mit Böhmermann, Olli Schult und Christian Ulmen zusammen. Auch in Fack ju Göhte 3 ist sie als Darstellerin zu sehen. Dann lernte die stets umherreisende nimmer ruhende Larissa ihren heutigen Mann kennen – einen Heidelberger. Immer wenn sie zuhause ist, schaltet sie sofort ab. Weil Heidelberg wie ein Urlaubsort wirke, komme sie sofort zur Ruhe und das tut ihrer Karriere richtig gut.

Und natürlich diese Heidelbergerinnen im Interview!

Buchempfehlung an dieser Stelle:

  • Ilona Scheidle Heidelbergerinnen, die Geschichte schrieben, 2006
  • Die Vergangenheit ist die Schwester der Zukunft. 800 Jahre Frauenstadtgeschichte in Heidelberg, herausgegeben von der Stadt Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Historikerin Petra Nellen
  • Kurpfälzischer Verlag (Hg.) Heidelberger Helden 2020
  • Cornelia Lohs Heidelberg. Porträt einer Stadt, 2016
  • Bernhard Schlink Der Vorleser, 1995